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Luxus-Fleisch für Gourmets: Hobbylandwirt Florian Weber hält in Arenrath eine besonders edle Rinderrasse

Arenrath. Florian Weber züchtet in Arenrath Wagyu-Rinder. Diese Rasse, in Japan bekannt auch als Kobe-Rind, liefert mit das teuerste und angeblich beste Fleisch der Welt. In Deutschland werden insgesamt nur rund 600 Wagyu-Rinder gehalten. Winfried Simon

Florian Weber isst leidenschaftlich gerne ein saftiges Steak. Und er bereitet es am liebsten selbst zu. Vor drei Jahren schenkte ihm seine Freundin Lisa einen Kochkurs.

Unter anderem brutzelte sich der gelernte Maschinenbauer und Metallbaumeister, der in Großlittgen mit seinem Vater die mittelständische Firma Weber-Stahl leitet, ein saftiges Steak vom Angus-Rind. Von da an wollte der junge Mann mehr über gutes Fleisch wissen.

Erst Kochkurs, dann Rinder

Er wohnt auf Hof Hütt zwischen Arenrath und Niederkail, direkt neben seinem Onkel Arno Weber, der einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Florian Weber schaffte sich nach dem erfolgreichen Kochkurs drei Angus-Rinder an. Fleisch von Angus-Rindern sind bei Gourmets begehrt, doch es gibt noch eine kulinarische Steigerung: Fleisch von Wagyu-Rindern, in Japan auch bekannt als Kobe-Rinder. Weber über sein erstes Geschmackserlebnis mit einem Wagyu-Steak: "Unglaublich zart, es zergeht auf der Zunge, wunderbar nussig im Geschmack."

Der 24-Jährige baute einen Stall, in dem inzwischen unter anderem neun reinrassige Wagyu-Kälber stehen. In den nächsten Tagen werden sie auf die Weide geführt, wo sie bis zum Herbst bleiben. Fachleute erkennen die edle Rasse an dem etwas anders geformten Kopf und dem kleineren Rumpf.

Die Kälber - sie waren einst tiefgefrorene Wagyu-Rind-Embryonen - wurden von Leihmüttern der Rasse Braunvieh ausgetragen. Ein solches Embryo kostet 1000 bis 1500 Euro. Zusätzlich kaufte sich Weber von dem bekannten Münchner Gastronomen und Züchter von Wagyu-Rindern, Sepp Krätz, eine reinrassige Wagyu-Kuh.

Gestern wurde das Tier besamt. Das Sperma - eine Portion kostet 120 Euro - hat er sich von einem Züchter aus den USA kommen lassen. Zuvor wurde die Kuh hormonell behandelt, damit sie mehr Eizellen produziert.

Nach sieben Tagen wird die Gebärmutter gespült, fünf bis zehn befruchtete Eizellen (Embryonen) können dann entnommen werden.
Die Embryonen werden tiefgefroren und können zu jedem beliebigen Zeitpunkt Empfängertieren übertragen werden.
Noch hat Florian Weber kein eigenes Wagyu-Fleisch erzeugt. Frühestens im Januar oder Februar kommenden Jahres sind die ersten Edel-Rinder schlachtreif. 150 bis 200 Euro kann ein Kilo wertvolles Steakfleisch vom Rinderrücken bringen, Hackfleisch für Wagyu-Burger wird etwa für 18 bis 20 Euro gehandelt. Weber hofft, in der Region Abnehmer für das exklusive Feinschmecker-Fleisch zu finden.

Auf Dauer will er 20 bis 25 reinrassige Wagyu-Mutterkühe halten. Verkaufen kann er das Fleisch, Embryonen oder trächtige Kühe der Edelrasse, die in seinem Stall besamt wurden.
EXTRA


Anders als bei anderen Rindern ist das Fett im Fleisch der Wagyu-Rinder nicht punktuell, sondern gleichmäßig in sehr feiner Marmorierung im Muskelfleisch verteilt. Wagyu-Fleisch hat im Vergleich zu anderen Rinderrassen einen bis zu 50 Prozent höheren Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Es gilt wegen seines Preises als "Kaviar unter den Steaks". Das Wort Wagyu stammt aus dem japanischen (Wa = Japaner, Gyu = Rind) und steht wie kein anderes Produkt für Luxus der Extraklasse.
Dem Wagyu-Verband Deutschland gehören 28 Züchter an. Insgesamt werden rund 600 Wagyu-Rinder in Deutschland gehalten.