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Kirchenbau nach Kompromiss

An den Bauarbeiten für Kirche hat sich vor 225 Jahren die gesamte Ortsgemeinde beteiligt. Der Schutzpatron des Gotteshauses ist Johannes, der Täufer. Foto: privat
An den Bauarbeiten für Kirche hat sich vor 225 Jahren die gesamte Ortsgemeinde beteiligt. Der Schutzpatron des Gotteshauses ist Johannes, der Täufer. Foto: privat FOTO: (m_kreis )
Kinderbeuern-Hetzhof. Die Hetzhofer haben den 225. Geburtstag ihrer Kirche mit einem Festgottesdienst und einer Feier begangen. Das Kirchlein hat eine nicht alltägliche Geschichte. Begonnen hat alles mit Streit zwischen Hetzhof und Kinderbeuern.

Kinderbeuern-Hetzhof (red/iro) Todgesagte leben länger. Diese Redewendung trifft auch auf die Hetzhofer Dorfkirche zu. Sie ist immerhin 225 Jahre alt. Und ihr Niedergang ist ihr nicht nur einmal vorhergesagt worden. Das berichtet der Hetzhofer Ortsvorsteher Rainer Schwind bei einer kleinen Feier anlässlich des Jubiläums.
Aller Anfang war schwer, schildert Schwind in seiner Ansprache. Schließlich begann alles mit einem Streit zwischen Kinderbeuern und Hetzhof, und zwar sowohl in der politischen, als auch in der Kirchengemeinde. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fühlten sich die Hetzhofer benachteiligt bei der Gründung einer neuen Pfarrei. Und sie gaben nicht klein bei. Sie versuchten auch, über den Kurfürsten in Trier und den Herzog von Zweibrücken zu ihrem Recht zu kommen. Schließlich wurde am 28. Juli 1791 vor einer Kommission in Trarbach ein Kompromiss geschlossen. Und das waren die wichtigsten Punkte: In Kinderbeuern sollten die Mutterkirche und in Hetzhof die Filialkirche ihren Sitz haben. Sonn- und Feiertagsdienst sollte abwechselnd gehalten werden. Beim Bau einer neuen Pfarrkirche und eines Pfarrhauses in Kinderbeuern sollten die Hetzhofer ebenfalls ihre Fron leisten. Die Pfarrei wurde komplett von Kröv getrennt. Im Frühjahr 1792 begannen die Bauarbeiten, an denen sich die gesamte Dorfbevölkerung beteiligte. Die Hetzhofer bekamen keine Unterstützung, so dass die Kosten komplett auf die Einwohner umgelegt wurden. Und das, obwohl die Hetzhofer zusätzlich für die Mutterkirche in Kinderbeuern arbeiten und zahlen sollten. "Allen Widrigkeiten zum Trotz" (Schwind) wurde das Gotteshaus bereits ein Jahr später fertig. 1793 wurde die Kirche eingeweiht. Ihr Schutzpatron wurde Johannes, der Täufer. In den Folgejahren kam es, so schildert es Schwind weiter, erneut zu Streitigkeiten, zumal der halbierte Pfarrdienst nicht lange Bestand hatte.
Im Zuge der französischen Revolution sollte das Pfarrsystem im Jahr 1803 erneut neu organisiert werden. Ein bischöflicher Kommissar, der nach Hetzhof reiste, um die Pläne des Bischofs zu unterbreiten, stieß auf erhebliche Proteste. Die Bürger beschimpften ihn und trieben ihn zum Dorf hinaus.
Das Resultat: Hetzhof wurde zusammen mit Bengel der neu gegründeten Pfarrei Springierbach zugeordnet. Und die Hetzhofer gingen über Jahrzehnte lieber zur Sonntagsmesse nach Springiersbach als nach Kinderbeuern. So blieb es über viele Jahre. Erst 1868 kehrten die Hetzhofer wieder in die Pfarrei Kinderbeuern zurück. Interessant sind nach Angaben des Ortsvorstehers, der sich auf den Historiker und Ehrenbürger von Kinderbeuern Erwin Schaaf bezieht, auch die Eigentumsverhältnisse. Die Kirche wurde privat gebaut und befand sich deshalb im den Besitz der Ortsgemeinde. Bei Strukturveränderungen in den Pfarreien änderte sich an den Verhältnissen nichts. Bis heute gehört das Gotteshaus der Gemeinde.
Verantwortlich für die Organisation der Feier waren die Mitglieder der Interessengemeinschaft Kirche Hetzhof. Sie schmückten auch die Halle im "Aale Boahof" mit alten Gegenständen aus der Kirche. Diese Gruppierung trägt bis heute einen großen Anteil an der Unterhaltung des Gebäudes. Den Festgottesdienst gestalteten Pater Ludwig Eifler und Diakon Harald Klein, zusammen mit dem Singkreis "Neues geistliches Lied" unter der Leitung von Stefan Adams. Der Pater ehrte die Küsterin Gisela Schwind für ihre 40-jährige Tätigkeit.
Extra: DIE ZWEITE HETZHOFER GLOCKE


Über die Kesselstatt'sche Verwaltung wurde 1877 eine zweite Glocke von Krinkhof nach Hetzhof gebracht. Diese harmonierte jedoch überhaupt nicht mit der anderen Glocke. Die Bengeler sollen beim Klingen des Geläuts gespottet haben: "Die Häzewa han de Hund gepriejelt, et get Rähn." Auf hochdeutsch heißt das wohl: "Die Hetzhofer haben ihren Hund geprügelt, es gibt Regen."