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In der Oberstadt wird es spannend

Wittlich. Der Blick nach vorne ist in Wittlich in den vergangenen Jahren immer wieder ein Blick nach oben gewesen. Baustellen prägten das Bild der Kernstadt. Was in diesem Jahr kommt und was nicht, zeigt der Blick in die Stadtentwicklungskristallkugel. . Harald Jansen

Wittlich. Man kann ja viel über die Wittlicher sagen. Nur nicht, dass den Säubrennern ihre Altstadt nicht lieb und teuer ist. Seit Jahren wird dort investiert. Viel privates Geld, jedoch auch reichlich Geld von Bund, Stadt und Land.
Allein für 315 000 Euro kaufte vor einigen Jahren die Stadt zwei Häuser in der Neustraße, um diese abreißen zu können. Auch im weiteren Verlauf wurden die Bauherren finanziell unterstützt. Die Altbauten standen dem Passagen-Projekt im Weg, dessen Ziel es ist, eine fußläufige Verbindung zwischen Burgstraße und Neustraße durch die Altneugasse zu schaffen.
Nach jahrelangen Irrungen und Wirrungen sowie nach monatelangem Stillstand ist die Passage nun fertig. Ob der 1,30 Meter breite Durchgang durch das neu errichtete Haus in der Neustraße von Besuchern der Stadt als etwas anderes als eine Hofeinfahrt wahrgenommen wird, bleibt abzuwarten. Ebenso muss sich zeigen, ob sich Nutzer für die jüngst fertiggestellten Immobilien finden.
Deutlich zurückhaltender hat die Stadt bei der Versteigerung eines Wohn- und Geschäftshauses in der Kurfürstenstraße agiert. Relativ früh stieg die Vertreterin der Verwaltung aus dem Rennen um den Zuschlag für das Gebäude aus. Das Haus in unmittelbarer Nähe des ParkplatzesOberstadt hätte ein Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung der Flächen werden können. Beispielsweise hätte es einer neuen Straße weichen können, um die vom Stadtrat gewünschte Verkehrsentlastung im Bereich zwischen Schlossgalerie und Haus der Jugend umzusetzen.
Wie wichtig der heute noch unbefestigte Parkplatz für die weitere Entwicklung der Innenstadt ist, zeigen die Pläne für dessen Umgestaltung. Zumal dort - quasi durch die planerische Hintertür - wieder ein altes Anliegen des Stadtrats dezent in den Vordergrund gerückt ist. Ist doch in den Plänen von einem möglichen Verwaltungsgebäude die Rede, das in Nähe der VG-Verwaltung Wittlich-Land entstehen könnte. Die Rathauspläne könnten somit neue Aktualität bekommen. Ob sich der Stadtrat auf eine Alternative zum Kauf des Stadthauses von der Nikolaus-Koch-Stiftung einlässt, ist aktuell noch offen. Dem Vernehmen nach wird derzeit hinter den Kulissen an einer Lösung gearbeitet, bei der die Stadt mit Hilfe privater Investoren dann doch noch zum eigenen Rathaus kommt.
Sollten Verwaltung und Werke ihren Standort wechseln, ergibt sich gleich die nächste Herausforderung: Was wird dann aus dem Stadthaus und seinem dann mehr als 2400 Quadratmetern ungenutzten Büroraum? Mag die Beantwortung dieser Frage auch noch in der Ferne liegen, so wird wenige Meter vom Rathaus entfernt etwas geschehen (müssen). Im ersten Anlauf hat sich für den alten Bahnhof bei der Zwangsversteigerung kein Bieter gefunden. Doch das Gebäude am Zentralen Omnibus Parkplatz soll weiterhin zwangsversteigert werden. Nutzer für die Büroflächen zu finden, dürfte nicht so einfach werden.
Wohl schwieriger als erwartet gestaltet sich offensichtlich auch der Umbau der alten Posthalterei am Marktplatz. Trotz der Zusage der Stadt, Flächen im Gebäude als Ausstellungsraum zu mieten. Ob die Stadt diesen weiteren Ausstellungsort braucht, ist wohl eine politische Frage. Ob sie ihn sich überhaupt leisten kann, wird möglicherweise von der Kommunalaufsicht entschieden.
Doch es geht wohl auch ohne überbordende Schützenhilfe der Stadt. Der Rohbau des Lieser-Domizils hat inzwischen Straßenniveau erreicht. Gleichzeitig treibt Stefan Kutscheid das Vorhaben Neues Palais am Türmchen voran. Nach dem Fürstenhof sollen nun auch unweit des Radwegs hinter dem Gebäude der Volksbank an der Koblenzer Straße seniorengerechte Komfortwohnungen entstehen. har