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Kultur
Künstler-Nachlass wartet auf Käufer

 Alle Hände voll zu tun hatten Simone Röhr und die studentische Hilfskraft Franziska Faas bei den Vorbereitungen der Auktion.
Alle Hände voll zu tun hatten Simone Röhr und die studentische Hilfskraft Franziska Faas bei den Vorbereitungen der Auktion. FOTO: Ilse Rosenschild
Wittlich. Bei einer stillen Auktion können Kunstfreunde in Wittlich Gemälde und Zeichnungen des Düsseldorfer Kunstmalers Hugo Möhl ersteigern. Dass seine Eifel- und Moselansichten auch Ansichtssache sein können, beweist ein Blick in die Vergangenheit. Von Ilse Rosenschild
Ilse Rosenschild

Die Alte Synagoge ist nicht wiederzuerkennen. Wohin das Auge blickt, gibt es Bilder, Bilder, Bilder. Auf Tischen, auf Stühlen, in Rahmen und Klarsichtfolien. Sie sind alles, was vom Kunstmaler Hugo Möhl (1893-1974) geblieben ist. Hunderte von Zeichnungen zeigen Eifel-Ansichten von Berndorf, Gerolstein, Hetzerath, Kronenburg, Lissendorf, Münstereifel, Prüm und Üxheim, doch auch der Rest der Region ist mit Föhren, Neumagen, Schweich, Trittenheim und Zell gut vertreten. Hinzu kommen Szenen aus Düsseldorf, Köln, Trier, Würzburg, München, Tallinn, Rom und Venedig – wer genau hinschaut, kann mit wenigen Schritten eine kleine Reise durch Europa machen.

Insgesamt sollen 810 Gegenstände, überwiegend Gemälde und Zeichnungen aus dem Nachlass des gebürtigen Düsseldorfers – Porzellan, Möbel und Schmuckstücke sind auch dabei – bis kommenden Mittwoch, 20. März, unter den Hammer kommen. So will es die Stadt Wittlich, der der Nachlass des Künstler aus der Düsseldorfer Schule gehört. Oder besser das, was von diesem übrig geblieben ist. Denn bereits 1984 soll es eine Verkaufsausstellung und im Jahr 2014 eine erste Auktion gegeben haben.

Das Werk Eines steht fest: Hugo Möhl war ein fleißiger Maler. „Er muss ständig am Zeichnen gewesen sein“, sagt Diana Lamprecht, die für die Stadt Wittlich die Werke aufgelistet und taxiert hat. Und: „Man sieht regelrecht, wie er sich seine neue Heimat erarbeitet hat.“ Wittlicher Motive sucht man in der Alten Synagoge übrigens vergeblich. „Sie sind derzeit in der Ausstellung ,Wittlich. Fenster unserer Zeit’ in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus zu sehen“, sagt Simone Röhr vom Kulturamt der Stadt Wittlich. Und von denen wolle man sich nicht trennen. Nicht alle Werke zeigen die jeweiligen Motive übrigens naturgetreu. Lamprecht weist auch auf die stilististische Vielfalt des Mannes hin: Es gibt Bilder, die in Richtung Kubismus gehen und auch komplett abstrakte.

Der Wert Welchen Wert hat denn die Sammlung? Hugo Möhl ist studierter Architekt. „Technisch sind seine Arbeiten wirklich sehr gut“, sagt die Kunstexpertin Lamprecht. Allerdings habe er wohl nicht die entsprechende Zahl an Ausstellungen gehabt, deshalb sei die Wertschätzung wohl nicht so hoch. Zur taxierten Summe äußert sich die Stadtverwaltung nicht. Und den aktuellen Wert werde wohl erst die aktuelle Versteigerung zeigen, sagt Simone Röhr.

Der Nationalsozialismus Über das Verhältnis von Hugo Möhl zum Nationalsozialismus ist kaum etwas bekannt. Möhl stellte offenbar bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1938 in München aus. Eine Schau, die repräsentativ war für die Kunst im Nationalsozialismus. Dass Hitler zwei Zeichnungen des Wahl-Wittlichers gekauft haben soll, berichtetet der Trierische Volksfreund in seiner Ausgabe vom 7. Oktober 2014. Dazu sei der Stadt nichts bekannt, sagt Röhr.

Die Herkunft Mit der Stadt Wittlich hatte Möhl 1973 einen Rentenvertrag abgeschlossen. Er vermachte ihr seine Gemälde und persönliche Gegenstände. Im Gegenzug erhielten er und seine Ehefrau freies Wohnen und eine Rente, zu deren Höhe sich die Stadt nicht äußert. Viel hat er selbst davon nicht gehabt. Er starb am 23. Februar 1974, seine Frau zwölf Jahre später. Aber warum machte die Stadt Wittlich diesen „Deal“? Gustav Nießen, der im Kreisjahrbuch 1993 anlässlich des 100. Geburtstages von Möhl einen Text schrieb, erklärte es folgendermaßen: „Da es aber galt, ein breites Kulturangebot zu begründen, stimmte der Stadtrat schließlich zu.“ Immerhin wollte man gerade eine „qualifizierte Kulturabteilung“ einrichten.

Der Sinneswandel Bleibt die Frage, warum die Stadt sich mehr als 40 Jahre später von dem Nachlass trennen will. „Wir haben keinen Platz“, sagt Röhr. Und man werde auch keine Sammlungen mehr als Schenkung annehmen, versichert Röhr, die auch Geschäftsführerin der Stiftung Stadt Wittlich ist. Bislang waren die Bilder in Depots im Stadthaus und in der Alten Synagoge untergebracht. Schon 2006 hatte der Kulturausschuss beschlossen, dass die Werke verkauft werden sollen. Die Sammlung habe „keinen größeren, besonderen und bedeutsamen Wert“, zitierte der TV im Jahr 2014 den Ausschuss.

Die Auktion Es handelt sich um eine sogenannte „stille Auktion“. Das heißt: Nach einer Besichtigung des Auktionsgutes kann man ein schriftliches Angebot abgeben. Nach Ablauf der Frist am Mittwoch, 20. März, 17 Uhr, werden die Gebote ausgewertet. Wer das höchste abgibt, erhält das Werk. Geben zwei oder mehr Liebhaber das gleiche Gebot ab, entscheidet das Los. Dicke Geldbeutel brauchen Interessierte nicht. In vielen Fällen beträgt das Mindestgebot fünf Euro. Auf der Homepage des Kulturamtes der Stadt Wittlich steht eine Liste der Exponate als PDF-Dokument zum Herunterladen zur Verfügung. Die Wertgegenstände können in der Alten Synagoge bis zum 20. März täglich von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden, am Mittwoch zusätzlich von 10 bis 12 Uhr. Die Gebote müssen schriftlich im Kulturamt der Stadt Wittlich, Neustraße 2, 54516 Wittlich oder per E-Mail an info@kulturamt.wittlich.de abgegeben werden. Die Meistbietenden werden informiert und müssen die Kunstgegenstände selbst abholen.

Weitere Auskünfte erteilen die Mitarbeiter des Kulturamts unter Telefon 06571/14660.

 Hugo Möhl: ein leidenschaftlicher Maler und Zeichner. 
Hugo Möhl: ein leidenschaftlicher Maler und Zeichner.  FOTO: Stadtverwaltung Wittlich