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Dorfgeschehen
Pleiner Chronik auf Bestseller-Kurs

Plein. Das Werk aus dem Ort und dem verschwundenen Dorf Ankes ist gedruckt. Vor 150 Pleinern und vielen anderen Gästen wurde es feierlich vorgestellt. Doch es gab auch mahnende Worte. Von Christina Bents

Der Andrang am Verkaufsstand hätte beim neuesten Harry-Potter-Band oder einem weiteren Herr-der-Ringe-Buch nicht viel größer sein können. Doch in Plein gab es die Ortschronik, auf die die Pleiner seit einiger Zeit gewartet haben. Drei Menschen hatten hinter dem Stand alle Hände voll zu tun, die Bücher rauszugeben. Pleins Ortsbürgermeister Bernd Rehm sagt: „Wir haben insgesamt 300 Exemplare drucken lassen, und 100 wurden gleich heute Abend verkauft, damit sind wir sehr zufrieden.“

Im Januar 2015 hat sich die erste Gruppe zusammengefunden, um die 30 Bildbände von Ewald Ostermann, der Texte und Fotos zu Plein gesammelt hatte, zu digitalisieren. Dazu wurden weitere Texte verfasst, von den Vereinen, der Kindertagesstätte und von Pleiner Bürgern. Dann musste die Chronik bebildert und in Form gebracht werden.

Zwei- bis dreimal im Monat haben sich Nico Gillert, Peter-Jakob Schmitz, Kajo Schleidweiler, Rainer Speder und Bernd Rehm deshalb getroffen. Bernd Rehm berichtet schmunzelnd: „Beim Korrekturlesen zeichnete sich besonders Kajo aus, der mit seinen Adleraugen ein Minuszeichen von einem Bindestrich unterscheiden konnte.“

Das fertige Werk hat 408 Seiten, die sich sehr griffig anfühlen, und umfasst Themen wie die Ersterwähnung Pleins, die 1288 und nicht wie angenommen 1317 war, Dorf- und Hausnamen, die alten Gasthäuser, die Wasserversorgung, die Landwirtschaft im Wandel sowie die Pleiner Geschäfte. Traditionen wie das Aufstellen des Maibaums, Karneval, Seifenkistenrennen und Porträts über Persönlichkeiten aus dem Ort wie Adam Koller, Ewald Ostermann oder den Schäfer Johann Thul sind ebenfalls zu lesen.

Auf die besonderen prägenden Geschichten, die es nur in Plein gegeben hat, brauchen die Leser selbstverständlich nicht zu verzichten. Das ist natürlich die Pleiner Birne, auch Pleiner Bia genannt, die überregional bekannt ist und aus der man einen hervorragenden Birnenschnaps brennen kann, und der falsche Pastor, der in Plein in den 1970er-Jahren gewirkt hat. Kajo Schleidweiler erinnert sich: „Eine ältere Frau hat damals gemeint: ,Jetzt hatten wir endlich einmal einen ordentlichen Pastor, und da war es keiner.’“

In Teilen hat Landrat Gregor Eibes die druckfrische Chronik bereits gesichtet. Interessant waren für ihn ebenfalls der falsche Pastor und die Planungen zur K 21. Auf zwei Dinge wieß er besonders hin: Zum einen, dass man beim Schreiben einer Chronik Revue passieren lässt, was zur eigenen Entwicklung beigetragen hat, und zum anderen, dass sich die Dorfgemeinschaft dadurch neu finden kann.

Der ehemalige Ortsbürgermeister Gregor Koller, der das Verfassen des Buchs angeregt hatte, meinte, dass man die Zeit des Nationalsozialismus in der Chronik hätte intensiver bearbeiten sollen. Er erklärte eindringlich: „Ich habe die Zeit noch erlebt, da war nichts Schönes dran. Dass jetzt eine Partei wieder anfangen will wie in den 1930er Jahren, da müssen wir uns wehren!“ Weiter sagt er: „Frieden haben wir, weil wir in Europa sind und nicht im Nazi-Deutschland“, und erntete damit den kräftigsten Applaus des Abends. Dass die Dorfgemeinschaft in Plein zusammenhält, zeigte sich bei der Buchvorstellung sehr deutlich. Musikverein und Kirchenchor haben die Gäste auf hohem Niveau unterhalten, das Interesse an der Chronik war hoch, und nach dem offiziellen Teil ging noch keiner nach Hause, sondern es wurde viel miteinander geredet und gelacht.