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Hooligans in Salmtal
Hooligans wegen Randale beim Rheinlandpokalfinale auf der Anklagebank

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Wittlich/Salmtal . Randale und Unruhe: Zwei Hooligans müssen sich wegen Landfriedensbruchs beim Rheinlandpokalfinale 2017 in Salmtal vor dem Amtsgericht Wittlich verantworten. Von Christian Moeris

Ob der Oberkörper des 24-Jährigen, der am Montagvormittag den Verhandlungssaal des Amtsgerichts Wittlich betritt, hauptsächlich aus Muskelmasse oder Fettgewebe besteht, ist schwer zu sagen. Eine kräftige Statur hat der junge Mann, welcher laut Anklageschrift der Koblenzer-Hooligan-Szene angehören soll, allemal, obwohl sein ausgeprägter Bierbauch unter dem T-Shirt verrät, dass er selbst – wenn überhaupt – wohl eher selten Fußball spielt.

Wahrscheinlich haben sein Hobby und Sport eher etwas mit dem Paar schwarzer Lederhandschuhe, die er bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen von 27 Grad neben der Ladung des Gerichts in den Händen hält, zu tun. Doch dazu später mehr.

„Die interessieren sich weniger für das, was auf dem Spielfeld passiert, als für das, was auf der grünen Wiese nebenan passiert. Das hat nichts mit Fußball zu tun, sondern eher mit Randale“, erklärt Staatsanwalt Wolfgang Spies die Einstellung der Hooligans.

Anklage Gemeinsam mit einem 26-jährigen Mitangeklagten, der auch keine schmächtige Erscheinung abgibt,  muss sich der 24- Jährige am Amtsgericht Wittlich wegen eines Landfriedensbruchs verantworten. „Wenn ein Aufruhr und Unruhe drohen, dann ist der Frieden des Landes schon gebrochen“, erklärt Staatsanwalt Spies den Anklagepunkt, weswegen sich die beiden Fußballfans der besonderen Art, „die es am Rande von Fußballspielen sehr begrüßen, wenn sie provoziert werden“, verantworten müssen.

Am Tattag im Mai 2017 fand in Salmtal das Finalspiel des Rheinlandpokals zwischen den Mannschaften der Eintracht Trier und der TuS Koblenz statt, wobei die Trierer gegen die Koblenzer mit 1:2 verloren. „Wenn doch die eigene Mannschaft gewinnt“, sagt Richterin Silke Köhler in Richtung der Anklagebank, „dann müsste das Ihre Stimmung doch eigentlich aufgeheitert haben.“ Sie besuche aber keine Fußballspiele, sagt Köhler, und könne sich daher nicht erklären, wie es nach dem Spiel zu den Ausschreitungen gekommen sei.

Die beiden Angeklagten sollen nach dem Pokalspiel in Salmtal auf einer Wiese neben dem Stadion mit 30 bis 40 weiteren äußerst „aggressiven und angriffslustigen“ Hooligans gegen eine Polizeikette angerannt sein. Die Beamten versuchten dort mit einer etwa 100 Meter langen Formation die Trierer von den Koblenzer Fans auseinanderzuhalten.
Insbesondere der 24-jährige Angeklagte soll die Koblenzer Fans aufgehetzt haben: „Auf geht’s, Jungs. Los! Alle mit nach vorn zu den Bullen! Die schnappen wir uns jetzt! Die kriegen es jetzt richtig!“

Mit solchen Schlachtgesängen soll er die Hooligans aus Koblenz animiert haben, die Polizisten anzugreifen. „Die Polizeikette wurde jedoch gehalten und die Trierer Fans schließlich außer Sichtweite gebracht“, sagt Staatsanwalt Spies, worauf sich die Situation entspannt habe.

Den 24-Jährigen muss die allgemeine Entspannung der Situation hingegen weiter provoziert haben. Er soll nämlich später noch eine kleinere Gruppe Polizisten in Salmtal als „Fotzen“ beschimpft haben und sich ihnen in „Boxerstellung“ in den Weg gestellt haben – ob er dabei seine schwarzen Lederhandschuhe trug, ist in der Anklageschrift nicht vermerkt. Es wäre aber gut vorstellbar, dass er sie für exakt solche Anlässe stets bei sich trägt. Kalte Finger bekommt man im Sommer nämlich nicht so schnell. Die Polizisten schlugen seine Einladung zu einem Boxkampf nach dem Spiel allerdings aus und wollten wohl Feierabend machen. Spies: „Die Beamten haben Pfefferspray hochgehalten. Dann war die Sache erledigt.“

Verhandlung Kurze Zeit nachdem sich das Gericht, die Staatsanwaltschaft und die beiden Strafverteidiger zu einem Rechtsgespräch hinter verschlossene Türen zurückgezogen haben, wird die Verhandlung, zu der acht Zeugen geladen sind, gegen Auflagen vorläufig eingestellt. „Es kam ja nicht zu Übergriffen und die beiden Angeklagten sehen ihre Fehler ein“, erklärt Richterin Köhler. Staatsanwalt Spies: „Die haben sich des Landfriedenbruchs schuldig gemacht und waren in Salmtal auf Randale aus. Davon sind wir überzeugt. Aber wir bewerten es als gering.“ Völlig unbehelligt durften die Hooligans, die beim Pokalspiel in Salmtal wohl gerne mehr Unruhe gestiftet hätten, als ihnen gelungen ist, den Gerichtssaal dann doch nicht verlassen. Denn das Verfahren gegen die beiden geringfügig vorbestraften Männer werde erst gänzlich eingestellt, erklärt Köhler, wenn sie ihre Auflagen erfüllt hätten: Der 24-Jährige soll 150 Sozialstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung ableisten. Dem 26-Jährigen Angeklagten wird die Auflage erteilt, 600 Euro an die Parkinson Selbsthilfegruppe Mittelmosel zu zahlen. Spies: „Das Verfahren einzustellen, ist nur möglich, weil nichts passiert ist. Sonst hätte das für einen der Angeklagten auch schnell im Gefängnis enden können.“ Die Angeklagten ließen über ihre Verteidiger erklären,  es tue ihnen leid, die Polizei bedroht zu haben.