| 15:26 Uhr

Musik
8000 Kilometer zur Königin der Instrumente gegangen

Josef Konrad an der Orgel in der Minderlittgener Kirche. Rund 12 000 Mal hat er sie gespielt.
Josef Konrad an der Orgel in der Minderlittgener Kirche. Rund 12 000 Mal hat er sie gespielt. FOTO: Christina Bents
Minderlittgen. Josef Konrad spielt seit 70 Jahren die Orgel in Minderlittgen. Das wird mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Manchmal ist es für Josef Konrad an der Orgel ziemlich eng geworden. Besonders in den Anfangsjahren. Denn da war die Kirche so voll, dass sich sogar Messbesucher mit auf seine Orgelbank gesetzt haben. „Das waren damals angesehene Bauern, da konnte ich als 16- oder 17-Jähriger nicht einfach sagen ,steht da mal auf, ich kann so nicht richtig spielen’“. Später hat er Orgelbücher auf die Bank gelegt, und sich so Platz geschaffen.

An Pfingsten 1947 hat er den ersten Klavierunterricht bei Pater Raimund Senge in Himmerod bekommen. Dabei hatte die Familie damals noch gar kein eigenes Klavier. Aber Josef Konrad hat sich etwas einfallen lassen. Er nahm ein Brett und hat die Tasten drauf gemalt. „So konnte ich wenigstens den Fingersatz üben. Und ich durfte das Klavier einer Familie hier im Dorf nutzen.“

Da er sehr schnell gelernt hat, saß er am 23. März 1948 zum ersten Mal an der Orgel in Minderlittgen. „Das weiß ich noch, als wäre es gestern gewesen. Es war der Dienstag in der Karwoche. Ich hatte damals bei einem Schulrat Unterricht, und er stand hinter mir, um mir Mut zu machen.“

Von diesem Zeitpunkt an saß er an drei Tagen in der Woche um sieben Uhr morgens an der Orgel und sonntags in der Frühmesse um acht Uhr. Da konnte es im Winter schon mal knackig kalt sein. Doch selbstgestrickte Handschuhe, die die Fingerspitzen frei gelassen haben, und später ein kleiner Heizstrahler, haben ein wenig gegen die Kälte geholfen.

Musikalisch sei es früher schwieriger gewesen, denn man habe als Organist oft den Pastor begleitet, der damals große Teile der Messe gesungen habe, erinnert sich der Mittachziger. Und: „Da musste man immer den richtigen Ton treffen, auch wenn der Pastor musikalisch nicht ganz so sicher war.“

Die Diözesan-Musikschule in Trier hat er für ein halbes Jahr besucht, aber durch seine Arbeit im väterlichen Betrieb als Stellmacher und Küfer fehlte die Zeit, weiter Unterricht zu nehmen. „Ich hätte gerne auch mehr geübt. Immer, wenn ich ein paar Minuten hatte, war ich am Klavier. Und ich habe immer weiter Unterricht genommen.“ Sehr schön findet er es, wenn er alleine in der Kirche ist, und spielt. „Dann ist eine besondere Atmosphäre im Gotteshaus“, erklärt er. Neben dem Orgelspiel hat er mit 16 Jahren schon den Kirchenchor von Minderlittgen geleitet, und das 52 Jahre lang.

Heute ist in Minderlittgen noch zweimal im Monat eine Sonntagsmesse, und eine Messe in der Woche. Trotz des neuen Gesangbuchs, singen seiner Erfahrung nach, die Menschen immer noch am liebsten die alten Kirchenlieder. Er selbst mag besonders gerne „Heiliger Josef, hör’ uns flehen“. „Die Kirchenmusik hat es mir von Anfang an angetan. Ich hätte ja auch Tanzmusik machen können, aber das hat mir nicht so gut gefallen“, sagt er.

In den vergangenen 70 Jahren hat Josef Konrad insgesamt 12 000 Mal, die 1931 von Anton Turk aus Klausen gebaute Orgel gespielt, und ist dafür rund 8000 Kilometer von seinem Haus, zur „Königin der Instrumente“ gegangen.

Acht Pastöre haben in der Zeit ihren Dienst in Minderlittgen getan, und nur einmal hat er eine Messe vergessen. „Das war in den Anfangsjahren, da ist mir das einmal passiert. Man war halt jung. Anschließend war es aber immer so organisiert, dass immer jemand zum Spielen da war. Wenn ich nicht konnte, ist mein Hupperather Kollege eingesprungen“, berichtet er. 

Neben dem Orgelspiel haben der Wald, von dem er einige Hektar besitzt, das Tischtennisspielen, das er im Ort maßgeblich mitaufgebaut hat und das Wandern  einen wichtigen Platz in seinem Leben -  und selbstverständlich seine Familie, mit Frau, einem Sohn, einer Tochter und drei Enkeltöchtern.

Das Orgeljubiläum von Josef Konrad wird am Sonntag, 18. März um 10.30 Uhr, in der Kirche Minderlittgen gefeiert.