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Gastronomie
Im neuen Jahr ist endgültig Schluss

Dirk und Inge Gusovius schließen den Postillion in Manderscheid zum Jahresende nach fast 50 Jahren.
Dirk und Inge Gusovius schließen den Postillion in Manderscheid zum Jahresende nach fast 50 Jahren. FOTO: TV / Petra Willems
Manderscheid . Dirk und Inge Gusovius schließen zum 31. Dezember ihr Restaurant Postillion in Manderscheid. Das Ehepaar hat fast 50 Jahre lang den Betrieb geleitet.
Petra Willems

Die Entscheidung ist dem Manderscheider Ehepaar Gusovius nicht leicht gefallen. Seit 1971 steht Dirk Gusovius (74), der im Trierer Traditionslokal Steipe seine Kochausbildung absolviert hat, in der Küche des Restaurants Postillion in der Manderscheider Kurfürstenstraße. Seine Frau Inge (65), gelernte Hotelfachfrau, ist seit 45 Jahren an seiner Seite, kümmert sich um Service und Theke. Doch Ende des Jahres schließt das Haus. „Die 50 bekommen wir nicht mehr voll. Wir haben den Betrieb zum 31. Dezember abgemeldet“, sagt Dirk Gusovius. „Dann ist endgültig Schluss.“

Die Gründe für die Schließung sind nicht etwa fehlende Umsätze, der Laden lief, vor allem im Sommer auf der Terrasse. Aber es fehlte an Personal und Perspektiven. Die beiden Söhne kommen nicht als Nachfolger infrage, nach einem anderen möglichen Betreiber hat das Ehepaar bisher noch nicht gesucht, ist aber bereit, ihr Lokal zu verpachten, wenn die Umstände stimmen. Junge Existenzgründer zum Beispiel, „mit Liebe zum Beruf“, wie Inge Gusovius sagt, kämen infrage „Aber keine Quereinsteiger. Jeder muss wissen, was zu tun ist.“

So wie bei dem Ehepaar, das im Laufe der vergangenen Jahre viele Menschen ausgebildet hat, in der vergangenen Zeit aber auch viel alleine m Restaurant gearbeitet hat. „In letzter Zeit haben uns immer noch zwei Frauen aus dem Ort geholfen. Das war Gold wert.“

Im Laufe der Jahre hat sich vieles geändert im Postillion: 1985 wurde ein weiterer Raum an das Haus angebaut, seit sechs, sieben Jahren wird der Postillion ausschließlich als Restaurant genutzt, am Nachmittag, wenn früher Kaffee und Kuchen angeboten wurde, blieb geschlossen. Und Frühschoppen und Thekenbetrieb gibt es schon lange nicht mehr. Als das benachbarte Hotel Zens geschlossen wurde, blieben auch viele Gäste weg. „Das hat uns ganz viel ausgemacht“, sagt das Ehepaar. Viele Stammgäste sind dem Postillion aber erhalten geblieben. „Wer kommt, kommt gerne“, sagt Inge Gusovius. „Einige schon seit 20 Jahren. Da sind schon Freundschaften draus geworden“, sagen die Gastronomen, und Dirk Gusovius ergänzt: „Wenn einige Gäste zur Tür reinkommen, dann wusste ich manchmal schon, was ich kochen muss.“ Viele von ihnen haben sich bereits von den Gusovius verabschiedet.

Wann genau die schwere Holztür am Eingang des Restaurants zum letzten Mal schließt, steht noch nicht genau fest – nur, dass es in diesem Jahr sein wird. Die offizielle Abmeldung zum Jahresende sei wegen der Beiträge zur Gema, Steuern und anderer Gebühren nötig gewesen, sagt Dirk Gusovius.

Und was machen die beiden dann mit der neu gewonnenen Freizeit? „Das müssen wir erst noch üben“, sagt Dirk Gusovius und lacht. Mehr als vier Wochen Urlaub im November seien früher ja nicht drin gewesen. Vielleicht fahren die beiden bald öfter in den Schwarzwald, der Heimat von Inge Gusovius, oder besuchen wieder einmal ein Spiel vom Fußballclub Eintracht Trier, dessen Fan Dirk Gusovius seit vielen Jahren ist (Ich war 25 Jahre lang Mitglied.“) und dessen Wappen deshalb die Theke im Postillion ziert.

Bis dahin bleiben die Gusovius flexibel, was die Öffnungszeiten betrifft. „Wir sind ja da.“ Aber eben nur noch bis zum 31. Dezember, denn dann ist endgültig Schluss.

Liebevoll hat Inge Gusovius den Schankraum im Postillion dekoriert. „Dieses Schild hätten wir zigmal verkaufen können, so begeistert waren die Leute davon“, sagt sie.
Liebevoll hat Inge Gusovius den Schankraum im Postillion dekoriert. „Dieses Schild hätten wir zigmal verkaufen können, so begeistert waren die Leute davon“, sagt sie. FOTO: TV / Petra Willems