| 19:10 Uhr

Kriminalität
Prozess wegen Beleidigung in Wittlich: „Wie ein Hund, der die Zähne fletscht“

ARCHIV - Eine Statue der Justitia hält am 09.09.2014 in Bamberg (Bayern) eine Waage in ihrer Hand. Am Donnerstag beginnt vor dem Amtsgericht Nürnberg der Prozess gegen eine Mutter, die mit ihren vier Kindern nach Syrien gereist sein soll, um sich dem IS anzuschließen. (zu dpa «Prozess gegen Mutter wegen Entziehung Minderjähriger» vom 20.07.2017) Foto: David Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Eine Statue der Justitia hält am 09.09.2014 in Bamberg (Bayern) eine Waage in ihrer Hand. Am Donnerstag beginnt vor dem Amtsgericht Nürnberg der Prozess gegen eine Mutter, die mit ihren vier Kindern nach Syrien gereist sein soll, um sich dem IS anzuschließen. (zu dpa «Prozess gegen Mutter wegen Entziehung Minderjähriger» vom 20.07.2017) Foto: David Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: David-Wolfgang Ebener / dpa
Wittlich. Einem 42-jährigen Mann werden vor dem Amtsgericht zahlreiche Vergehen vorgeworfen. Aber ist er überhaupt voll schuldfähig? Von David Falkner
David Falkner

Mit der Befragung von zehn weiteren Zeugen ist der Prozess gegen einen 42-jährigen Wittlicher vor dem Amtsgericht in Wittlich fortgesetzt worden (der TV berichtete mehrfach). Dem Mann werden zahlreiche Fälle von Beleidigung, teilweise verbunden mit Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Nötigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstags standen vor allem zwei Ereignisse: Im August 2016 soll der Mann in Thalfang die Nachbarin seiner Verlobten grundlos beleidigt haben. Als die Polizei anrückte, habe der Mann sich in der Wohnung verschanzt und die Polizisten vom Fenster aus beleidigt – diesen Ablauf der Ereignisse skizzieren zumindest die Aussagen der Nachbarin, ihres Ehemanns und der befragten Polizisten.

Die Verlobte selbst stellte den Streit als eine hochgeschaukelte Diskussion zwischen Nachbarn dar, verwunderte vor allem Staatsanwalt Manfred Stemper aber durch klaffende Erinnerungslücken: „Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie nichts gesehen und gehört haben“, stellte Stemper im Gerichtssaal klar.

Der zweite in der Verhandlung größer thematisierte Vorfall soll sich im Dezember 2016 in Wittlich ereignet haben: Dem 42-Jährigen wird vorgeworfen, die Insassen eines vorbeifahrenden Autos grundlos beleidigt, den Wagen mit Pfefferspray besprüht, einen Scheibenwischer verbogen und seine Zigarette auf der Hose eines der Insassen ausgedrückt zu haben. Der Angeklagte selbst sagte vor Gericht aus, von einem Mann im Auto zuvor beleidigt worden zu sein und den Scheibenwischer nicht angerührt zu haben. Außerdem sei ihm die Zigarette einfach aus dem Mund auf die Hose des Mannes gefallen.

Egal, welche Interpretation der Geschehnisse dem Gericht am Ende plausibler erscheinen mag: Definitiv wahr sind die zahlreichen Vorstrafen, die der 42-Jährige angesammelt hat. Wegen mehrerer Diebstähle, Beleidigungen, Körperverletzung und Handels mit Betäubungsmittel wurde er bereits verurteilt. Derzeit laufen noch zwei Strafen, die zur Bewährung ausgesetzt sind, außerdem zahlt der Mann eine Geldstrafe in Raten ab.

Offen ist die Frage nach der Schuldfähigkeit des Wittlichers. Ein Polizist beschrieb im Zeugenstand den Mann als laut und aggressiv, er verhalte sich anderen gegenüber „wie ein Hund, der die Zähne fletscht“. Immer wieder wurde im Gerichtssaal sein Alkohokonsum thematisiert. Nach eigener Aussage trinkt der Mann etwa einen Kasten Bier am Tag. Auch Zeugen bestätigten vor Gericht den hohen Alkoholkonsum. Bereits nach dem frühmorgendlichen Kaffee fange er an zu trinken, berichtete beispielsweise seine Verlobte – „und dann den ganzen Tag über weiter“.

Ein psychiatrisches Gutachten, das vor Gericht verlesen wurde, attestiert dem Wittlicher eine Psychose und damit verminderte oder keine Schuldfähigkeit. Richter Stefan Ehses wies aber auch darauf hin, dass das Gutachten privat erstellt wurde. Ein unabhängiges psychiatrisches Gutachten soll beim nächsten Verhandlungstermin am Donnerstag, 30. November, 10 Uhr, folgen. Dann werden auch zwei letzte Zeugen verhört, die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger verlesen und das Urteil gefällt.