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IHRE MEINUNG

Zu unserem Bericht "Warten auf Wittlichs Bürgerbüro der Zukunft" (TV vom 12. Januar) schreibt dieser Leser:

Ein einladendes Bürgerbüro und die Neugestaltung der Eingangsfassade des Stadthauses sind grundsätzlich gute Ideen. Hinter dem Projekt mit dem übersichtlich klingenden Arbeitstitel "Bürgerbüro" verbirgt sich allerdings eine ausgewachsene Kernsanierung des Erdgeschosses im Stadtverwaltungshaus auf mehr als 1600 Quadratmetern. Was ursprünglich nach einem neuen Servicebüro samt Empfangsbereich mit insgesamt 600 Quadratmeter Grundfläche klang, wird nun zu einem Mammuteingriff in das größte stadteigene Bürogebäude. Neben den eigentlichen Bürgerbüros, dem Foyer und einem Archiv sind auch Büroflächen und ein großer Sitzungssaal geplant, was eher nach einer Expansion des Verwaltungsapparats aussieht, statt nach schlanken, bürgernahen Strukturen. Wird ein 20 Jahre altes Verwaltungsgebäude derart umfassend umgebaut, muss nicht nur der Brandschutz berücksichtigt werden, sondern auch neue technische Anlagen sind nötig, um das alte Gebäude wie geplant nutzen zu können. Dabei können in einem Altbau leicht Gesamtkosten entstehen, die häufig an die ursprünglichen Neubaukosten solcher Flächen reichen - oder diese sogar übersteigen. Somit waren die jüngst genannten Gesamtkosten von rund 2,5 Millionen Euro oder gar mehr sicherlich frühzeitig abschätzbar gewesen. Offensichtlich fehlen derzeit noch Kostenanteile, beispielsweise für das Mobiliar. Eine nachträgliche Kostenkorrektur, wie im TV berichtet, von mehr als 120 Prozent gegenüber den ursprünglichen Annahmen war dabei eigentlich vermeidbar, da man bereits 2015 von den künftig zur Verfügung stehenden freien Flächen wie dem ehemaligen Nettomarkt und anderen wusste. Vermutlich hätte auch die Vergabe der Planungsleistungen anders erfolgen müssen, wenn man bereits damals mit den nun bekannten Kosten operiert hätte, da man nach EU-Vorgaben solche Auftragssummen anders ausschreiben muss. In diesem Zusammenhang wären weitere Schritte zu mehr Bürgernähe, neben der begrüßenswerten Schaffung eines Bürgerbüros mit bescheideneren Ausmaßen und einer einladenden Gestaltung, beispielsweise transparentere Vergaben, eine nachvollziehbare Streuung von städtischen Aufträgen und eine frühzeitige Einbindung von qualifizierten unabhängigen Fachleuten und Planern. Marco Hoffmann, Minderlittgen