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Komm, mia gien noa Wedlich kucken!

Wittlich. Das gab’s noch nicht: Die Weihnachtsgeschichte auf Platt an den Schaufenstern. Die Wittlicher Geschäfte sollen Kunden erfreuen und Spenden für die Kinderfreizeit zusammenbringen. Christian Moeris

Wittlich Wie die Hirten - so steht es in der Weihnachtsgeschichte des Lukas-Evangeliums - nach Bethlehem gewandert sein sollen, um zu sehen, was dort geschehen ist, könnten bald schon die Menschen nach Wittlich "kucken gien, waat loa pasäärt äss". Denn der Verein Stadtmarketing Wittlich hat sich eine Marketing- und Spendenaktion ausgedacht, die das Weihnachtsgeschäft in der Stadt ankurbeln und gleichzeitig Spendengeld für die Kinderfreizeit in Wittlich zusammenbringen soll: Zu sehen - oder besser gesagt - zu lesen gibt es die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evengelium auf Wittlicher Platt.
Die Übersetzung der Passage der Luther-Bibel in den Dialekt der Säubrennerstadt stammt aus der Feder von Albert Klein, erster Beigeordneter der Stadt, der - wie wohl nur noch wenige - echtes Wittlicher Platt sprechen kann. Seine Übersetzung trägt den Titel: "Wie Jesus ubp de Welt kummen äs". Jeweils einige Zeilen davon kann man in den Schaufenstern der 28 teilnehmenden Geschäfte ab dem 1. Dezember - parallel zum Start des Weihnachtsmarkts - auf einem Rundkurs durch die Wittlicher Innenstadt studieren. Start- und Zielpunkt liegen jeweils in den Modegeschäften am Platz an der Lieser. Wem die Weihnachtsgeschichte auf Wittlicher Platt gefällt, kann sie zum Preis von einem Euro auf einer Postkarte in den Läden erwerben.
"Die Händler verdoppeln den Kaufpreis jeder Karte, und mit dem Erlös wollen wir die Kinderferienfreizeit der Wittlicher Vereine unterstützen", erklärt Stadtmarketing-Geschäftsführer Karsten Mathar auf der Mitgliederversammlung des Vereins am Mittwochabend.
Claudia Jacoby, Vorstandsvorsitzende des Vereins, sagt: "Mit dieser Weihnachtsaktion wollen wir den Wettbewerb um Kunden nach dem Prinzip ‚Höher, weiter, schneller‘, den sich die Städte in der Region bieten, mal unterbrechen. Das kann zur Weihnachtszeit nicht das Richtige sein." Deshalb gebe es in diesem Jahr keine Einkaufsgutscheine oder Reisen zu gewinnen. Jacoby: "Gewinner sind in diesem Jahr allein die Kinder der Ferienfreizeit."
Einige Neuerungen sieht auch das Programm des Vereins für das Jahr 2018 vor: Alternativ zum Kino-Open-Air, das in diesem Jahr ausfällt, plant der Verein am Samstag, 7. April, erstmals eine Großveranstaltung im Eventum. Zu Gast ist die Theatergruppe Mobilés mit ihrer Schattenshow "Moving Shadows". Die Künstler begeisterten bereits beim "Supertalent" des Fernsehsenders RTL. Bis zu 2000 Zuschauer will der Verein damit ins Eventum locken. Grund für die Programmänderung sei die im Sommer anstehende Fußballweltmeisterschaft, sagt Mathar, "denn wenn Fußball läuft, zieht das Open-Air-Kino nicht ausreichend Besucher an".
Noch eine weitere Programmentscheidung des Vereins wird im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft zu fällen sein. Sollte am Samstag, 7. Juli, während des Foodtruck-Festivals die deutsche Mannschaft im Viertelfinale spielen, soll es ein Public Viewing im Stadtpark geben, erklärt Mathar. Ansonsten werde dort eine Live-Band für Stimmung sorgen.
Neben den Höhepunkten wie dem zweitägigen Foodtruckfestival am 7. Und 8. Juli wird der Verein 2018 ansonsten auch seine etablierten Programmpunkte wie die Flohmärkte und verkaufsoffenen Sonntage beibehalten.
Von der Arbeit des Vereins überzeugt zeigt sich insbesondere Bürgermeister Joachim Rodenkrich: "Ich bin begeistert vom Verein, dem Engagement und der Kreativität der Mitglieder", sagt Rodenkirch auf der Mitgliederversammlung. "Ich habe großen Respekt vor dieser größtenteils ehrenamtlich organisierten Arbeit." Die Stadt Wittlich sei im Aufwärtstrend, sagt Rodenkirch, was die steigende Zahl an Einwohnern und die weitere Ansiedlung von Industrie beweise. Diese positive Konjunktur sei auch auf die gemeinsamen Anstrengungen des Vereins und der Stadt zurückzuführen, die im engen Austausch stehen. Rodenkirch: "Für diese konstruktive Zusammenarbeit möchte ich Danke sagen!"