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Geschichten vom 50. Breitengrad: In Wittlich steht die Lagebezeichnung Pate für den Namen des Eine-Weltladens

Wittlich. Prag, Winnipeg, Kiew und Wittlich. All diese Orte verbindet die Lage auf demselben Breitengrad. In der Säubrennerstadt arbeiten seit 20 Jahren Menschen ehrenamtlich in einem Fachgeschäft für fairen Handel. Harald Jansen

Wittlich. Der Name passt. Wer sich auf die Position 49,59.10 Grad nördlicher Breite und 6,53.15 Grad östlicher Länge begibt, der steht mittendrin: Im Eine-Weltladen am 50. Breitengrad. Dieser Breitengrad verläuft zwar wenige Hundert Meter nördlich von der Position in der oberen Wittlicher Neustraße entfernt durch die Weinberge. Hans Wax und die anderen rund 100 Mitglieder des Trägervereins sind sich jedoch sicher, dass der Standort ihres Ladens etwas weiter im Süden genau goldrichtig ist.
Es ist der dritte Standort des Ladens in Wittlich, in dem es fair gehandelte Waren gibt. Angefangen hat alles in einem engen Ladengeschäft in der Oberen Kordel am Rande der Altstadt, erinnert sich Werner Bühler. Er gehört neben einigen weiteren Aktiven zu den Gründervätern des Ladens. Gründungsmütter gab es natürlich auch. Das ist nun 20 Jahre her. Zwischendurch war der Laden in der Kirchstraße zu finden, ehe es in die Neustraße ging.
Schon Mitte der 70er Jahre gab es erste Versuche in der Stadt, fair gehandelte Produkte an den Kunden zu bringen. "Die Zeit war damals wohl noch nicht reif", sagt Wax. Inzwischen finden sich Waren mit dem Gepa-Siegel für fairen Handel in fast allen gut sortierten Supermärkten.
Haben der Eine-Weltladen in Wittlich so wie die Läden mit gleicher Zielrichtung in Föhren, Trier, Bitburg, Erden, Daun, Cochem und Traben-Trarbach also ihren Zweck erfüllt, und sind sie eigentlich überflüssig? "Auf keinen Fall", heißt die Antwort der im Laden engagierten Männer und Frauen, die ehrenamtlich mitarbeiten. Menschen wie Beatrix Lutz, Heide Rass und viele weitere mehr. Insgesamt 70 vornehmlich über 50-Jährige sind es, die den Laden am Laufen halten. "Die fair gehandelten Lebensmittel machen nur rund 40 Prozent des Umsatzes aus", sagt Beatrix Lutz. Der Rest verteilt sich auf Uhren aus Nigeria, filigrane Blechautos aus Behältern für Pflanzengift oder Schals aus Indien, Figuren aus Speckstein, Schmuck aus Südamerika oder auf Handtaschen aus alten Autoreifen. Alles in Hilfsprojekten entstanden, unter fairen Bedingungen und für einen guten Zweck. Denn die Wittlicher legen den Ladengewinn so wie die anderen Läden auch nicht auf die hohe Kante, damit das Geld vor sich hinarbeiten kann. Nein, das Geld aus Wittlich schafft Arbeit. Und Bildung. Und Zukunft.
Die Mitgliederversammlung des Trägervereins entscheidet jährlich darüber, welche Vorhaben unterstützt werden. Die Fördersumme von rund 5000 Euro fließt in ein Schulprojekt in Ghana oder ein Selbsthilfeprojekt für Kinder von Kakaobauern. Grundvoraussetzungen sind Umweltverträglichkeit, die Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe, möglichst langfristige Bindung an ein Projekt, Transparenz und Nachhaltigkeit.
Bleibt da nur noch die Frage nach dem Namen fürs Geschäft, dessen Schaufenster aufgrund des modernen Designs so gar nicht wirkt wie ein Eine-Weltladen. Dafür zeichnet Thomas Hebler verantwortlich, der sich in den Dienst der fairen Sache stellte und der Ladenfront ein modernes Aussehen gab. Passend zum Selbstverständnis der ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen, die ihren Eine-Weltladen am 50. Breitengrad in Wittlich auch schon einmal als Fachgeschäft für fairen Handel bezeichnen.Extra

Der 50. Breitengrad verläuft zwischen Burg und Übereisenbach durch den Landkreis Bernkastel-Wittlich und den Eifelkreis Bitburg-Prüm. Im näachsten und letzten Teil unserer Serie geht es wieder um Burg. Dieses Mal jedoch um das an der Mosel und die Zukunft des dortigen Weinbaus. har