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Stadtrechte
Großes Dorf wird zur kleinen Stadt

Der Kreisel (Bild links) mit den Fahnen gibt Manderscheid einen charmanten kleinstädtischen Charakter. Seit 20 Jahren hat Manderscheid Stadtrechte. Auf den Ortsschildern kann man es gleich erkennen – wenn es auch ringsum eher dörflich wirkt.
Der Kreisel (Bild links) mit den Fahnen gibt Manderscheid einen charmanten kleinstädtischen Charakter. Seit 20 Jahren hat Manderscheid Stadtrechte. Auf den Ortsschildern kann man es gleich erkennen – wenn es auch ringsum eher dörflich wirkt. FOTO: Christina Bents
Manderscheid. Manderscheid bekam vor 20 Jahren Stadtrechte und liegt mit 1500 Einwohnern auf Platz fünf der kleinsten Städte Deutschlands. Das Stadtrecht brachte auch Verpflichtungen mit sich.

Wenn man zu den Ortseingängen Manderscheids in die Stadt kommt, sieht es dörflich aus: Wiesen und Äcker auf der einen, raue Felswände mit den Burgen auf der anderen Seite. Aber auf den Ortsschildern steht es ganz eindeutig geschrieben: Stadt Manderscheid. Seit 20 Jahren ist das so. Dabei gibt es einige Orte in der Verbandsgemeinde, die deutlich größer sind wie beispielsweise Hetzerath mit 2475 Bürgern (Stand 31. März) oder Salmtal mit 2520 (31. März).

Die Gründe, warum man in den 1990er-Jahren die Stadtrechte haben wollte, waren zum einen Werbeeffekte, um sich als kleine und sympathische Stadt zu präsentieren. Außerdem glaubte man, mit den Stadtrechten Manderscheid als Verwaltungsstandort sichern zu können.  Darüber hinaus ging es um Fördermittel aus dem Städtebauprogramm, denn als Dorf dort aufgenommen zu werden, das war ausgeschlossen. Deshalb hatte man ehemals die Stadtrechte angestrebt.

Damals hat Walter Densborn, der ehemalige Bürgermeister der alten VG Manderscheid, intensiv daran mitgearbeitet, die Stadtrechte zu erlangen. Er erklärt: „Manderscheid hatte damals eine gute Infrastruktur mit zwei Allgemeinarztpraxen, der Eifelklinik, einem Gewerbegebiet mit zwei Lebensmittelmärkten, und weiteren kleinen Läden, die auf die Gäste und die einheimische Bevölkerung eingestellt waren.“  Weiter sagt er: „1988 war Manderscheid als Kneippkurort anerkannt, und zu den Voraussetzungen der Stadtrechte gehörte eine funktionierende VG-Verwaltung – die hatten wir.“

Schließlich wurde der Stadt von Walter Zuber, dem damaligen Innenminister von Rheinland-Pfalz, die Stadturkunde überreicht. Es gab eine große Feier und dann legte Manderscheid los.

Mit den Mitteln aus der Städtebauförderung wurde die Jugendherberge renoviert und umgebaut, ein Gebäude für die DRK-Rettungswache gekauft, das Gewerbegebiet ausgelagert, der Marktplatz erneuert und das Kurhaus renoviert.

Stadtbürgermeister Günter Krämer sagt: „Damals ist viel gemacht worden, weil die Förderung bei 80 Prozent lag, aber 20 Prozent musste Manderscheid selbst tragen, und da sind schon, für die noch junge Stadt, Summen zusammengekommen, an denen wir bis heute bezahlen.“

Dass Manderscheid als Verwaltungsstandort bestehen bleiben sollte, ist nicht eingetreten. Einzig das Bürgerbüro ist der Stadt geblieben. Die Stadtrechte an sich haben kein Geld gekostet. Es gab auch keine größeren Umstellungen, die zu finanzieren gewesen wären.

Walter Densborn meint mit dem Blick in die Zukunft: „Es ist eine dauernde Aufgabe der zuständigen Entscheider, die stadtprägende Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Wenn das zielorientiert angepackt wird, ist ein bleibender Vorteil für Manderscheid unverkennbar.“ Abschließend erklärt er: „Ich würde die Anerkennung der Stadtrechte wieder betreiben.“

Günter Krämer sieht ebenfalls Vorteile seiner kleinen Stadt: „Wir haben eine sehr gute Infrastruktur, es konnten durch die Stadtrechte viele Projekte umgesetzt werden, aber wir konnten uns einen dörflichen Charakter, beispielsweise ein gutes Vereinswesen, und viel Natur bewahren. Die Mischung stimmt.“

Seit 20 Jahren hat Manderscheid Stadtrechte. Auf den Ortsschildern kann man es gleich erkennen, wenn es auch ringsum dörflich wirkt.
Seit 20 Jahren hat Manderscheid Stadtrechte. Auf den Ortsschildern kann man es gleich erkennen, wenn es auch ringsum dörflich wirkt. FOTO: Christina Bents