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In Erinnerung an die Schicksale der NS-Opfer

Wittlich. Wittlich (red) "Georg Basten wurde bei der Kommunalwahl vom 12. März 1933 mit 184 Stimmen für die KPD in die Wittlicher Stadtverordnetenversammlung gewählt. An der ersten Sitzung Ende März konnte er nicht teilnehmen, da er zusammen mit anderen Wittlicher Kommunisten am 2. März für fünf Wochen in ‚Schutzhaft’ genommen worden war.

KPD-Mann Basten stand in den nächsten Jahren noch weit Schlimmeres bevor." Mit diesen Worten beginnt die Biografie des Wittlicher Schuhmachers Georg Basten in dem Buch "Spätes Erinnern" von Franz-Josef Schmit. Schmit eröffnete kürzlich mit der Geschichte des Wittlichers eine Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Synagoge der Säubrennerstadt. Zuvor nutzte Schmit die Gelegenheit, sich bei Bürgermeister Joachim Rodenkirch für die ideelle und finanzielle Förderung und Unterstützung der Gedenkarbeit in Wittlich zu bedanken. Kaum eine Stadt engagiere sich in diesem Maße im Erinnern an die ehemaligen Bürger, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.
Georg Basten wurde von der Trierer Gestapo gefoltert und über viele Jahre im Zuchthaus inhaftiert. Seiner politischen Überzeugung blieb der für das Leben gezeichnete Mann treu. 1954 starb er in Wittlich.
Ein weiteres Schicksal, von dem berichtet wurde, ist das des Sozialdemokraten Kurt Ermann, der in der Wittlicher SPD als Schriftführer die Tagungen des Ortsvereins im Gasthaus Mehs protokollierte. Er verlor seine Eltern im Ghetto Litzmannstadt, seine Heimat, seinen Besitz und seine Freunde aufgrund der nationalsozialistischen Verbrechen. Sein Leben konnte er retten und mit "Goethes Shakespeare-Bild" die erste nach dem Krieg in deutscher Sprache verfasste Dissertation an der Universität Jerusalem einreichen.
Joachim Hennig, pensionierter Richter des Oberverwaltungsgerichts Koblenz, referierte nach Schmit über das Schicksal weiterer Sozialdemokraten und Kommunisten unter dem Nazi-Terror auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz und berichtete von dem Verbot der KPD in der Bundesrepublik 1956. Der Referent zog Parallelen zum gescheiterten Verbot der NPD in diesen Tagen und warf Fragen nach der Gleichbehandlung auf. War 1956 die politische Bedeutungslosigkeit ein Argument für das Verbot der KPD, wurde damit in diesem Jahr die mangelnde Notwendigkeit des Verbots der NPD erklärt. Zwischen 1933 und 1945 wurden zahlreiche deutsche Flüchtlinge an den Grenzen der Schweiz und anderer Länder zurückgewiesen, was für viele den sicheren Tod in deutschen Konzentrationslagern bedeutete. Trotz dieser Geschichte, so der Referent, sperre 2017 ein US-amerikanischer Präsident die Grenzen der USA für alle Muslime. Die zahlreichen Besucher verließen nach beinahe zwei Stunden nachdenklich die Kultur- und Tagungsstätte Synagoge in Wittlich.