| 18:11 Uhr

Verkehrskontrolle
Großkontrolle: Jeder fünfte Laster darf nicht weiterfahren (Video)

Stehengeblieben: die Beamten kontrollieren einen LKW aus Portugal. Er darf nicht weiterfahren.
Stehengeblieben: die Beamten kontrollieren einen LKW aus Portugal. Er darf nicht weiterfahren. FOTO: Christian Thome
Niederöfflingen/Wittlich. Polizisten aus 14 Ländern kontrollieren am Rastplatz Eifel-West im Rahmen einer internationalen Schulung. Die Verstöße sind größtenteils technischer Natur. Oft ist Geduld gefragt – auch für eine Reisegruppe. Von Christian Thome

Ein LKW mit portugiesischem Kennzeichen fährt auf der Autobahn. Am Berg beschleunigt der Fahrer. Das Tacho zeigt 94 Stundenkilometer – erlaubt sind 80. Er schert vor einem Bus ein. Nicht, dass es einen richtigen Zeitpunkt für Verstöße im Straßenverkehr gibt, doch das Timing des portugiesischen Fahrers ist denkbar schlecht: im Bus hinter ihm sitzen 36 Polizisten aus 14 verschiedenen Ländern, die auf dem Weg zu einer großangelegten LKW-Kontrolle auf dem Rastplatz Eifel-West sind. Der Verkehrssünder darf sie begleiten.

Die Kontrolle findet im Rahmen des Tispol Road Policing Seminars statt. Tispol ist eine Vereinigung der europäischen Verkehrspolizeien. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten zu verringern“, erklärt Volker Orben, Leiter der deutschen Geschäftsstelle in Mainz. „Unser Beitrag dazu soll die Verkehrsüberwachung sein, mit der man Einfluss darauf nehmen kann.“ Seit zehn Jahren treffen sich die Tispol-Mitglieder aus verschiedenen Ländern um Erfahrungen auszutauschen. Die heutige Kontrolle schlägt also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: zunächst überführt sie Verkehrssünder, zeigt jedoch gleichzeitig den Teilnehmern aus anderen Ländern, wie in Deutschland kontrolliert wird. „Wir hatten heute morgen im Rahmen eines Seminars das Thema ‚Fäschung von technischen Aufzeichnungen’. Wie wir diese Manipulationen nachweisen, wollen wir nun in der Praxis zeigen.“

Ein Paradebeispiel scheint der angesprochene portugiesische 40-Tonner zu sein. Sein Kontrollgerät zeigt Fehlermeldungen, die für die Beamten auf eine Manipulation hinweisen. Zu seinem verbotenen Fahrstil kommt also ein weiterer Verstoß gegen die Vorschriften. Der Fahrer hat inzwischen seine Spedition kontaktiert und scheint nichts von der Manipulation zu wissen.

Dann die Überraschung für die Beamten: Der Fahrer kann durch Belege nachweisen, dass er erst vor kurzem in einer Fachwerkstatt war und somit keine Manipulation vorliegen kann. Damit ist er aus dem Schneider. Vorerst.

Immer mehr Fahrzeuge werden herausgewunken, auf den Rastplatz geleitet und kontrolliert. Der erste Schritt der Überprüfung ist das Fahren über eine Waage, die etwaige Überladungen sofort aufspüren würde. Ein Soforttest also. Zu schwer ist an diesem Tag keiner. Die Probleme liegen mehrheitlich im technischen Bereich. Oft schwanken die Fehlerquellen zwischen absichtlicher Manipulation und Verschleiß.

Zu den LKW gesellt sich ein etwas anderes Gefährt: die Beamten kontrollieren einen Fernbus. Immer wieder komme es bei diesen vor, dass die erlaubten Fahrtzeiten nicht eingehalten werden. Die Polizei bittet kurzerhand alle Insassen des Busses, diesen zu verlassen. Die Passagiere reagieren etwas überraschend mit großem Verständnis. „Es geht ja um unsere Sicherheit“, sagt eine Mitfahrerin. Auch der Fahrer wirkt gelassen. Nicht ohne Grund, wie sich herausstellt: der Bus ist in gutem Zustand, der Fahrer hat seine Zeiten eingehalten. Die Reise darf ohne Beanstandung fortgesetzt werden.

20 Laster werden bei dieser Kontrolle insgesamt auf Herz und Nieren geprüft. Die ganz großen Skandale bleiben aus. Dennoch werden vier Fahrzeuge den Rastplatz heute nicht mehr verlassen dürfen – aus technischen Gründen. Zwei von ihnen fahren mit dem Kraftstoffergänzer AdBlue. Durch das Hinzufügen dieser Harnstofflösung erfüllen die Fahrzeuge die Schadstoffklasse Euro 5 beziehungsweise 6. Alles in Ordnung also. Die AdBlue-Zufuhr ist jedoch defekt, sodass die LKW faktisch momentan der Klasse 0 zuzuordnen wären. Doch die 40-Tonner haben ein verbotenes Teil eingebaut, welches den Defekt versteckt. Die Fahrzeuge müssen repariert werden. Für sie heißt es: Rastplatz Eifel-West statt Autobahn. Ein Weiterer hat sein Nummernschild nicht in die eingebauten Messgeräte eingepflegt – auch er muss bleiben.

Und der Vierte? Ist der zu schnelle Portugiese. Zwar stimmen die Reparaturbelege, doch die Beamten haben den Grund für die Fehlermeldungen gefunden. An einem Stecker befindet sich Korrosion – also Feuchtigkeit. Diese führt zu Spannungsfehlern und muss in einer Fachwerkstatt repariert werden. Ob sich heute noch eine Werkstatt findet ist unklar.

Die Rechnung ist einfach: Ein LKW mit Schäden, zu hohe Geschwindigkeit und schlechtes Timing machen einen Tag auf dem Rastplatz.

Die Ladung dieses Fahrzeuges wurde geprüft. Er durfte jedoch ohne Beanstandungen weiterfahren.
Die Ladung dieses Fahrzeuges wurde geprüft. Er durfte jedoch ohne Beanstandungen weiterfahren. FOTO: Christian Thome