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Prozess in Trier fortgesetzt: 39-Jährigem wird versuchter Totschlag an Ex-Frau und Kinder vorgeworfen

Trier/Salmtal. Das Landgericht Trier hat den Prozess gegen einen 39-Jährigen fortgesetzt, dem versuchter Totschlag an seiner Frau, den gemeinsamen Kindern und dem neuen Freund der Frau vorgeworfen wird. Tatwaffe soll ein Auto gewesen sein. Friedhelm Knopp

Für die unbeteiligten Zeugen, die sich im Oktober 2016 auf der Autobahn bei Luxemburg-Stadt dem Ort des Geschehens näherten, sah es zunächst wie ein "normaler" Unfall aus.

"Ein beschädigter Wagen stand mit eingeschaltetem Warnblinker auf der Standspur, ein zweites Auto lag in der Böschung nebenan auf dem Dach", erinnert sich am Montag vor der Trierer Schwurgerichtskammer ein Paar, das auf der Fahrt nach Luxemburg als einer der Ersten die Stelle erreichte und anhielt. "Ein Mann kam aus der Böschung zum Auto auf der Standspur gelaufen, riss die Tür auf und trat auf den Fahrer ein. Eine Frau versuchte dazwischenzugehen, dazu noch zwei weinende kleine Mädchen, die ich erst mal von der Fahrbahn wegholte", sagt die Zeugin.

Sie hätten die Oma am Luxemburger Bahnhof abholen wollen, hätten die Kinder erklärt, doch dann habe sie ihr Vater und Ex-Mann ihrer Mutter mit dem Auto von der Autobahn abdrängen wollen. "Das war dort eine hochemotionale Situation, mit heftigem Disput in einer fremden Sprache zwischen der Frau und dem Angeklagten", sagt der Mann der Zeugin.

Laut Anklage soll der 39-Jährige an jenem Tag versucht haben, seine Noch-Ehefrau, ihren Freund und die beiden Kinder mit dem Auto umzubringen. 2015 war das Paar aus Serbien nach Deutschland emigriert. Aber auch schon die Ehejahre nach der Heirat in Serbien schildert die Frau als "Martyrium". Und in Deutschland sei es nicht besser geworden.

Wegen seiner ständigen Übergriffe gegen sie und auch die beiden gemeinsamen Kinder wurde das Paar schließlich behördlich getrennt - sie in Salmtal, er in Manderscheid.

Doch in Ruhe lassen wollte er sie auch danach noch nicht, wie die Einsatz- und Zeugenberichte der Polizeiinspektion Wittlich belegen (der TV berichtete).

Was bezweckte er dann mit dem filmreifen "Showdown" im Oktober 2016 auf der Autobahn? Staatsanwalt Eric Samel wertet die Aktion als versuchten Totschlag, Verteidiger Jan Salfer aus Wittlich sieht "nur" eine gefährliche Körperverletzung. Der Wittlicher Anwalt geht - anders als die Anklage - von nur einem Rammstoß aus, in dessen Folge sein Mandant selbst von der Fahrbahn abflog.

Die These von "drei Rammstößen oder auch mehr" bringt gestern dann der technische Sachverständige Heinz Burg zum Einsturz. Der Kfz-Ingenieur hat die Unfallstelle und die beiden Fahrzeuge genau analysiert und kommt zu dem Schluss, dass der Angeklagte den Wagen des Kontrahenten nur einmal seitwärts gerammt habe. Danach seien die Autos Seite an Seite noch eine gewisse Strecke mit rund 80 Kilometern pro Stunde weiter- gefahren.

Dabei habe der Angeklagte nach rechts in Richtung Fahrbahnrand gelenkt und der andere durch Linkseinschlagen versucht, dem entgegenzuhalten. Aus der Länge der Reifenspuren schließt der Experte, dass dieser Vorgang rund 2,7 Sekunden dauerte, bis das Auto des Angeklagten dann ins Schleudern geraten und in der Böschung gelandet sei.

Die Verhandlung wird am 3. Juli, 9 Uhr, vor der Trierer Schwurgerichtskammer fortgesetzt.