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Fortstwirtschaft
Ist private Waldbewirtschaftung in Landscheid sinnvoll oder nicht?

FOTO: Friedemann Vetter
Landscheid/Ormont. Einige Landscheider wollen nicht, dass die Gemeinde ihren Forst an ein Unternehmen verpachtet. Sie befürchten einen Raubbau an der Natur. Das an der Pacht interessierte Unternehmen sieht seine Arbeit hingegen als nachhaltige und vernünftige Forstwirtschaft. Von Christian Moeris

Viele Eifeler suchen beim Spazierengehen oder Radfahren im Wald Ruhe und Entspannung. Doch der Wald ist nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern für viele Gemeinden ein enormer Wirtschaftsfaktor, der manchenorts die Kasse kräftig klingeln lässt. In den Gemeindewäldern treffen somit  unterschiedlichste Interessen aufeinander, weswegen der Wald auch schnell zu einem emotionalen Thema werden kann, wie derzeit in Landscheid.

Sprengstoff bergen Erwägungen des Ortsgemeinderates, der sich zur Zeit Gedanken um die Zukunft der Holzvermarktung macht. Aufgrund kartellrechtlicher Bedenken wird diese derzeit im Land grundlegend neu geregelt (siehe Hintergrund). Das Gremium in Landscheid zieht dabei die Verpachtung des 300 Hektar großen Gemeindewaldes an ein privates Unternehmen in Betracht. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich wäre das ein Novum.

Kritik Die Liste der Kritiker gegen dieses private Modell zur kommunalen Holzvermarktung ist lang. In Landscheid zählen dazu auch die beiden ehemaligen Ortsvorsteher Egon Birresborn und Paul Steffen. „Ein Unternehmen, das auf Gewinn aus ist, wird sich in der Zeit des Pachtverhältnisses die Rosinen herauspicken. Der Wald, der danach zurückbleibt, wird auf Jahre keinen Erlös mehr bringen“, meint Birresborn. Die Gemeinde dürfe ihren Wald deshalb nicht aus der Hand geben, mahnt Birresborn. Sein Amtsvorgänger Steffen meint: „Wenn der Pachtvertrag endet, sind das tote Landschaften. Private Unternehmen arbeiten profitorientiert und nicht nachhaltig.“ Nach Ablauf des Pachtvertrages folge dann der Verkauf des Waldes, fürchtet Steffen, weil der Forst auf Jahre keinen Ertrag mehr abwerfen würde.

Aber sind das nicht vielleicht nur irrationale Ängste und wird da nicht der Teufel an die Wald gemalt? Der TV hat bei dem Unternehmen Schmitz Waldwirtschaft aus Ormont (VG Obere Kyll), das gerne Auskunft gibt, mal nachgefragt.

Unternehmer „Wir würden die Waldflächen der Gemeinde gerne pachten“, sagt Betriebsleiter Mike Bruins, und er könne auch die Bedenken der Kritiker verstehen. „Aber wir leisten keinen Schmu im Wald. Man muss ganz klar sagen, dass die Fläche, die verpachtet wird, währenddessen nicht schlechter werden darf, denn sonst wären wir als Pächter schadensersatzpflichtig.“

Dem Unternehmen als privater Dienstleister bringe ein Raubbau und ‚Rosinenpicken’ im Wald auch gar nichts, sagt Bruins. „Sonst könnten wir unsere Zelte schnell abbrechen. Es dauert nämlich lange, bis sich gute Arbeit rumspricht – bei schlechter Arbeit geht das ganz schnell.“ Derzeit bewirtschafte die Firma mit 30 Mitarbeitern den Wald von 16 Ortsgemeinden im Hunsrück und Saarland. Bruins: „Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen, das wirtschaftlich arbeitet, was den Vorteil hat, dass am Ende auch die Gemeinde wirtschaftlicher dasteht.“

Landesforsten Bei den Landesforsten, die seit Jahrzehnten das Holz aus dem Landscheider Wald mit vermarkten, sieht man das alternative privatwirtschaftliche Konzept jedoch ebenfalls kritisch. Revierförster Stefan Irmen, der den Landscheider Wald seit 30 Jahren betreut, spricht von „Risiken“, die von einer privaten Bewirtschaftung ausgingen. „In unserer Bewirtschaftung sind die Fixkosten mit drin. Im Angebot der privaten Anbieter fehlen zu großen Teilen zudem die Investitionen in die Forstwege. Unter Betrachtung aller Restrisiken bietet die private Bewirtschaftung von daher auch fiskalisch keine Vorteile.“

Dieser Meinung ist auch Ulrich Frönsdorf, Leiter des Forstamtes Wittlich. „Wenn man das Angebot der Landesforsten mit dem der privaten Unternehmer vergleicht, dann ist das, wie wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht.“ Finanziell zeichne sich für die Gemeinden beim Angebot der Privaten kein deutlicher Vorteil ab, meint Frönsdorf. „Allerdings ist die Waldbetreuung durch die privaten Förster der Unternehmen dann eine Fernbetreuung“, sagt Frönsdorf. „Viele sagen, dass Konzept der Privaten sei noch nicht ganz ausgereift, weil es juristisch noch ungeklärte Punkte gibt.“ Außerdem sei die Kontrolle der Privaten, ob diese korrekt und im Rahmen der Verträge Holz einschlagen würden, aufwendig und schwer. Frönsdorf. „Aber wir werden jede Entscheidung des Ortsgemeinderates respektieren“.

Bürgerversammlung Ortsbürgermeister Ewald Heck, möchte sich zu dem Thema, obwohl es im Ort bereits jetzt hohe Wellen schlägt, noch nicht in der Presse äußern. Heck möchte die aus den Reihen des Gemeinderates geforderte Einwohnerversammlung am Donnerstag, 18. Oktober, um 18 Uhr im Vereinshaus, abwarten.

Holzernte Wie Bürgermeister Heck erklärt, erwirtschaftet die Gemeinde Landscheid mit ihrem 300 Hektar großen Wald jährlich durchschnittlich einen Reinerlös zwischen 20 000 und 30 000 Euro. In den vergangenen fünf Jahren, sagt Förster Irmen, seien es nach Abzug aller Kosten mit 33 000 Euro etwas mehr gewesen. Pro Jahr würden dort etwa 1500 Festmeter Holz im Wert von etwa 75 000 Euro geerntet.