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Glaube im Alltag

Dieter Stuff. Foto: TV- Archiv
Dieter Stuff. Foto: TV- Archiv
Plötzlich ein Hinweisschild auf eine Baustelle. Die Verkehrsteilnehmer reduzieren die Geschwindigkeit ihrer Fahrzeuge, die Fahrbahn wird verengt.

Bei hohem Verkehrsaufkommen bilden sich öfter zum Leidwesen der Autofahrer und der Mitfahrer Staus. Irgendwann lösen sie sich wieder auf Grund einer durchdachten Regulierung auf und alle steuern ihren Zielort an. Baustellen gibt es nicht nur auf den Straßen, Autobahnen und beim Hausbau. Auch im übertragenen Sinne spricht man öfter von Baustellen, wenn komplexe Probleme im privaten, öffentlichen und in sonstigen Bereichen sich stellen, deren Lösungen viel Zeit, Energie und Teamwork benötigen. Negativbeispiele gibt es genug. Auch Glaubensgemeinschaften wie die katholische Kirche stehen in der heutigen Zeit vor gewaltigen Problemen, für die wie bei Baustellen dringend Lösungen gesucht werden müssen. Für mich sind das zum Beispiel der Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten, Fragen zur Sexualmoral, die Stellung der Frau in der Kirche, der Priestermangel, um nur einige innerkirchliche Baustellen zu nennen. Als Autofahrer stört es mich, wenn ich keine offensichtlichen Fortschritte bei den Bauvorhaben sehe. Ich erwarte ein Ende der Einschränkungen und normale Fahrt. So erwarte ich von der Institution Kirche, das Erkennen von dringlichen Problemen in der christlichen Gemeinschaft und eine Auseinandersetzung im Sinne von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Jesu Vorbild. Viele Christen wünschen sich dies als Teil einer lebendigen christlichen Gemeinschaft wie auch eine eigene, aktive Teilnahme an den Problemlösungen. Baustellen haben es so an sich, das sie etwas verbessern und verändern wollen. Ich wünsche mir, dass die Baustellen der Kirchen transparent gemacht, offen diskutiert und Lösungen zugeführt werden. So kann auch Kirche neues Vertrauen erwecken und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Dieter Stuff aus Ürzig ist Rektor im Ruhestand.