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Mit dem Wittlicher Bürgerbus zum Arzt und ins Café

Gudrun Krumbiegel nutzt den von Arnold Meyer gesteuerten Bus regelmäßig.TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling
Gudrun Krumbiegel nutzt den von Arnold Meyer gesteuerten Bus regelmäßig.TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling FOTO: klaus kimmling (m_wil )
Wittlich. Es läuft besser als erwartet: Knapp 2000 Fahrgäste haben das Angebot in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land bisher genutzt. Christina Bents

In den Dörfern ist es für Menschen ohne Auto schwierig, zum Arzt, Einkaufen zur Bank oder zu Behörden zu kommen. Gerade ältere Menschen sind davon betroffen. Deshalb ist im März 2016 in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land der Bürgerbus auf die Reise geschickt worden (der TV berichtete).

Experten glaubten damals, dass es ein bis zwei Jahre dauern würde, bis der Bus von den Menschen angenommen würde.
Doch es läuft besser als gedacht. Ende 2016 gab es bereits rund 440 Fahrgäste und 762 Fahrten.

Für das aktuelle Jahr legte Bürgerbusbeauftragter Klaus Mathy ebenfalls positive Zahlen vor: Über 1300 Fahrgäste gab es bis zum September. Mathy schätzt, dass man bis Ende Dezember auf 1800 Fahrgäste kommt. Zusammen mit den Mitfahrern aus dem Vorjahr, sind somit schon jetzt fast 2000 Menschen mitgefahren. Ende des Jahres werden es voraussichtlich über 2400 sein.

Insgesamt sind 28 Helfer im Einsatz, damit das Bürgerbusprojekt funktioniert. Davon sind 21 Fahrer und sieben Disponentinnen, die am Telefon die Fahrwünsche aufnehmen, und die Routen planen. Alles geschieht ehrenamtlich.

Montags und donnerstags wird südlich der A 60 gefahren und dienstags nördlich der Autobahn. 2016 ist man mit zwei Tagen gestartet, mittlerweile steht das Angebot aufgrund der großen Nachfrage schon an vier Tagen pro Woche zur Verfügung. Auch die Telefondienstzeiten sind um zwei Stunden pro Woche erweitert worden. Man kann montags und mittwochs von 14 bis 17 Uhr anrufen.

Klaus Mathy ist stolz, dass bisher noch keine Fahrt ausfallen musste. Er sagt: "Die Männer kennen sich jetzt alle untereinander und wenn einer mal nicht kann, ruft er einen Kollegen an. Zudem bekommen alle den Plan einen Tag vorher. So können wir das stemmen."

Die Hälfte der Fahrgäste nutzt den Bus, um zum Arzt oder zum Physiotherapeuten zu fahren, gefolgt von Einkäufen, Lebenshaltung, wie Bankbesuche oder Friseur, sowie Verwaltungsangelegenheiten und Besuche von Verwandten.

Katharina Wind aus Niersbach nutzt den Bürgerbus durchschnittlich einmal pro Woche. Sie ist voll des Lobes und sagt: "Ich fahre zum Arzt, zur Massage oder kaufe Kleinigkeiten ein. Hier bei uns ist ja nichts mehr, sogar das Metzgerauto kommt nicht mehr."

Weiter führt sie aus: "Die Fahrer sind alle sehr zuvorkommend und fahren mich mit den Einkäufen bis vor die Haustür. Mit dem Linienbus ist es für mich sehr beschwerlich den Weg von der Bushaltestelle mit Einkäufen zu bewältigen. Ich wollte das Angebot nicht mehr missen."

Um den Bürgerbus bekannt zu machen, waren die Verantwortlichen im Sommer in den Dörfern unterwegs.
Klaus Mathy berichtet: "Wenn in den Orten Grill- oder Seniorennachmittage waren, haben uns die Ortsbürgermeister Bescheid gegeben, und wir sind hingefahren und haben uns vorgestellt. Das wollen wir jetzt nochmal wiederholen."

Weiter führt er aus: "Ohne Mundpropaganda geht es nicht. Wenn einer mal aus dem Dorf mitgefahren ist, erzählt er das beim Kaffeekränzchen weiter. So kommen die meisten zu uns."

Der Erfolg hinterlässt Spuren und erregt Aufmerksamkeit über die kommunale Grenze hinaus. So ist der Bürgerbus vom Landkreis Bernkastel-Wittlich mit einem Preis der Aktion "Zu Hause alt werden" ausgezeichnet worden und im Februar diesen Jahres mit dem Ehrenamtspreis des Trierischen Volksfreunds.