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Lachen und Lernen beim Kaffeeholen

 Hilde Zimmer aus Dreis lässt sich ihr Buch von Yvonne Treis signieren. TV-Foto: Christina Bents
Hilde Zimmer aus Dreis lässt sich ihr Buch von Yvonne Treis signieren. TV-Foto: Christina Bents
Wittlich. Wenn die Katie im Schlaf abholt, halten die Wittlicher sich den Bauch vor Lachen. So war es bei der Lesung zum Buch "Ein Kaffee zum Mitholen", das Yvonne Treis gerade veröffentlicht hat. Es wurde aufmerksam zugehört, gelacht, gestaunt, nachgefragt und nebenbei noch sprachwissenschaftliches Wissen erworben.

Wittlich. Einen trockenen Abend hatten die 80 Besucher der Lesung von Yvonne Treis nicht, was auch nicht zu erwarten war, bei dem Buchtitel "Ein Kaffee zum Mitholen, bitte!" und dem Sekt der zur Begrüßung gereicht wurde. Es gab aber auch keinen wissenschaftlich-trockenen Vortrag zur moselfränkischen Sprache von der promovierten Sprachwissenschaftlerin die aus St. Aldegund stammt und in Wittlich den größten Teil ihrer Schulzeit verbracht hat, sondern einen unterhaltsamen Abend, bei dem man nebenbei noch etwas lernen konnte.
Beispielsweise über das Wort holen, das im moselfränkischen auch für nehmen eingesetzt wird. Selbst die Oma holt die gefallenen Maschen beim Stricken wieder auf. Bei einer Gewichtsabnahme holt man ab und wenn ein Zelt für ein Fest abgeholt wird, dann ist eine Sicherheitsüberprüfung gemeint und nicht der Abtransport. "Nur einen Schnupfen, den holt man sich überall", berichtet Treis mit einem Augenzwinkern.
Die Gäste hatte sie zu dem Zeitpunkt schon für sich gewonnen. Aufmerksam zugehört haben sie auch beim Thema Sprachgrenzen, denn die Aussprache vieler Wörter variiert von Ort zu Ort. Das es für ein Wort sehr viele verschiedene Begriffe gibt, zeigte sich am Zuckerrübensirup, das von Witsch über Drehrrimmdisch, Triller oder schwarze Schmeer genannt wird.
Verschiedene Worte verschwinden auch aus der Sprache. Dr. Yvonne Treis erklärt: "Die Laiskaul, die sich in der Mitte des Genicks am Haaransatz befindet, war früher ein bevorzugtes Ziel robuster Erziehung, aber seit es kaum noch Läuse gibt und sich auch die Erziehung gewandelt hat, verschwindet der Begriff immer mehr."
Dafür kommen aber neue hinzu, unter anderem das Stubbi für eine untersetzte Bierflasche. Es ist ein englisches Lehnwort, das lautlich angepasst wurde. Viele weitere Besonderheiten der Grammatik, der Nutzung der Worte und der Aussprache wurden erklärt und diskutiert.
Albert Klein, der das Wittlicher Wörterbuch übersetzt hat und sich im Moselfränkischen gut auskennt, hat noch etwas gelernt: "Über die Grammatik habe ich mir beim Platt sprechen bisher noch wenig Gedanken gemacht, und das auch noch nicht so systematisch aufbereitet gehört. Das war sehr interessant. Die Wörter waren mir nicht neu." Susanne Taut aus Osann-Monzel fand: "Ich habe einige neue Begriffe gehört und finde es immer wieder interessant, welche Abweichungen es bei der Aussprache gibt. Mir ist noch einmal die Vielfalt unseres Moselfränkischen bewusst geworden." chb