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Mahnmal erinnert an Zwangsarbeiter

So sieht der Entwurf des Künstlers Sebastian Langner für das Mahnmal an der Autobahnkirche St. Paul aus. Foto: Sebastian Langner
So sieht der Entwurf des Künstlers Sebastian Langner für das Mahnmal an der Autobahnkirche St. Paul aus. Foto: Sebastian Langner
Wittlich. Ein Mahnmal erinnert künftig an die Zwangsarbeiter, die beim Bau der Reichsautobahn eingesetzt waren. Am nächsten Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar 2013, soll es an der Autobahnkirche St. Paul enthüllt werden. Sonja Sünnen

Wittlich. Es gibt noch heute unentschuldbare Aussagen wie: "Ja aber, der Hitler, der hat ja die Autobahn gebaut."
Es gibt aber heute auch den kritischen Blick auf die tatsächliche Geschichte, etwa in Laufeld. Der Internetauftritt der Gemeinde macht jedermann deutlich, was wer in der Nazizeit leisten musste: "Von den insgesamt 1068 Kriegsgefangenen im Kreisgebiet wurden im Mai und Juli 1940 im Lager Dierfeld/Laufeld 30 Polen untergebracht. Die Kriegsgefangenen wurden in der Landwirtschaft und zum Teil auch beim Autobahnbau eingesetzt." Weiter ist dokumentiert: "Beim Autobahnbau wurden auch Gefangene anderer Nationalitäten eingesetzt. In Niederöfflingen bestand darüber hinaus ein Lager mit politischen Gefangenen, die ebenfalls zum Autobahnbau zwangsverpflichtet wurden."
Anstoß zum Erinnern


Über viele dieser kleinen Lager wird meist geschwiegen, auch darüber, dass viele der entrechteten Gefangenen an Stücken der heutigen Autobahn arbeiten mussten. Für sie soll am 27. Januar 2013, dem Holocaust-Gedenktag, in der Autobahnkirche St. Paul ein Mahnmal enthüllt werden. Es soll einen Anstoß zum Erinnern daran geben, dass von 1939 bis 1942 Zwangsarbeiter für die sogenannte Reichsautobahn schuften mussten.
Mitinitiator Wolfram Viertelhaus, der sich im Arbeitskreis Jüdische Gemeinde Wittlich ebenso engagiert wie im Förderverein Autobahnkirche St. Paul sagt: "Weithin in Vergessenheit geraten ist die Tatsache, dass es neben freiwilligen Arbeitern auch Menschen gab, die an den Teilstücken der Autobahn zwangsweise arbeiten mussten: Gefangene der Justizvollzugsanstalt Wittlich, Häftlinge des KZ Hinzert, Juden aus Luxemburg, polnische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der damaligen UdSSR. Sie lebten in verschiedenen Barackenlagern unter mehr oder weniger strenger Bewachung. So etwa im Außenlager des KZ Hinzert in Wittlich/Hahnerweg, in Dorf, Flußbach, Greimerath, Niederöfflingen, Brockscheid, Mehren und so weiter."
Er sagt auch, das geplante Mahnmal, "dürfte die bisher einzige Erinnerungsstätte für Zwangsarbeiter beim Bau der ,Reichsautobahn sein."
Konkret geht es im Raum Wittlich um das Teilstück von Hasborn nach Wittlich-Dorf, damals mit nur einer Spur in jede Richtung. "Erst nach 1970 wurde die Autobahn von Koblenz nach Trier gebaut und endete lange noch bei Wittlich. Dabei übernahmen die Autobahnbauer 1970 die bereits geplante Trasse und einige fertige Teilstücke", sagt Wolfram Viertelhaus.
Um mehr über dieses Kapitel der Geschichte herauszufinden, hat ein Arbeitskreis in Akten aus dem Bundesarchiv Berlin recherchiert: "Vieles war auch für uns neu", sagt Wolfram Viertelhaus, der unter anderem vom Ehepaar Bühler (Arbeitskreis Jüdische Gemeinde Wittlich) und Dieter Burgard (Bürgerbeauftragte des Landes und Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte KZ Hinzert) unterstützt wird. "Auch das Emil-Frank-Institut ist involviert. Jetzt fehlt uns nur noch die formale Zusage von der Immobilien-Gesellschaft St. Paul als Besitzerin der Kirche." An deren Außenwand vor dem linken Eingang soll das Mahnmal seinen Platz finden. Es besteht aus zwei Edelstahltafeln, die in zwei Ebenen übereinander liegen.
Der Wittlicher Bildhauer Sebastian Langner hat es entworfen: "Eine stilisierte Autobahnebene geht über in eine Art Wurzel, die beim zweiten Hinsehen in stacheldrahtartigen Formen endet. Stacheldraht als Sinnbild für Quälerei und Gefangensein. Diese Ebene ist zudem blutrot hinterlegt. Die Frage, mit der ich mich beschäftigt habe, war, wie setze ich ein Thema um, in dem der Beginn von etwas in schrecklichem Unrecht wurzelt"
Hinzu kommt ein Schriftzug: "Den Zwangsarbeitern beim Bau der Autobahn 1939 - 1942 zum Gedenken." Außerdem soll das Mahnmal durch weitere erklärende Informationen zu Zwangsarbeit und Autobahnbau ergänzt werden.

Um die Kosten für das Mahnmal in Höhe von rund 5000 Euro decken zu können, ist der Förderverein für Spenden dankbar: Konto-Nummer: 7297775, Bankleitzahl 58760954 bei der VVR-Bank Wittlich, Stichwort: "Mahnmal".
Extra

Wer noch Fotos oder anderes Material über den Bau selbst, die Lager oder ähnliches besitzt, wer als Zeuge noch Erinnerungen an diese Zeit hat, wird gebeten, sich zu melden bei: Wolfram Viertelhaus, Telefon 06571/4424 oder per E-Mail: info@autobahnkirche-stpaul.de melden. sos