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Landwirtschaft
Futternot und vertrocknete Ähren

Weizen braucht viel Wasser. Und davon hatte er im Sommer 2018 zu wenig. Die Folge: vertrocknete Ähren.
Weizen braucht viel Wasser. Und davon hatte er im Sommer 2018 zu wenig. Die Folge: vertrocknete Ähren. FOTO: picture alliance/dpa / Patrick Pleul
Wittlich. Der Sommer war heiß. Auch in den Folgemonaten hatten die Landwirte noch mit derTrockenheit zu kämpfen. Jannis Coenen

Das Jahr 2018 geht in die Geschichte ein. Nicht nur als das Jahr, in dem Deutschland in der Gruppenphase der Fußball-Weltmeisterschaft rausflog, sondern auch als eines der trockensten und wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Deutschland.

Auch im Umkreis von Wittlich zog sich die Dürre bis in den Herbst und sorgte bis dahin für schwache Ernten. Auch wenn mittlerweile der lang ersehnte Regen da ist, bleiben die Folgen die Trockenheit. „Vor allem der Futterbau ist betroffen“, berichtet Manfred Zelder, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich. „Dabei sind die Schäden hier im Kreis unterschiedlich verteilt. Während in Bombogen ein einziger Schauer die Ernte eines Bauern retten konnte, regnete es in Wittlich nicht und die Ernte des Wittlicher Bauern war vertrocknet.“

Mit den Folgeschäden seien vor allem die Viehhalter konfrontiert. Eigentlich steige der Fleischpreis direkt vor Weihnachten an. Das passiere diesmal jedoch nicht, da aufgrund von Notschlachtungen ein besonders hohes Fleischangebot bestehe. „Viele Landwirte haben darauf gehofft, dass der Markt ihre Verluste ausgleichen würde. Doch der Markt hat versagt“, urteilt Zelder. „Auch die Milchbauern leiden darunter. Man sitzt der Macht der Discounter ohnmächtig gegenüber.“

Doch das ist ein anderes Thema. Nicht nur der Sommer war trocken, der Herbst war es auch. Kartoffeln oder Zuckerrüben werden bis in den Herbst hinein geerntet. Durch die langwährende Dürre gab es also auch bei ihrer Ernte herbe Verluste. Bundesweit geht man von einer 30 Prozent schlechteren Kartoffelernte als normal aus. Des Weiteren sagt Manfred Zelder: „Hier im Kreis hatten wir auch große Probleme mit den Neuanpflanzungen. So ist die erste Rapsanpflanzung komplett vertrocknet und auch die zweite zum Großteil.“ Dies bedeute nicht zuletzt hohe Produktionskosten. Außerdem sorge die Dürre für Niedrigwasser in den Flüssen, wodurch Transportkosten anstiegen.

„Zufriedenstellend war die Getreideernte.“ Sie fiel nämlich in Bernkastel-Wittlich, aber auch in ganz Rheinland-Pfalz akzeptabel aus. Und das obwohl Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner behauptet: „Eine kleinere Getreideernte wurde in Deutschland zuletzt im Jahr 1994 erzielt.“ Allerdings bedeutet die passable Getreideernte in Rheinland-Pfalz, dass Rheinland-Pfalz keinen Anspruch auf die versprochenen Entschädigungsgelder in Höhe von 340 Millionen Euro erhebt, die eigentlich für alle Arten von Landwirten gedacht sind. Somit bleiben die Nicht-Getreidebauern in Rheinland-Pfalz außen vor, obwohl ihre Schäden immens sind und sie auf die Entschädigungsgelder angewiesen wären. Ein Umstand, den Manfred Zelder aufs Schärfste kritisiert: „Das Ministerium in Mainz hat die anderen Bauern vergessen.“

Glück im Unglück hatten die Landwirte beim Schädlingsbefall. Während bei der Forstwirtschaft der Borkenkäfer extrem von der Hitze begünstigt wurde, sorgte die Trockenheit in der Landwirtschaft dafür, dass der Schädlingsbefall schwächer war. In der Region Wittlich musste kein Insektizid verwendet werden.

Auch Winzer wie Thomas Loosen  kommen mit der Dürre zurecht. „Der Weinbau ist nicht so stark betroffen. Zwar wirkt sich die Trockenheit bei jüngeren Reben durchaus negativ aus, aber die älteren Reben konnten das wegstecken.“ In diesem Jahr wurden die Weintrauben besonders früh gelesen. Laut Thomas Loosen haben die hohen Temperaturen   vor allem einen guten Nebeneffekt. „Es gibt eine höhere Zuckereinlagerung. Der Jahrgang 2018 ist ein wirklich guter.“ Also müssen die Winzer angesichts der klimatischen Entwicklung nicht allzu besorgt sein. Die Landwirte hingegen schon. Mit Blick  auf die Zukunft meint Manfred Zelder: „Wenn sich das Klima verändert, müssen wir Bauern reagieren.“ So müsse man in Zukunft eventuell vermehrt auf Produkte setzen, die weniger Wasser benötigen. Außerdem solle mehr Mais angebaut werden, weil er die Trockenheit noch am ehesten aushalte. Weizenanbau werde tatsächlich schwer, da diese Sorte besonders viel Wasser benötige. Die Landwirte überlegen: Welche Methoden lohnen sich in der Zukunft? Welche Produkte sollte man anbauen? „Das sind Fragen, die sich erst in einigen Jahren beantworten lassen.“ Klar ist: Die Bauern müssen reagieren. Ihre Existenz hängt davon ab.