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Justiz
Vom Gefängnis in die Klinik

Ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Wittlich steht in trier vor Gericht.
Ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Wittlich steht in trier vor Gericht. FOTO: klaus Kimmling / klaus kimmling
Wittlich/Trier. Weil er  in seiner Zelle Feuer gelegt hat und Wärter in der Justizvollzugsanstalt Wittlich angegriffen hat, steht ein Häftling jetzt in Trier vor Gericht. Während des ersten Verhandlungstags kamen Zweifel an der Schuldfähigkeit des Mannes auf, der nach eigenen Angaben dem IS angehört.
Petra Willems

Er soll Matratzen in seiner Zelle angezündet und zerstört haben, die Scheibe seines Zellenfensters ausgebaut haben und Bedienstete der JVA Wittlich angegriffen haben: Wegen dieser Vorwürfe steht ein 26-Jähriger seit Montag vor dem Landgericht in Trier. Der Mann, der nach eigener Aussage der Organisation Islamischer Staat (IS) angehört, gestand die Vorwürfe weitgehend und sagte aus, eine Stimme in seinem Kopf habe ihm die Taten befohlen.

Die Vorwürfe Die Staatsanwaltschaft Trier wirft dem Mann mehrere  Taten vor. Der Beschuldigte soll in seiner Zelle eine Decke auf seinem Bett angezündet haben. Bevor Bedienstete den Brand gelöscht haben, sollen Decke und Matratze zerstört worden sein. Schaden: knapp 700 Euro. Nur einige Wochen später soll er die SOS-Notruflampe in seinem Haft­raum mehrfach betätigt haben. Nachdem ein Wärter daraufhin die Zelle des Mannes betreten hat, soll der Beschuldigte mit den Fäusten auf den Mann eingeschlagen haben. Der Beamte soll hierdurch nicht unerhebliche Schmerzen, Kratzwunden und Hämatome erlitten haben. Anschließend habe der Beschuldigte Widerstand geleistet, als Mitarbeiter der JVA ihn in eine andere Zelle brachten. Im dritten Fall soll sich der 26-Jährige gemeldet haben, weil er eine Zigarette rauchen wollte. Er hat laut Anklage in schneller Abfolge mehrfach den SOS-Ruf betätigt und begonnen, seinen Haftraum zu verbarrikadieren. Als die Vollzugsbeamten die Tür der Zelle aufzogen, soll der Angeklagte mit mehreren Marmeladengläsern nach einem der Beamten, der vorsorglich Schutzkleidung und  -schild getragen hatte, geworfen haben. Mindestens ein Glas soll an dem Schutzschild des Zeugen zerborsten sein, so dass sich die Scherben bis in den Flur vor dem Haftraum verteilt haben. Zudem soll er in einem anderen Fall die Bettwäsche und die Matratzen in seinem Haftraum zerrissen und die Wände mit Margarine beschmiert haben. Darüber hinaus soll der Beschuldigte die Dichtung aus dem Fenster gezogen und versucht haben, das Fenster aufzuhebeln.

Ende 2017  – die ersten Taten haben sich alle zwischen Frühjahr und Herbst 2016 zugetragen – soll er erneut in seiner Zelle Feuer gelegt haben und die Bediensteten der JVA, die den Brand löschen wollten, angegriffen haben. Dazu soll er die Borsten einer Zahnbürste entfernt haben, die Bürste erwärmt und anschließend eine Rasierklinge in das warme Plastik gesetzt haben. Mit dieser Waffe habe er die JVA-Angestellten mehrfach angegriffen.

Die Aussage des Beschuldigten Der Mann gestand die ihm zur Last gelegten Vorwürfe weitgehend. Er sagte aus, eine Stimme in seinem Kopf habe ihm die Taten befohlen. Bereits bei Vernehmungen in der Vergangenheit sagte der 26-Jährige, der nach eigener Aussage in einem LKW des IS in die Bundesrepublik gebracht wurde und in Deutschland zunächst unter einer falschen Identität lebte, dies aus. Bereits bei seiner ersten Tat – einer Brandstiftung in Koblenz, für die er derzeit die Haftstrafe verbüßt – hätten die Stimmen ihm die Tat befohlen. Er bat das Gericht zudem darum, in einem Krankenhaus untersucht zu werden.

Das Gericht ordnete die Unterbringung des Beschuldigten in einer psychiatrischen Klinik an. Das hat auch  der Gutachter, der den Mann bereits im Vorfeld der Verhandlung untersucht hat, befürwortet. Vermutlich wird der 26-Jährige, der seit Anfang Januar in der JVA Trier ist, in dieser Woche in die Klinik verlegt.

Der Prozess wird am Donnerstag, 1. Februar, 9 Uhr, fortgesetzt. Ein weiterer Verhandlungstag ist für den 15. Februar angesetzt.