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Kein Handyempfang: Das Mobilfunknetz der Verbandsgemeinde Wittlich-Land lässt zu wünschen übrig

Daniela Weber, Geschäftsleiterin von Elektro Kremer hält in Eisenschmitt ihr Handy in die Höhe. Trotzdem hat sie keinen Empfang. TV-Foto: Christian Moeris
Daniela Weber, Geschäftsleiterin von Elektro Kremer hält in Eisenschmitt ihr Handy in die Höhe. Trotzdem hat sie keinen Empfang. TV-Foto: Christian Moeris FOTO: christian moeris (cmo) ("TV-Upload moeris"
Eisenschmitt. Breitband und Glasfaserkabel: Alle Welt redet über den Internetausbau. Darüber scheint in Vergessenheit zu geraten, dass manche Orte auf dem Land wie Eisenschmitt in der VG Wittlich-Land nicht einmal ein Mobilfunknetz haben. Bürger und Gewerbetreibende sind genervt. Christian Moeris

Ein Video in voller Auflösung auf dem Smartphone schauen - in Wittlich funktioniert das zumindest an manchen Stellen. Doch je weiter man sich aufs Land bewegt heißt es oft: "Kein Netz." Obwohl der massentaugliche Mobilfunk mit der Öffnung der Telefonmärkte seit den 1990er Jahren boomt, kann man sein Handy in Eisenschmitt (Kreis Bernkastel-Wittlich) selbst im Jahr 2015 einpacken und in den Schrank legen: Die 330 Bewohner der Gemeinde haben keinen Handyempfang. "Man fühlt sich hier wie im Zonenrandgebiet", sagt Eisenschmitts Ortsbürgermeister Georg Fritzsche. Er bemüht sich seit mehr als zehn Jahren, einen Betreiber zu finden, der für seine Funkanlage sogar den verwaisten Rundfunkmast im Ort nutzen könnte, erklärt Fritzsche. "Aber wir bekommen immer die gleiche Antwort: Ein Mobilfunknetz in Eisenschmitt zu installieren, sei unrentabel." Erst im April stellte Fritzsche seine letzte Anfrage bei der Telekom. Die Antwort des Unternehmens: " Die Mobilfunkversorgung bleibt unverändert."
Für Eisenschmitt sei das ein ernstes Problem, sagt der Ortschef. "Ohne Handynetz hat das Dorf keine Zukunft." Heutzutage sei kein Mensch mehr bereit, darauf zu verzichten, so Fritzsche. Insbesondere um die Jugendlichen im Ort macht sich der Ortsbürgermeister Sorgen. "Wenn die ihr Handy nicht benutzen können, bleiben die doch nicht hier. Das gehört heutzutage zum täglichen Leben - wie Wasser und Strom." Mittlerweile stehen im Ort mehr als 20 Häuser leer. "Das liegt nicht nur, aber auch an dem Funkloch", sagt Fritzsche. Arbeiter, die Bereitschaftsdienst haben, oder Soldaten der Airbase Spangdahlem, von denen ehemals viele in Eisenschmitt wohnten, zögen aufgrund des Funkloches nicht mehr in den Ort. Besonders die Gewerbetreibenden, die im Ort arbeiten, haben es schwer.
"Das Funkloch ist geschäftsschädigend", erklärt Daniela Weber, Geschäftsleiterin von Elektro Kremer Haustechnik. "Ich darf mich nicht vom Haus entfernen, sonst erreicht mich niemand mehr. Eine Weiterleitung aufs Handy einzustellen, ist nicht möglich. Und auf dem Anrufbeantworter hinterlassen die Kunden nur ungern ihre Nachrichten", weiß Weber. Wenn sie ihren Kunden erkläre, dass sie in Eisenschmitt nur über ein Haustelefon erreichbar sei, sagen diese: "Wo leben Sie denn?"
Ortsbürgermeister Fritzsche fühlt sich von Land und Bund im Stich gelassen. "Von der Förderung des ländlichen Raums, mit der die großen Politiker ihre Reden schmücken, ist in der Realität nicht viel zu sehen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, sonst wäre ich falsch auf dem Posten des Ortsbürgermeisters", erklärt Fritzsche. Der TV hat in Mainz beim Innenministerium für Sport und Infrastruktur nachgefragt, warum die Regierung den Mobilfunk im Gegensatz zum Internet so stiefmütterlich behandelt. Pressesprecher Marco Pecht erklärt: "Nach EU-Recht darf nur der Internetausbau staatlich gefördert werden. Beim Mobilfunk verlässt man sich darauf, dass der Markt das regelt und überlässt es den Anbietern, die Versorgungslücken zu schließen." Eine staatliche Förderung für ein flächendeckendes Mobilfunknetz gebe es nicht.
Doch für die Betreiber lohne es sich nicht, solch einen kleinen Ort zu versorgen, erklärt Markus Jodl, Pressesprecher der Telekom: "Da bekommen Sie keine schwarze Null hin. Je schöner die Leute wohnen, desto schwieriger wird die Netzabdeckung."
Meinung

Ein Top-Wahlkampfthema
Am Beispiel Eisenschmitt wird deutlich, dass es der Markt - entgegen der Hoffnung der Politik - selbst nach Jahrzehnten nicht schafft, die Unterversorgung einiger Orte in Sachen Mobilfunkempfang zu beheben. Die Konsequenz: Die Landbewohner sind in ihren Lebensverhältnissen stark eingeschränkt und die Gemeinden in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung benachteiligt. Doch Subventionen, wie sie in den Internetausbau fließen, sind aus Angst vor wettbewerblichen Problemen beim Mobilfunknetz angeblich nicht möglich. Aber ohne politische Hilfe wird es in Eisenschmitt und anderen Orten der VG auch in Zukunft keinen Handyempfang geben. In Mainz scheint das trotz der nahenden Landtagswahl 2016 niemanden zu interessieren. Dabei bietet sich das löchrige Mobilfunknetz als Teil der Infrastruktur doch neben kaputten Straßen, Bildung und Finanzen als Top-Wahlkampfthema an. Mit politischem Willen ließe sich gewiss auch die staatliche Förderung durchsetzen. mosel@volksfreund.deExtra

Nicht nur Eisenschmitt, sondern viele Gemeinden der VG Wittlich-Land wie Dierfeld, Dodenburg, Gladbach, Heidweiler und Hetzerath haben ein mangelhaftes oder gar kein Mobilfunknetz. Dazu kommt, dass die Unterschiede zwischen den Orten gravierend sind. So können die Einwohner von Binsfeld zwischen vier Betreibern wählen. cmo