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Brauneberg/Filzen
Nonnen in Grüften und der Teufel im Weinberg

Am Andreas-Turm, dem ältesten Gebäude im Landkreis, kommt man vorbei, wenn man über den Friedhof des Klosters geht.
Am Andreas-Turm, dem ältesten Gebäude im Landkreis, kommt man vorbei, wenn man über den Friedhof des Klosters geht. FOTO: Christina Bents
Brauneberg/Filzen. Im Kloster Filzen gibt es viel Geschichtsträchtiges zu entdecken. Allein der Bau aus dem Jahr 1721 ist imposant, dazu spannende Geschichten aus dem Klosterleben, die von Reichtum und Armut erzählen.

Sie knarrt, wenn Josef Thomas sie anhebt, die ebenerdige Tür, die zu den Treppen der Gruft im Kloster Filzen führt. Die obersten schmalen Stufen sind vor einigen Jahrzehnten erneuert worden, die darunterliegenden stammen noch aus den vorherigen Jahrhunderten.

Der Gang, zu dem man schließlich kommt, hat kein elektrisches Licht, nur durch schmale Schachte dringen einige Sonnenstrahlen hinein. An der linken Wand sind Kreuze und Jahreszahlen auf den Putz gemalt. Hier sind 36 Nonnen in den Klostermauern bestattet. Auf einer Liste, die am Ende des Ganges steht, kann man nachschauen, wer wo beigesetzt ist und wie lange die Frauen im Kloster gelebt haben.

Manche sind bereits mit 14 Jahren ins Kloster eingetreten und haben bis zu 70 Jahre hier verbracht. Josef Thomas, der ehrenamtlich jedes Jahr rund 2000 Besucher durch das Kloster führt, erklärt: „Hier waren viele Adelstöchter, die eine stattliche Mitgift mitgebracht haben. Einige kamen aus Italien. Sie haben diese Bestattungsform für das Kloster durchgesetzt.“

Das Kloster war reich.  300 Arbeiter haben elf Jahre lang daran gebaut. Die Mauern sind aus Schieferbruchstein, die einen Meter dick sind. Das Dach ist aus massiver Eiche, und als man 1985 zum ersten Mal die Eindeckung erneuert hat, sah man, dass hier nur handgeschmiedete Nägel verwendet worden waren. Das Gebäude ist zudem komplett unterkellert und das Gewölbe an der dünnsten Stelle 1,70 Meter stark. Deshalb ist es im Zweiten Weltkrieg auch als Luftschutzbunker genutzt worden. Elf Kinder wurden am Ende des Krieges hier für einige Tage versteckt, damit sie nicht mehr in den Krieg ziehen mussten.

Neben den Mitgiften der Nonnen, hatte das Kloster weitere Einnahmequellen. Der große Keller weist schon darauf hin: Es war der Wein. Im Jahr 1760 hat das Kloster 60 000 bis 70 000 Liter produziert. Daneben hatten sie eine Mühle und das Mahlrecht. Doch sie hatten kein Mahlrecht, um auf der Mosel zu mahlen, und so haben Bauern damals eine Schiffsmühle gebaut, damit sie nicht für das Mahlen ihres Korns ans Kloster bezahlen mussten. Zudem blühte damals der Ablasshandel, so dass ein Teil des Baus wahrscheinlich aus solchen Mitteln finanziert wurde.

Bis zu 30 Nonnen haben im Kloster gelebt, unter strenger Führung. Kurios ist, dass eine dieser strengen Oberinnen auf dem Dach der Kirche den Wetterhahn durch eine Henne ersetzten ließ. Erst 1921 wurde sie von einem Hahn abgelöst. Angefangen hat die Geschichte der Nonnen in Brauneberg-Filzen im 11. Jahrhundert in einer kleinen Klause und Kapelle in sehr ärmlichen Verhältnissen. Der Andreas-
turm, der älteste Teil des Klosters, gilt auch als das älteste Gebäude im Landkreis. Bis 1802 waren die Franziskanerinnen in Brauneberg, dann wurde das Kloster ausgelöst. Heute gehört der Kirche die Hälfte des Anwesens, die andere Hälfte gehört vier Privateigentümern. Zwei Räume stehen für Feiern zur Verfügung, in einem ist Platz für 60 Menschen, in dem anderen für rund 15 Gäste.

Einige Zeit, bis 1906, war die Schule in einem Raum des Klosters  untergebracht. Josef Thomas berichtet: „Eine Lehrerin hat in einem Raum die Klassen vom ersten bis ins achte Schuljahr unterrichtet, mit 104 Schülern, aber das wurde dann angemahnt und eine Schule gebaut.“

Die ehemalige Klosterkirche ist heute eine Pfarrkirche. In ihr ist noch eine Kreuzigungsgruppe, eine Glocke, das Bild der Stigmatisierung des heiligen Franziskus und eine Madonna aus dem Gründungskloster erhalten. Die Sandsteinplatte, die auf dem Altar lag, ist vor der Kirche zu sehen.

Josef Thomas zeigt, wo die Nonnen in der Gruft beerdigt sind.
Josef Thomas zeigt, wo die Nonnen in der Gruft beerdigt sind. FOTO: Christina Bents