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Porträt
„Ohne Prinzen geht es nicht.“

Sandra Karl und Martin Gesthuisen von der Märchenbühne.
Sandra Karl und Martin Gesthuisen von der Märchenbühne. FOTO: Patricia Prechtel / TV
Wittlich. Aus einer Idee entstand eine Tradition. Seit 20 Jahren gibt es die Märchenbühne der Vulkaneifel in Hasborn. Was für ein Konzept dahintersteht und was sich in den 20 Jahren verändert hat, haben Martin Gesthuisen und Sandra Karl dem TV erzählt. Von Patricia Prechtel
Patricia Fee Prechtel

Die Idee, in der alten Kirche von Hasborn Theater zu spielen, entstand vor 20 Jahren. Damals wurde die Ikonen-Ausstellung, die heute in Himmerod zu sehen ist, dorthin verlagert. Und die Kirche in gutem Zustand war frei und ohne Nutzung.

Mit fünf Personen, Kindern und Erwachsenen, wurde dort dann zum ersten Mal Theater gespielt. „Das kam gut an und so ist die Truppe gewachsen“, erinnert sich Martin Gesthuisen. Der 64-Jährige ist Mitbegründer und Regisseur der Märchenbühne.

So entstand die Märchenbühne der Vulkaneifel in Hasborn. Das Konzept: Kinder und Jugendliche spielen Theater für Familien. Und das zahlt sich aus. Dieses Jahr feiern die Spieler das 20. Jubiläum der Märchenbühne.

Kinder ab dem Schulalter sind als Schauspieler dabei. Unter den Zuschauern sind die Kinder teilweise erst drei Jahre alt. „Wir wollen ein Familientheater sein“, sagt Gesthuisen. Ihr Ziel: Die Kinder sollen ganz nah dran sein, am Geschehen. Die jungen Besucher haben besondere Plätze, sitzen in den ersten Reihen, ganz weit vorne mit dabei. Da die Bühne sehr niedrig ist, wird so fast im Zuschauerraum gespielt. Schauspieler kommen von allen Richtungen auf die Bühne. Die jungen Zuschauer sollen das Stück tatsächlich miterleben können. Das geschieht, indem sie auch mit eingebunden werden. „Die Kleinen sollen zum Beispiel was erraten oder wir sprechen sie direkt an“, sagt Sandra Karl. Die 54-Jährige ist schon seit 15 Jahren bei der Märchenbühne dabei. „Manchmal kann es auch passieren, dass eine Hexe ein Kind im Nacken berührt“, sagt sie. Die Kinder sind mittendrin im Geschehen. Teil des Konzeptes ist auch, dass die Märchen gespielt werden „wie anno dazumal“, sagt Sandra Karl. Das heißt, keine aufwendigen Effekte, sondern klassische Aufführungen.

Gespielt werden Märchen, aber nicht nur die der Gebrüder Grimm, sondern auch aus 1001 Nacht, Märchen wie Jim Knopf oder dieses Jahr Peterchens Mondfahrt.

In den letzten 20 Jahren habe sich vor allem geändert, wie Kinder mit den Stücken umgehen. Viele kennen die Märchen als Comic, sagt Sandra Karl. Und die kleinen Zuschauer wirkten erstaunt, wie nah man ihnen teilweise komme. Sie wirkten teilweise anfangs skeptisch, aber tauten mit der Zeit auf.

Das Wichtigste für die Beiden: Das Spielen stehe im Vordergrund und auch der Spaß. Dass das Stück perfekt sei, sei nicht so wichtig. Schauspieler und Zuschauer sollen Spaß an der Aufführung haben. Geprobt wird ab den Herbstferien, die Aufführungen beginnen traditionell zwischen Weihnachten und Silvester. „Mir würde was fehlen, wenn wir nach Weihnachten nicht spielen und uns vorbereiten würden. Das gehört nach Weihnachten und vor dem Jahreswechsel mittlerweile einfach dazu“, sagt Sandra Karl. Eine weitere Sache, die sich nicht ändert: Lampenfieber. „Jede Generalprobe und und jede Premiere ist immer wieder aufregend“, sagt sie. Die Kinder wachsen vor Publikum immer wieder über sich hinaus, sagt sie. „Wir wollen auch ein Heimatgefühl für die Kinder im ländlichen Raum herstellen“, sagt Sandra Karl. Sie sollen sehen, dass sie nicht nur konsumieren, sondern auch mitmachen können. Und dass in ihrer Region was geboten wird.

In den Stücken spielen Kinder die Hauptrollen, Erwachsene spielen Nebenrollen und geben Sicherheit. Was die Gestaltung der Rollen angeht, haben die Kinder freie Hand. Jeder solle so spielen, wie es für sich selbst passt. Zwar werden die Rollen vergeben, aber die Gestaltung ist frei. Mittlerweile spielen in der Märchenbühne auch Kinder der zweiten und dritten Generation mit. Und auch wenn manche ein paar Jahre Pause machen, weil sie in der Pubertät andere Interessen bekommen haben, oder durch Sport weniger Zeit zum Proben fanden, steigen viele wieder ein. Gab es in den letzten Jahren fast keine Jungs in der Runde, sind jetzt wieder 40 Prozent der Schauspieler männlich. „Ohne Jungs ist es schwer, denn dann kann man keine Märchen aufführen, in denen Prinzen vorkommen. Und man braucht ja fast immer Prinzen“, sagt Gesthuisen und lacht.

Martin Gesthuisen und Sandra Karl freuen sich über weitere Unterstützung von jungen und erwachsenen Schauspielern. Castings oder Vorsprechen für Rollen gibt es nicht. „Wer mitspielen will, ist dabei“, sind sie sich einig.

Zum 20.Geburtstag wird das beliebte Märchen von Peterchens Mondfahrt aufgeführt.

In dem Stück geht es um Maikäfer Sumsemann, dem das Beinchen geraubt worden und seit Generationen auf dem Mond verschollen ist. Um es wiederzubekommen, macht sich der Geige spielende Käfer mit den Kindern Peterchen und Anneliese auf den Weg zum Mond. Doch die Reise wird alles andere als eine ruhige Spazierfahrt über die Milchstraße. Der kleine Suchtrupp erreicht das Schloss der Nachtfee und muss sich den Naturgeistern stellen. Doch die größte Gefahr lauert auf dem Mondberg am Ende ihrer Fahrt. Ob sie wohlbehalten wieder zur Erde zurückkehren?

Aufführungen am Donnerstag, 4. Januar, Freitag, 5. Januar, Samstag, 6. Januar und Sonntag, 7. Januar. Die Aufführungen beginnen jeweils um 17 Uhr in der alten Kirche in Hasborn.

Kartenvorbestellungen bei S. Neuerburg unter Telefon 06574/8722.