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Gravedigger Jones gehen in den Knast - Trierer Bluesrocker in der Justizvollzugsanstalt Wittlich

Uli Backes und seine Band bekommen für ihr Engagement in der JVA Wittlich den Ehrenschlüssel (rechtes Bild). Der thront während des Konzerts vor dem Gravedigger-Jones-Spaten, Teil des Bühnenbilds. TV-Fotos (2): Nicolaj Meyer
Uli Backes und seine Band bekommen für ihr Engagement in der JVA Wittlich den Ehrenschlüssel (rechtes Bild). Der thront während des Konzerts vor dem Gravedigger-Jones-Spaten, Teil des Bühnenbilds. TV-Fotos (2): Nicolaj Meyer FOTO: (m_wil )
Wittlich. Der Name Jones macht in der JVA Wittlich musikalisch Karriere, nach den Deutschrockern Jupiter Jones 2015, ist nun die Bluesrock Formation Gravedigger Jones hinter Gitter gegangen. Nicolaj Meyer

"Ruhe, der Direktor will was sagen!", tönt es oben von der Empore, auf der rund 40 Gefangene der Jugendstrafanstalt (JSA) voller Vorfreude jubeln. Weitere 90 Männer des Erwachsenenvollzugs sitzen unten vor der Bühne auf Stühlen. Jedes Gegröle verschluckt Gefängnisleiter Jörn Patzak mit Autorität wie Schallschutzmaterial: "Bevor es nicht ruhig ist, spielt hier keiner" - plötzlich Stille.

"Viele reden vom sozialen Engagement, ihr macht es wahr, ihr spielt nämlich ohne Gage", bedankt sich Patzak vor Konzertbeginn bei den Bluesrockern von Gravedigger Jones (siehe Extra) - nach Jupiter Jones 2015 bereits das zweite Konzert, das Patzak organisiert. Dafür überreicht Patzak der Gruppe dann auch den Ehrenschlüssel der JVA Wittlich.Kraftvoll, laut und ehrlich


"Kraftvoll, laut und ehrlich" ist das Motto der Trierer Band und so klingt die Gitarrenmusik dann auch - Henning Wirtz an der Bluesharp verleiht dem US-Südstaatenklang den speziellen Feinschliff. "Wie in der Schule, die erste Reihe ist frei", bemerkt Sänger Dirk Schönhofen nach dem ersten Song.
Die Insassen in roten Jogginganzüge füllen den Rest des Saals, in dem sonntags ansonsten die Messe gehalten wird, gut aus. Einige tragen auch schwarze Fila- oder Adidas-Jogger: "Die, die es sich leisten können, kaufen sich eben ihre eigene Kleidung", erklärt ein Wärter die Zeichen finanzieller Hierarchie. Erlaubt sei aber nur Sportkleidung.

Wenn Applaus das Brot des Künstlers ist, machen Gravedigger Jones nach diesem Abend eine Bäckerei auf: Während bei den ersten Songs bei den Erwachsenen noch verschränkte Arme und ein starrer Blick dominieren, gibt es Song für Song mehr Zuspruch. Am Ende ist es keine Überraschung, dass nicht nur die fortwährend lautstarke Empore eine Zugabe will - und bekommt.
Auch weil Sänger Schönhofen die Gefangenen immer wieder mit Ansagen zwischen den Songs mitnimmt, etwa mit dem Spruch: "Im Blues geht es häufig um die Weiber. Die sind dann die Bösen und die Jungs die Guten." Dafür gibt es zustimmende Pfiffe aus der Menge.

Dass hier aber nicht nur "gute Jungs" zuhören, wissen Gravedigger Jones auch: "Keiner ist gerne hier, aber sicher auch keiner ohne Grund", sagt Wirtz schon im Vorgespräch zum Konzert.
Insasse Bernd Adam findet die Musik "richtig klasse". "So langsam entsteht eine Bindung zwischen Band und Publikum", sagt der 55-Jährige und schreibt weiter mit für die Gefängniszeitung. Auch Timo Maier (36) findet den Auftritt "sehr geil. Nur schade, dass es sowas nur einmal im Jahr gibt."
Ein halbes Jahr haben Leiter Patzak und seine Kollegen geplant, um das Konzert umzusetzen, "aber das ist es uns wert", sagt Patzak.

Warum er sich für seine Insassen derart engagiert? "Ziel ist es auch den Gefangenen zu zeigen, dass Menschen sich für sie engagieren." Das Vertrauen, das er den Straftätern damit schenkt sei auch Teil der Resozialisierung. Nicht nur für Direktor und Gefangene, auch für die Band war es am Ende ein besonderer Abend. Gitarrist Chris Nicolay scherzt zwar "ich spiele überall, wo die Leute nicht weg können", findet das Erlebnis aber "einmalig".
Für Bassist Andreas Huber steht die Stimmung in der JVA der auf anderen Konzerten in nichts nach: "Das ist viel mehr als wir erwartet haben." Auch sei es ein besonderer Reiz gewesen, einmal auf den Spuren Johnny Cashs in einem Gefängnis zu spielen.
Beim rausgehen klingt jedes Knacken der sich öffnenden Sicherheitstüren, insgesamt mehr als zehn, ungewohnt nach Freiheit, sogar noch spezieller als Wirtz gekonnte Bluesharp Soli.Extra

Gravedigger Jones sind Uli Backes (Gitarre), Andreas Huber (Bass), Andreas Klein (Drums), Chris Nicolay (Gitarre), Dirk Schönhofen (Gesang) und Henning Wirtz (Bluesharp). Die Trierer Blues-Rock Band mit dem amerikanischen Sound der Südstaaten hat ihren ersten Auftritt beim Bunker Bebt Festival 2012 in Trier gespielt. Der Bandname stammt vom gleichlautenden Titel der Gruppe "Deep Blues", der laut Band exemplarisch für die treibende und druckvolle Musik stehe. Ihren nächsten Auftritt spielen die Männer mit dem Totengräber-Banner am Samstag, 19. November, im Musicclub Torburg in Köln. mey

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