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Kultur
Blues-Rock hinter Gittern

Two And A Half Strings spielen Blues-Rock in der JVA Wittlich.
Two And A Half Strings spielen Blues-Rock in der JVA Wittlich. FOTO: Julia Nemesheimer
Wittlich. Hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt unterhielt die Trierer Band Two And A Half Strings die Gefangenen bei einem exklusiven Konzert. Von Julia Nemesheimer

Ein normaler Auftritt sieht wohl anders aus. Als Band und Besucher von außerhalb muss man etliche Türen passieren und lange Flure hinter sich bringen, bis man in dem großen Versammlungsraum angekommen ist. Auf einer Bühne steht das Equipment: Bass, zwei Gitarren, ein Mikrofon und das Schlagzeug.

Davor sitzen Männer in Burgunderrot auf Holzstühlen. Rund 25 Insassen aus der JVA nehmen an dem Konzert teil. Auf der Empore sitzen die Häftlinge aus dem Jugendvollzug, sodass insgesamt rund 50 Männer im Publikum sind. Das Sitzkonzert wird ausgesprochen positiv aufgenommen, nach jedem Stück erklingt lauter Applaus.

Für die junge Blues-Rock-Band Two And A Half Strings eine ganz neue Erfahrung. „Der Abend war schon mit einer gewissen Anspannung für uns verbunden, so was erlebt man nicht jeden Tag“, erzählt Gitarrist Sebastian Klimasch. Doch nach einer Eingewöhnungsphase sei man schnell reingekommen. „Insbesondere die durchweg positive Reaktion hat dafür gesorgt, dass wir uns schnell wohl gefühlt haben“, so Klimasch weiter.

Zu dem Auftritt kam die Band, die im April 2014 gegründet wurde, durch eine Anfrage des Kunst- und Literaturvereins für Gefangene. Seit 2009 sorgt der Verein dafür, Musiker verschiedener Stilrichtungen, Comedians und andere Kulturschaffende an Justizvollzugsanstalten zu vermitteln. Das Besondere hieran ist, dass die jeweiligen Künstler auf ihre Gage verzichten.

Sebastian Klimasch hält das Projekt für „außergewöhnlich gelungen“ und findet es erstrebenswert, ein kulturelles Angebot von und mit Externen anzubieten. „Zudem war die Umsetzung und Durchführung wirklich gut geplant“, meint der Gitarrist weiter.

Two And A Half Strings spielen über eineinhalb Stunden hinweg viele eigene Blues-Songs mit englischsprachigen Texten. Besonders die Gitarrensoli kommen beim Publikum sehr gut an. Zwischendurch erklingt sogar die Nachfrage, ob nicht einmal ein längeres Gitarrensolo alleine gespielt werden könne, was zu einer allgemeinen Auflockerung der Stimmung führt.

 Die Interaktion mit dem Publikum ist zwar eher rar, doch Klimasch betont, dass man sich „auch außerhalb von Mauern“ ähnlich verhalte. „Wir haben generell davon Abstand genommen, neben unserer Musik ein eher schlechtes als rechtes Unterhaltungsprogramm zu bieten“, erläutert der Mitbegründer der Band im Gespräch.

Für die Gefangenen, aber auch die allgegenwärtigen JVA-Beamten und die Band ist es ein besonderer Abend, den man so nicht häufig erlebt.

 „Wir würden definitiv wieder in der JVA spielen“, fasst Sebastian Klimasch den Abend zusammen.