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Graf von Moltke: Ein Leben für den Widerstand und die Liebe

Wittlich. In welcher Weise hat Helmuth James von Moltke am Hitler-Attentat mitgewirkt? Diese Frage ist bei einer Collage mit Szenen, Lesungen und Musik in der Wittlicher Synagoge beleuchtet worden. Gleichzeitig hat die Aufführung anhand von Briefen Einblicke in die liebevolle Beziehung zwischen Moltke und seiner Frau gewährt.

Wittlich. Es bedarf keiner großen Kulisse, um das Publikum emotional zu berühren. Bei der Collage aus Szenen, Lesung und Musik mit dem Titel "In der Mitte des Netzes" genügen zwei Schauspieler, zwei Pulte und eine Leinwand. Auf ihr ist eine Querflöte zu sehen sowie Bilder aus dem Leben der Familie Moltke. Der dahinter befindliche Musiker ist schemenhaft zu erkennen.
Heimliche Treffen


Die rund 50 Zuschauer sind gebannt und folgen der eindrucksvollen Darbietung der Schauspieler Dorothea Baltzer und Robert Atzlinger. Sie lesen im ersten Teil des Abends Briefe von Helmuth James von Moltke an seine Frau Freya. Dabei geht es um Moltkes wachsendes Unbehagen in Anbetracht der Vorgänge im Dritten Reich. "Es ist unsere Pflicht, das Widerliche zu erkennen", zitieren die Schauspieler aus den Briefen. Auch seine Verzweiflung darüber, dass bei dem Russlandfeldzug in jeder Minute vier Deutsche und zehn Russen sterben, kommt zum Ausdruck.
Die Briefe geben auch Einblicke in die als Familientreffen getarnten heimlichen Treffen des Krei sauer Kreises. Ziel dieser Treffen war es, den erwarteten Zusammenbruch Deutschlands für einen Neuanfang zu nutzen. Auch das Attentat des Grafen von Stauffenberg auf Hitler war ein Ergebnis dieser heimlichen Zusammentreffen und langer Vorbereitungen. Aber Moltke selbst war nicht an dem Attentat beteiligt. Und auch das erfahren die Zuhörer der Lesung: Er lehnte diese Aktion aus seiner christlichen Grundüberzeugung ab. Dennoch wurde Moltke 1944 verhaftet und im Januar 1945 hingerichtet.
Die Zeit von der Haft bis hin zu seinem Tod beleuchten die Schauspieler im zweiten Teil. Auch jetzt wird mit minimalen optischen Mitteln gearbeitet. Die Schauspieler sitzen auf Stühlen auf der Bühne, der Musiker Ekkehard Schobert mitten im Raum zwischen den Zuschauern.
Eindrucksvoll ist auch der kurze Filmausschnitt, in dem Freya von Moltke als alte Frau erzählt, wie sie die Zeit der Inhaftierung ihres Mannes bis hin seinem Tod erlebte. "Ach, man hofft ja immer", sagt sie. Der Todestag ihres Mannes, der 23. Januar 1945, sei ein Schicksalstag für sie. noj
Extra

Helmuth James Graf von Moltke, geboren am 11. März 1907, war Familienvater, Jurist und Mitbegründer des Kreisauer Kreises. Er stammte aus dem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht Moltke und war Eigentümer des Landguts Kreisau in Schlesien. Er studierte Jura und war später in der Abteilung für Völkerrecht der Amtsgruppe Ausland/Abwehr tätig. Er wurde im Januar 1945 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und wenige Tage später in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Freya von Moltke, geboren am 29. März 1911 als Freya Maria Helene Ada Deichmann, war Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, Schriftstellerin und Juristin. Freya von Moltke starb 2010 im Alter von 98 Jahren in Vermont, USA, und hinterließ den Briefwechsel mit ihrem Mann. noj