| 15:26 Uhr

Handwerk
Moselaner planen gläserne Bäckerei in Wittlich

Die Geschäftsführer Holger (links/Bild links) und Sascha Linden (Zweiter von links) und die Konditoren Michelle Röhl (Dritte von links), Jonas Haag(Zweiter von rechts) und Katarzyna Grabowska (rechts) produzieren in der Konditorei des Unternehmens in Traben-Trarbach während des TV-Besuchs Schwarzwälder-Kirschtorten. Am Standort in Traben-Trarbach (Bild rechts) sehen die beiden Geschäftsführer keinen Raum, um die Backstube zu vergrößern.
Die Geschäftsführer Holger (links/Bild links) und Sascha Linden (Zweiter von links) und die Konditoren Michelle Röhl (Dritte von links), Jonas Haag(Zweiter von rechts) und Katarzyna Grabowska (rechts) produzieren in der Konditorei des Unternehmens in Traben-Trarbach während des TV-Besuchs Schwarzwälder-Kirschtorten. Am Standort in Traben-Trarbach (Bild rechts) sehen die beiden Geschäftsführer keinen Raum, um die Backstube zu vergrößern.
Wittlich. Der Handwerksbetrieb Wildbadmühle siedelt um: Das Unternehmen mit 35 Mitarbeitern zieht von Traben-Trarbach nach Wengerohr.

Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich die Stadt Wittlich auf die Neuansiedelung eines weiteren Unternehmens freuen darf, verliert damit Traben-Trarbach Ende 2019 einen Handwerksbetrieb mit mehr als 300-jähriger Tradition. Denn die Bäckerei und Konditorei Wildbadmühle will ihre Zelte an der Mosel abbrechen und sich samt 35 Mitarbeitern im Industriegebiet in Wittlich-Wengerohr ansiedeln.

Der Handwerksbetrieb, der in Traben-Trarbach Brot, Brötchen, Teilchen, Kuchen und Torten für seine zehn Filialen herstellt, will mit dem Umzug nach Wittlich Platz schaffen. „Wir stehen uns hier in Traben-Trarbach auf den Füßen und bekommen es hier nicht mehr gebacken“, sagt Geschäftsführer Holger Linden (31), der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Sascha und Vater Richard (67) leitet. „Wenn man handwerklich produziert, braucht man Platz“, sagt der Bäckermeister. Da das Grundstück in Traben-Trarbach an der Mosel nicht ausreiche, um sich zu vergrößern, habe man sich für den Standort Wittlich entschieden. „Man konnte uns hier im Moseltal, was wohl an der Topographie liegt, kein passendes Gewerbegrundstück anbieten.“ In Wengerohr solle ab Februar 2019 ein Neubau mit 2000 Quadratmetern Grundfläche entstehen. „Wir möchten mit dem Umzug nach Wittlich auch die Qualität auf die Spitze treiben“, sagt Linden. Denn wenn er mehr Platz habe, könne er die Teige für Brote und Brötchen noch länger reifen lassen, sagt Linden, „was sich positiv auf den Geschmack der Backwaren auswirken wird“.

Außerdem will die Bäckerei am neuen Standort gleich ein Café samt Verkaufsraum eröffnen. Allerdings soll es sich dabei nicht um ein gewöhnliches Café handeln, denn die Moselaner möchten in Wittlich eine gläserne Bäckerei eröffnen. Linden: „Wir möchten den Kunden Einblicke in unsere Backstube bieten. Wir sind noch ein echter Handwerksbetrieb. Alles was wir verkaufen, stellen wir selber her. Das möchten wir unseren Kunden zeigen. Deshalb planen wir in Wittlich eine echte Musterbäckerei, die Einblicke in unser Handwerk erlaubt.“ Das Café am Standort Wengerohr solle 300 Quadratmeter groß werden und sei auch als Kantine für die Mitarbeiter gedacht. „Unsere Mitarbeiter sehen den Umzug auch positiv und haben richtig Lust, in eine neue Backstube zu ziehen. Keiner hat gesagt: ‚Da will ich nicht hin’.“ Der Baubeginn sei für Februar 2019 geplant, sagt der Bäckermeister, „im Winter 2019 möchten wir in Wengerohr eröffnen.“ Welche Summe das Unternehmen in Wittlich investiert, will Linden für sich behalten. Das Gebäude der Wildbadmühle in Traben-Trarbach, sagt er, werde verkauft. Auch die gesamte Familie werde in die Säubrennerstadt umziehen.

Während der Wittlicher Bauausschuss, der die bevorstehende Ansiedelung diskutiert hat, die Entscheidung des Unternehmens mit Wohlwollen begrüßt, ist man darüber in  Traben-Trarbach schlicht entsetzt. „Das schmerzt mich allemal“, sagt Stadtbürgermeister Patrice Langer. „Aber des einen Segen ist des anderen Fluch. Dieser Staubsauereffekt der Stadt Wittlich, die wegen der B50-neu und dem Hochmoselübergang Gewerbebetriebe anzieht, tut uns an der Mosel weh.“ Deshalb arbeite man in der VG Traben-Trarbach mit Hochdruck an der Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebiets bei Kleinich, sagt Langer. „Im Umkehrschluss hoffe ich jedoch, dass in Wittlich die Mieten steigen und die Menschen zum Wohnen zu uns auf Land kommen, damit diese Abwanderung von Betrieben, wodurch uns Gewerbesteuern verloren gehen, zumindest etwas kompensiert würde.“

Derweil schafft die Stadt Wittlich mit den Planungen zur Erschließung des Industriegebiets-III-Nord bereits neuen Platz für Investoren. Die zuletzt erschlossenen Gewerbe- und Industriegebiete der Stadt im Vitelliuspark oder  Wengerohr sind mittlerweile restlos ausverkauft, weil die Säubrennerstadt bei Investoren aufgrund ihrer Lage und Verkehrsanbindung heiß begehrt ist.