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Lebensadern unserer Landschaft

Zeit zum Entspannen an der Lieser. Links im Hintergrund die Mündung des Rommelsbachs. TV-Foto: Klaus Kimmling
Zeit zum Entspannen an der Lieser. Links im Hintergrund die Mündung des Rommelsbachs. TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: Klaus Kimmling (m_wil )
Bernkastel-Wittlich. Viele Flüsse münden in den Rhein. Der größte, die Mosel, fließt mitten durch unseren Landkreis Bernkastel-Wittlich. Und viele Bäche fließen wiederum in die Mosel. Manche, wie die Lieser oder die Dhron, sind allein schon wegen ihrer Größe bekannt. Andere kennen nur die Einheimischen vor Ort. Einige dieser kleinen und ökologisch wertvollen Gewässer stellen wir in einer Serie vor. Winfried Simon

Bernkastel-Wittlich. Wer sich vom hektischen Alltag erholen will, wer Ruhe und Natur genießen will, wer an heißen Sommertagen eine kühle Umgebung sucht - der sollte sich in eines der zahlreichen Bachtäler zurückziehen. Ob der Ahringsbach bei Irmenach/Enkirch oder der Oestelbach bei Osann-Monzel/Maring-Noviand: Solche und andere Fließgewässer sind kleine Lebensadern unserer Kulturlandschaft.
Und sie bieten nicht nur Ruhe und Erholung. In ihnen leben Fische und andere Lebewesen. Sie geben gleichzeitig Hinweise auf ökologische Qualität des Gewässers.
Im Kreisgebiet sind rund 420 Kilometer Gewässer an Angler verpachtet, die Mosel ausgenommen. In den kleinen Fließgewässern wie der Lieser sind neben Weißfischen, Karpfen, Schmerlen, Gründlinge, Bitterfische, Groppen, Schneider, Äschen und Bachforellen zu finden.
In früheren Zeiten wurden die schnell fließenden Bäche als Energiequelle genutzt, um Mühlen anzutreiben, um Korn und Ölfrüchte (Raps, Traubenkerne, Bucheckern, Nüsse) zu mahlen oder um Holz zu sägen.
Bei Eisenschmitt gibt es sogar einen eigens ausgewiesenen Mühlenpfad. Die Enkircher und Starkenburger feiern jedes Jahr an Pfingstmontag im Ahringsbachtal ein Mühlenfest. Dann wird sogar in der Oberen Starkenburger Mühle wie zu früheren Zeiten Korn gemahlen.
Um die vielen Mühlen betreiben zu können, wurden die Bäche zeitweise mit Wehranlagen aufgestaut. Nun wird peu à peu damit begonnen, die Wehranlagen wieder umzubauen, damit das Flüsschen "ökologisch durchlässig" wird.
Das Projekt Lieser wurde bereits vor 14 Jahren abgeschlossen. An 22 von 25 Wehranlagen war die Durchgängigkeit des Flusses unterbrochen. Im Rahmen des Lieser-Projektes wurden unter anderem sechs Fischrampen und eine Umgehungsrinne gebaut. Zudem wurden zwei Wehre entfernt.
Bäche können sich auch in reißende Flüsse verwandeln, wie zuletzt das Unwetter Mitte Juni gezeigt hat. Die Wittlicher Altstadt entging haarscharf einer Überflutung. Denn die Pegel von Rommelsbach und Lieser waren sehr schnell drastisch angestiegen.
Dörfer und Städte, durch die Bäche fließen, müssen am Hochwasserschutz arbeiten.
Bach- Geschichte(n)


In den 1960er und 1970er Jahren erhielten viele Bäche ein anderes, ein hässlicheres Gesicht. Große Flächen wurden flurbereinigt, landwirtschaftliche Äcker und Weinberge zum Teil bis an den Bachrand vergrößert.
War ein Bach im Weg, wurde er in Betonröhren oder Betonschalen gepresst, eingemauert und stellenweise unter die Erde verlegt. Ökonomie vor Ökologie lautete in der Vergangenheit die Devise.
Inzwischen werden zahlreiche Bäche mühevoll und mit viel Geld wieder in ihren ursprünglichen, natürlichen Zustand versetzt - sprich renaturiert. Dazu werden Auen, Polderflächen und Gewässerrandstreifen angelegt.
In den kommenden Wochen wollen wir einige Bäche unseres Landkreises - ihren Verlauf von der Quelle bis zur Mündung und ihre Besonderheiten - vorstellen.
Extra

Im Landeswassergesetz wird den Gewässern entsprechend ihrer wasserwirtschaftlichen Bedeutung eine Gewässerordnung zugewiesen. Gewässer erster Ordnung sind Rhein, Mosel, Saar, Sieg, Lahn, Sauer, Teile der Our, die Nahe. Gewässer zweiter Ordnung sind Gewässer, die für die Wasserwirtschaft von erheblicher Bedeutung sind und nicht zur ersten Ordnung gehören. Im Kreis Bernkastel-Wittlich sind das: Salm, Kailbach, Dhron, Kleine Dhron, Lieser, Kleine Kyll, Alfbach, Ueßbach und das Meerfelder Maar. Gewässer dritter Ordnung sind alle anderen Gewässer. Für die Gewässer erster Ordnung, die keine Bundeswasserstraßen sind, ist das Land unterhaltungspflichtig. Den Landkreisen und kreisfreien Städten obliegt die Pflege der Gewässer zweiter Ordnung. Unterhaltungspflichtig für die Gewässer dritter Ordnung sind die kreisfreien Städte, verbandsfreien Gemeinden und Verbandsgemeinden. sim

Idylle im Dorf: Die Salm fließt mitten durch Eisenschmitt. TV-Foto: Winfried Simon
Idylle im Dorf: Die Salm fließt mitten durch Eisenschmitt. TV-Foto: Winfried Simon FOTO: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"