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Wirtschaft
Osann-Monzel geht mit der Konjunktur

 Mit dem Infrastrukturprojekt Hochmoselübergang steigt das Interesse an Gewerbeflächen in der Region. Die Zahl der Anfragen bei den Kommunen wächst stetig.
Mit dem Infrastrukturprojekt Hochmoselübergang steigt das Interesse an Gewerbeflächen in der Region. Die Zahl der Anfragen bei den Kommunen wächst stetig. FOTO: dpa / Jens Wolf
Osann-Monzel/Maring-Noviand . Die Weinbaugemeinde will sich mit Flächen am Gewerbegebiet der VG Bernkastel-Kues in Maring-Noviand beteiligen. Von Christian Moeris

Bei der Planung von Großprojekten ist es Gang und Gäbe, dass auch die jeweiligen Nachbargemeinden gehört werden. Deshalb befasste sich der Ortsgemeinderat Osann-Monzel im Oktober 2018 mit einem Vorhaben der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, die im Nachbarort Maring-Noviand ein 75 Hektar großes Gewerbegebiet plant (der TV berichtete).

Nicht nur, dass die große Mehrheit des Ortsgemeinderates an den Plänen, die auf dem Land der Nachbargemeinde Maring-Noviand umgesetzt werden sollen, nichts auszusetzen hat. „Durch ein solches Großprojekt gewinnen derzeitige aber auch künftige Gewerbestandorte innerhalb der Gemeinde an Bekanntheit und Attraktivität“, ist sich der Ortsgemeinderat sicher.

Die Osann-Monzeler wollen sich am Vorhaben der VG Bernkastel-Kues auch beteiligen. Mit zwölf Ja- und einer Nein-Stimme bei zwei Enthaltungen beschloss das Gremium, eine Beteiligung der Ortsgemeinde Osann-Monzel am interkommunalen Gewerbegebiet Maring-Noviand zu prüfen. „Je nach Topografie und Verfügbarkeit der angrenzenden Grundstücke besteht für die Ortsgemeinde unter Umständen ebenfalls die Möglichkeit, ein weiteres Gewerbegebiet auszuweisen“, war in der Beschlussvorlage zu lesen.
„Wir sind nicht nur ein Weinbauort, sondern mit unseren 50 Betrieben, die Winzer nicht mitgerechnet, auch Gewerbestandort mit mehr als 500 Arbeitsplätzen. Das ist historisch bedingt, denn Osann-Monzel liegt an einer uralten Handelsstraße“, erklärt Ortsbürgermeister Armin Kohnz.

Doch der weitere Ausbau Osann-Monzels als Gewerbestandort könnte sich schwierig gestalten. Ob der Ort auf der Gemarkung Monzel fünf Hektar Gewerbeflächen ausweisen darf und sich der 75 Hektar großen Planung in Maring-Noviand anschließen darf, liegt im Ermessen des Landes.

Das Problem: „Im regionalen Raumordnungsplan des Landes fehlt uns bislang die Funktion ‚G’ für Gewerbe“, erklärt Kohnz. „Wir haben bloß ‚L’ für Landwirtschaft sowie ‚E’ und ‚F’, was für Erholung und Freizeit steht.“ Aufgrund der Masse angesiedelter Betriebe und des bestehenden Status sei eine Klassifizierung der Ortsgemeinde als Gewerbestandort allerdings längst überfällig, meint Kohnz.

Ein weiterer Grund dafür, Osann-Monzel im Raumordnungsplan als Gewerbestandort auszuweisen, sei die nahende Eröffnung des Hochmoselübergangs. Denn mit der B50neu und dem Hochmoselübergang sei Osann-Monzel nun bestens angebunden.

Es sei fraglich, formuliert Kohnz diplomatisch, ob dieser vorauszusehenden Entwicklung raumplanerisch Rechnung getragen wurde.

Hat man in Mainz gepennt und es versäumt, entlang des großen Infrastrukturprojektes B50neu im Hunsrück, an der Mosel und in der Eifel neue Gewerbestandorte auszuweisen? War es nicht abzusehen, dass sich entlang dieser massiven Infrastruktur in Zukunft mehr und mehr Betriebe ansiedeln wollen? Hinkt das Land also der tatsächlichen Entwicklung hinterher, anstatt Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsstandorte zu gestalten? Wie dem auch sei.

In der VG Wittlich-Land und der VG Bernkastel-Kues entlang der B50 sieht man dringend Handlungsbedarf und hält eine Anpassung des Raumordnungsplans an die aktuellen Gegebenheiten für zwingend notwendig.
Kohnz: „Früher lagen wir in der Peripherie von Wittlich und Bernkastel-Kues. Jetzt haben wir eine hervorragende Infrastruktur, weshalb die Bestrebungen dahingehend zu dirigieren wären, den Raumordnungsplan den aktuellen Gegebenheiten anzupassen.“
Zudem seien die Gewerbegebiete in Föhren und Wittlich mittlerweile dicht, meint Kohnz. „Dann muss man doch einen Schritt nach außen gehen.“

Der Ortsgemeinderat plane zudem eine Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets Am Weisenstein, das derzeit fünf Hektar umfasst. Sieben Hektar sollen folgen, damit sich dort ortsansässige Unternehmen erweitern und neu ansiedeln können. Doch für Unternehmen, die sich erstmals in Osann-Monzel ansiedeln möchten und großen Flächenhunger mitbringen, ist ein neues Gewerbegebiet von Nöten. „Ich habe einen externen Interessenten, der hätte gerne vier Hektar. Insgesamt haben wir drei Anfragen, wobei viereinhalb Hektar nachgefragt werden.“
Die Nachbarn in der VG Bernkastel-Kues sind einer Beteiligung der Osann-Monzeler gegenüber nicht abgeneigt. Sie wollen sogar eine Absichtserklärung verfassen, um dem Wunsch, gemeinsam mit der VG Wittlich-Land ein interkommunales Gewerbegebiet zu gründen, Nachdruck zu verleihen. Wie Kohnz sagt, könne in einem interkommunalen Gewerbegebiet auch ein gemeinsamer Sportplatz für die Fußball-Spielgemeinschaft Platz finden. Denn Fußballvereine beider Kommunen spielen bereits über die Grenzen der Verbandsgemeinden hinaus zusammen. „Da brauchen wir dringend was Vernünftiges.“
Er sei zuversichtlich, sagt Kohnz, dass diese Ziele im Verbund mit Maring-Noviand und der VG Bernkastel-Kues erreicht werden könnten und ein interkommunales Gewerbegebiet entstehen könne. Kohnz: „Damit der Raumordnungsplan geändert werden kann, muss die Verbandsgemeinde Wittlich-Land ein Zielabweichungsverfahren anstreben.“
Wenn das Land mitspiele, „ginge das schnell“, meint Kohnz, der sich der Unterstützung aus der eigenen Verbandsgemeinde gewiss ist.