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Open-Air-Konzert im Wittlicher Knast: Jupiter Jones rockt vor 300 Zuhörern

FOTO: Frank Göbel
Wittlich. Abwechslung im Gefängnisalltag: Vor gut 300 Zuschauern - darunter 180 Gefangene – hat die deutschlandweit bekannte Rock- und Pop-Band Jupiter Jones gestern ein Open-Air-Konzert in der Wittlicher Justizvollzugsanstalt gegeben. Nina Ebner

Durch die Gitter der Zellenfenster zeichnen sich am Dienstag schemenhaft die Umrisse zahlreicher Männer ab. Das, was sich unten im Innenhof der Wittlicher Justizvollzugsanstalt abspielt, weckt die Neugierde vieler Gefängnisinsassen: Die deutschlandweit bekannte Eifeler Band Jupiter Jones gibt in Wittlich ein Open-Air-Konzert. 180 Sträflinge dürfen den Auftritt der Musiker im Innenhof der JVA verfolgen, von der Bühne lediglich begrenzt durch einen meterhohen Zaun. Einer von ihnen ist Rainer. Seit Dezember 2014 sitzt er in Wittlich ein. Er hat das Bitburger Wirtshaus in Trier überfallen. Jupiter Jones kennt er, schon mehrfach hat er die Band live gesehen. Allerdings außerhalb der Gefängnismauern. Für Rainer ist das Konzert etwas Besonderes: "Wir haben hier im Gefängnis ziemlich wenig kulturelle Veranstaltungen", sagt er und freut sich über die Abwechslung im Knastalltag.

Auch Jörn Patzak bezeichnet den Besuch der - wie er sagt - "bekanntesten und erfolgreichsten Band der Region" als "Highlight": Seit knapp acht Monaten ist Patzak Leiter der JVA. Quasi als Antrittsgeschenk für die Gefangenen und Bediensteten hat er das Konzert von Jupiter Jones hinter Gittern organisiert.

Noch am Montag spielte die Band vor 6000 Zuschauern in Stuttgart. Einen Tag später, hinter den Mauern des Gefängnisses, sind es mit knapp 300 Zuhörern - JVA-Bedienstete, Gäste und Insassen - zwar deutlich weniger. Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch: Etwa eineinhalb Stunden rocken die fünf Musiker die Bühne und geben dabei auch ihre bekanntesten Songs wie "Still" und "Reden und Stolpern" zum Besten.

Der Zaun ist dabei für Jupiter-Jones-Frontsänger Sven Lauer kein Hindernis: Er kennt keine Berührungsängste, klatscht mit den Gefangenen ab, animiert sie zum Mitsingen und streckt ihnen immer wieder das Mikro entgegen. So werden selbst diejenigen, die zunächst lässig und cool die Hände in die Jogginghose stecken, aus der Reserve gelockt. Am Ende drängt sich eine Traube Insassen um den Zaun, vis-a-vis mit Frontsänger Lauer: "Wollt Ihr noch einen?", fragt dieser zum Abschluss des Konzerts. Die durchaus einleuchtende Antwort aus den Reihen der Insassen: "Wir haben Zeit!"