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Tradition
Die letzten Klausener Zuckerpfeifen sind geliefert

Maria Justen zeigt Ursula Trampert, Pilgerin aus Trassem, eine Kerze und ein Zuckerpfeifchen aus ihrem Sortiment.
Maria Justen zeigt Ursula Trampert, Pilgerin aus Trassem, eine Kerze und ein Zuckerpfeifchen aus ihrem Sortiment. FOTO: Christina Bents
Klausen. Maria Justen betreibt eine von zwei Andenkenbuden neben der Klausener Kirche. Jetzt ist Schluss. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Von Christina Bents

Die Zuckerpfeifchen und Klausen. Beide gehören zusammen. Wer ein Andenken von der Klausener Wallfahrt mit nach Hause bringt, greift oft zum Zuckerpfeifchen. So ist es schon seit Generationen. Kaufen kann man den symbolträchtigen Lutscher unter anderem an den beiden Andenkenbuden neben den Treppen zur Kirche. In einer sitzt seit 2002 Maria Justen. Ihre Patentante hat die „Bude“, wie sie auch genannt wird, vor ihr betrieben und ihr dazu geraten, sie zu übernehmen. Sie erklärt: „Meine Godi hat damals zu mir gesagt `Nimm` dir die Bude, da bist du dein eigener Chef’. Und sie hat recht behalten.“

Am Sortiment hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert: Zuckerpfeifen, Rosenkränze, Kreuze an Lederbändern zum Umhängen oder als Haussegen, Muttergottesfiguren, Kerzen, Pillendöschen, kleine Heiligenfiguren, Kettchenanhänger, Kinderkirchenbüchlein, Weihwasserkesselchen oder Christopherusmagnete, die alle vom Klausener Pastor gesegnet sind, findet man bei ihr. Sehr gut verkauft sie Kerzen, auf denen die Klausener Kirche und das Gnadenbild zu sehen sind oder auf denen Sprüche stehen wie beispielsweise: „Immer, wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“. Eher zu den Ladenhütern zählen die gerahmten Fotos von Papst Benedict und Franziskus. „Irgendwie will die keiner haben, alle finden sie zwar gut, aber aufhängen, möchten sie dann doch nur wenige“, sagt Maria Justen. Auch die Rosenkränze haben es immer schwerer. „Die meisten sagen, `ich habe noch welche aus Lourdes oder Rom`, und gehen weiter.“ Was immer noch nachgefragt wird, sind Schneekugeln, in denen die Wallfahrtskirche zu sehen war. „Die kriege ich leider nicht mehr, das ist schade“, so die Budenbetreiberin. Unterschiede könne man bei der Kauffreudigkeit der Pilger feststellen, je nachdem woher sie kommen. „Die Eifeler nehmen gerne etwas mit, für ihre Kinder, Enkel oder kranke Menschen, die sich über ein Mitbringsel aus Klausen freuen. Das war schon immer so.“

Oft hört sie an ihrem Arbeitsplatz sehr persönliche Geschichten über Schicksale, für die die Menschen in Klausen beten wollen. Sie sagt: „Die Leute kommen hier schon ins Reden, wenn sie beispielsweise eine Kerze für jemanden kaufen, der eine schlimme Krankheit hat oder im Altenheim lebt.“ Daneben sind sie und ihre Kollegin Marga Mandernach auch ein wenig Touristinformation. Sie geben Radfahrern und Wanderern Auskunft, wie sie an ihr Ziel kommen, erklären wer in Klausen verehrt wird und warum (siehe Extra). Dazu erfahren sie einiges, was im Ort oder in den Nachbardörfern passiert. „Wenn einige nur noch alle drei Wochen Gottesdienst haben, ist das schon Thema. Einige Klausener, die im Ort unterwegs sind, halten auch mal für ein kleines Gespräch an“, so die Budenfrau. Doch Ende Oktober ist das vorbei, dann will Maria Justen ihren Ruhestand genießen. „Die letzte Kiste Zuckerpfeifen habe ich gerade geliefert bekommen, mehr ordere ich nicht mehr.“ Sie hofft, dass sie einen Nachfolger findet, damit die vielfältige Budentradition in Klausen erhalten bleibt. „Es wäre schade, wenn es keiner mehr machen wollte, denn es gibt viele, die schon von weitem winken und sich freuen, wenn wir aufhaben.“


Begehrte Souveniers: Zuckerpfeifchen aus Klausen.
Begehrte Souveniers: Zuckerpfeifchen aus Klausen. FOTO: Christina Bents