| 20:36 Uhr

In der komplizierten Welt des Netzes

Wittlich. Hans-Peter Pesch ist ein Technikfreak. Der 59-Jährige war als Elektroniker bei der Bundeswehr, heute erklärt er Senioren die Welt des Internets. Wittlich ist für ihn ein Mikrokosmos, in dem er alles findet, was er braucht. Sebastian Gubernator

Wittlich. Sechs Senioren sitzen an Computern und suchen im Internet nach der Bedienungsanleitung einer Mikrowelle. Eine Frau hat sich einen Schreibblock neben die Maus gelegt und macht sich hin und wieder Notizen. Hans-Peter Pesch steht daneben und zeigt ihr, was sie machen muss. Er erklärt den Senioren die Welt des Internets, eine komplizierte Welt, mit der die meisten von ihnen bisher kaum Erfahrung haben. "Jawoll, ich hab\'s!", ruft die Frau mit dem Schreibblock, als sie die richtige Internetseite gefunden hat.
Seit 2008 bietet Hans-Peter Pesch den Internettreff in der Caritas-Begegnungsstätte in Wittlich an. Mit Unterstützung von Wolfgang Schmitt-Kölzer und Ernst Koller begleitet er ältere Menschen bei ihren ersten Gehversuchen im Netz. "Das hier ist wie eine Fahrschule", sagt Pesch. "Wir sind immer dabei und passen auf, dass kein Unfall passiert."
Pesch ist 59 Jahre alt. Er ist gelernter Fernsehtechniker und war 35 Jahre als Flugzeugelektroniker bei der Bundeswehr, bevor er pensioniert wurde. Mit Computern beschäftigt er sich, seit es sie gibt. "Ich bin begeistert von Technik. Aber es gibt Menschen, denen ist das zu viel."
Solche Menschen sind es, die seinen Internettreff besuchen. Es sind Menschen aus der ganzen Region, aus Binsfeld, Traben-Trarbach oder Dreis. Manche von ihnen, erzählt Pesch, seien als Anfänger bei ihm gewesen und telefonierten jetzt per Skype mit ihren Verwandten.
Jeden Tag eine gute Tat


Den Leuten die Angst vor der Technik nehmen, ihnen Sicherheit beim Surfen geben - darum geht es Pesch. Er macht das ehrenamtlich. Was die Teilnehmer spenden, geht an die Caritas. Für Pesch ist das gelebte Solidarität: "Das hat was mit Messdienern und Pfadfindern zu tun: Jeden Tag eine gute Tat."
Pesch ist ein nachdenklicher Mensch. Er interessiert sich für die grundlegenden Dinge: "Wo komme ich her, wie ist die Erde entstanden?" Es ist die alte Frage nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Auch über seine Heimat macht er sich Gedanken, darüber, was in Wittlich gut läuft, und was weniger gut ist.
"Meine größte Beanstandung ist die Sauberkeit. Der Zentrale Busbahnhof ist für Touristen das Tor zur Stadt. Die kommen vom Parkplatz und sehen diesen häufig verdreckten Busbahnhof."
Pesch fühlt sich trotzdem wohl in Wittlich. Die Stadt ist für ihn ein Mikrokosmos, in dem er alles hat, was er braucht: "Wittlich ist handlich, klein, kompakt. Aber man hat alles, was man braucht. Für mich reicht das."
Pesch spielt mit seinem Smartphone, während er spricht. Er könnte viel sagen über Wittlich. Dass die Stadt dringend einen Ortsbeirat bräuchte, zum Beispiel: "Der Stadtrat kann die Innenstadt nicht gut vertreten, weil die meisten Mitglieder aus den Ortsteilen kommen." Dadurch blieben in der Stadt viele Dinge auf der Strecke, ein Fehler, findet Pesch. "Das Herz einer Stadt schlägt in der Innenstadt."
Er weiß, wovon er spricht. In seiner Zeit als Berufssoldat hat Pesch viel gesehen von der Welt. Er war in Italien, England und den USA. Doch wenn ihn jemand fragt, wo man gut leben könne, empfiehlt er: "Komm nach Wittlich!"
Extra

Hans-Peter Pesch Alter: 59 Jahre Beruf: pensionierter Berufssoldat, gelernter Fernsehtechniker Hobbys: Computer und Technik aller Art Lieblingsort in Wittlich: Mondo del Caffè, Pariser Platz Wittlich ist für mich: Heimat gub