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Junge Pioniere in alter Herberge

Johanna Hueck, Marius Braun und Hannes Bonte haben einen Studierendenverein gegründet und eine Etage der Bernkasteler Jugendherberge angemietet. TV-Foto: Hans-Peter Linz
Johanna Hueck, Marius Braun und Hannes Bonte haben einen Studierendenverein gegründet und eine Etage der Bernkasteler Jugendherberge angemietet. TV-Foto: Hans-Peter Linz
Bernkastel-Kues. Während das Anerkennungsverfahren für die Cusanus-Hochschule in Gründung läuft, haben die ersten Studieninteressenten schon einen Verein gegründet und die alte Jugendherberge zur Zwischennutzung angemietet. Der TV hat die Wohngemeinschaft besucht. Hans-Peter Linz

Bernkastel-Kues. Ein trister Dezembertag. Die einsame Straße windet sich einen Berg hinauf, kein Gegenverkehr, schon seit Längerem umherliegendes Laub wirbelt auf. Dann rückt sie in Sichtweite: Die Jugendherberge von Bernkastel-Kues. Das Jugendherbergswerk hat das Gebäude vorübergehend geschlossen. Wegen des Renovierungsstaus ist derzeit kein Betrieb möglich. Aber ganz so einsam ist es nun doch nicht auf dem Berg, der das Stadtbild von Bernkastel-Kues prägt. Zwei Namen am Briefkasten verraten, dass in diesem historischen Gebäude Menschen leben: Marius Braun (25) aus Aachen und Hannes Bonte (24) aus Geluwe (Belgien) haben in der alten Jugendherberge ihre Zimmer bezogen.

Neuland betreten: Die beiden Studenten sind gewissermaßen Pioniere, Erstbesiedler und begehen in mehrfacher Hinsicht Neuland. Denn die Jugendherberge soll bis 2017 als Unterkunft für die ersten Studierenden der Cusanus-Hochschule dienen, deren Anerkennungsverfahren derzeit läuft. "Uns ist es wichtig, den Gründungsprozess der Cusanus Hochschule in der Gründung zu begleiten," sagt Braun, der mit zusammen mit Hannes Bonte, Johanna Hueck und weiteren Interessenten für einen Studienplatz den Verein "Cusanus Studierendengemeinschaft e.V." gegründet hat. Johanna Hueck stammt aus Nürnberg, ist gelernte Öko-Landwirtin und hat unter anderem in Argentinien gearbeitet. Die 29-Jährige arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte und erklärt: "Einige Interessenten haben sich gewünscht, hier schon wohnen zu dürfen."

Stipendien einwerben: "Als Verein können wir Stipendien einwerben und konnten so auch einen Zwischenmietvertrag mit dem Jugendherbergswerk unterschreiben", sagt Hueck. Zudem brauche das Jugendherbergswerk Bewohner, die heizen und lüften, bis die Jugendherberge wieder komplett renoviert ist. Und die Jugendherberge biete den Studierenden die Möglichkeit, in Bernkastel-Kues Fuß zu fassen.
Die Hochschule wird unter anderem einen Master- und einen Bachelor-Studiengang der Wirtschaftswissenschaften anbieten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf einem kritischen Blick auf die Wirtschaft und die Denkvoraussetzungen ökonomischer Strukturen. Außerdem soll ein Bachelor in Philosphie und Wirtschaft und ein Master in Philosophie angeboten werden.
Was bewegt Marius Braun und Hannes Bonte dazu, ein Masterstudium in Bernkastel-Kues aufzunehmen? Braun hat zunächst an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen Maschinenbau studiert und will sich nun in dem Bereich Wirtschaft weiterentwickeln.

Kritischer Blick: Marius Braun sind Umweltschutz und ein kritischer Blick auf die Wirtschaft wichtig: "Der Klimawandel hat mich dazu gebracht, mich politisch in Umweltschutzorganisationen zu engagieren und mich weiterzubilden." Auch Hannes Bonte hat bereits einen Abschluss. Er hat Biologie in Gent in Belgien und anschließend in Schweden studiert. "Ich will mich jetzt in Philosophie weiterbilden." Hannes wünscht sich, wie auch sein Mitbewohner Marius, ein weniger verschultes und dafür individuelleres Studium auf persönlicher Ebene.

Studiengebühren: Da die Cusanus-Hochschule eine Privat-Hochschule sein wird, die keine finanzielle Unterstützung vom Land bekommt, müssen Gebühren erhoben werden. "Die Höhe der Studiengebühren variiert. Wer dafür selbst aufkommt, muss voraussichtlich mit etwa 300 Euro monatlich rechnen. Es werden Stipendien vergeben", sagt Hueck. Mit Crowdfunding, Spenden und der Vernetzung in die regionale Wirtschaft soll möglichst viel finanzielle Unterstützung beigesteuert werden. "Meine Vision ist, dass viel über Crowdfunding läuft, dass Leute was spenden und natürlich eine aktive Alumni-Arbeit", erklärt Hueck. Unter Alumni versteht man die Netzwerke von ehemaligen Studierenden, die auch später noch Kontakt zueinanderhalten und über Spenden zukünftigen Studierenden das Studium ermöglichen. Und was machen die Studierenden, bis die Hochschule voraussichtlich im nächsten Jahr ihren Betrieb aufnimmt? "Bis dahin haben wir mit der Vereinsgründung und mit der Organisation genug zu tun. Außerdem besuchen wir auch Tagungen und Kurse der in Bernkastel-Kues ansässigen Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte", sagt Hueck.Extra

Crowdfunding (von englisch crowd für (Menschen-)Menge, und funding für Finanzierung) ist eine Art der Finanzierung. Damit wird Geld für Projekte, Produkte oder die Umsetzung von Geschäftsideen beschafft. Ihre Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen - in aller Regel bestehend aus Internetnutzern, da zum Crowdfunding meist im World Wide Web aufgerufen wird.