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Rückenwind für Preis nominiert

Mit nackten Füßen durch den Bach: Der Besuch eines Barfußpfades war einer der Programmpunkte für die Kinder von Strafgefangenen der Wittlicher Haftanstalt. Foto: privat
Mit nackten Füßen durch den Bach: Der Besuch eines Barfußpfades war einer der Programmpunkte für die Kinder von Strafgefangenen der Wittlicher Haftanstalt. Foto: privat
Wittlich. In Wittlich gibt es die größte Justizvollzugsanstalt (JVA) im Land. Anfang 2011 wurde die Initiative Rückenwind gegründet: Sie bietet mehr als einen Aufenthaltsraum für Partnerinnen, Eltern, Kinder der Inhaftierten. Sie berät und bietet den Kindern sogar Ferienfreizeiten an. Jetzt ist Rückenwind für einen bundesweiten Sozialpreis nominiert worden.

Wittlich. Den Weg zum Gefängnis für Angehörige der Insassen erträglicher gestalten will die "Rückenwind" genannte Initiative. Zwei bis vier Mal im Monat dürfen Strafgefangene von Familienmitgliedern Besuch bekommen. Oft reist die Familie von weit her nach Wittlich. Um beim Besuch pünktlich sein zu können, nehmen viele Wartezeiten in Kauf. Im Aufenthaltsraum der Beratungsstelle Rückenwind können sich Partnerinnen, Eltern und Kinder vor, während und nach den Besuchen im Gefängnis eine Auszeit gönnen.
Ein Stück Normalität


Aber auch an die besondere Situation der Kinder wird gedacht. So hieß es kurz vor Ende der Schulferien für Kinder von Strafgefangenen der Wittlicher Haftanstalten schnell die Koffer packen und auf zum Ferienspaß in den Hunsrück.
Für eine Woche veranstaltete die Anlaufstelle SKM Rückenwind - Hilfen für Angehörige Inhaftierter in Kooperation mit dem SKM Bruchsal im zweiten Jahr eine Ferienfreizeit für Kinder Inhaftierter. 21 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg freuten sich über Spiel, Spaß und Freunde in der Jugendherberge Sargenroth bei Simmern.
Auf die Frage, was das tollste Erlebnis in der Woche war, antwortete ein Junge aus Wittlich mit Begeisterung: "Dass wir im Freien übernachtet haben. Das war echt cool!"
Weitere Programmpunkte der erlebnispädagogischen Freizeit waren: Tagesauflug zum Wild- und Wanderpark, Besuch eines Barfußpfades sowie Lagerfeuer, Klettern und, bei den Kindern sehr beliebt, vom 20 Meter hohen Bismarck-Turm abseilen. Ein Ausgleich für den sonst oftmals mit Druck und Sorgen geprägten Alltag. Die veränderte Familiensituation, der eingeschränkte Kontakt zum Vater im Gefängnis sowie das Gerede der Schulkameraden stimmt die Kinder oft traurig und verunsichert sie in ihrem Verhalten. Schulschwierigkeiten, Erziehungsprobleme und soziale Ausgrenzung können die Folgen sein. Dank großzügiger Spenden wird für diese Kinder ein Stück Normalität geschaffen.
Begleitet wird die Freizeit von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern des SKM, Verein für soziale Dienste.
Das Projekt Rückenwind wird finanziert durch Mittel der Glücksspirale und des Bistums Trier. Spendengelder dienen der Finanzierung von zusätzlichen Hilfsangeboten für Kinder und Angehörige. Und vielleicht gibt es bald noch einen Zuschuss: Rückenwind ist einer der Finalisten, die für den Sozialpreis "innovatio 2013" nominiert ist, der am 27. November in Berlin vergeben wird. Schirmherren des Preises sind die Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland. 177 Projekte haben sich beworben, Rückenwind ist unter den zehn Nominierten. red/sosExtra

Der Verein Rückenwind kümmert sich um die Angehörigen von Strafgefangenen. Gegenüber der Justizvollzugsanstalt gibt es eigene Räume, wo sie die Wartezeiten verbringen können. Hier ist der Austausch mit anderen möglich, es gibt Rat und ein offenes Ohr für Ängste und Probleme. Neben Beratung bietet Rückenwind Kinderbetreuung während der Besuchszeiten in der JVA an, vermittelt an wohnortnahe Kooperationspartner und informiert über den Strafvollzug. red