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"Sie ist einzigartig auf der Welt"

Der Wittlicher Robert Bouffard schraubt in seiner Garage an seinem mühevoll umgebauten Motorrad. Obwohl er kein Profi ist und seine Umbauten extrem sind, hat der Tüv nichts auszusetzen. TV-Foto: Christian Moeris
Der Wittlicher Robert Bouffard schraubt in seiner Garage an seinem mühevoll umgebauten Motorrad. Obwohl er kein Profi ist und seine Umbauten extrem sind, hat der Tüv nichts auszusetzen. TV-Foto: Christian Moeris
Wittlich. Modern, aggressiv und mit toller Optik: So ein Motorrad sucht der 51-jährige Wittlicher Robert Bouffard in den Ausstellungsräumen der Motorradhändler vergebens. Deshalb hat der Garagentüftler in mühevoller Handarbeit eine Harley-Davidson XR 1200 nach seinem Geschmack umgebaut. Die kritischen Tüv-Ingenieure konnte er auch überzeugen. Christian Moeris

Wittlich. In Blaumann und Holzfällerhemd, die selbstgedrehte Zigarette im Mundwinkel, schiebt Robert Bouffard sein Schmuckstück aus der Garage. Erst im Tageslicht komme der perlmutt-grüne Lack des Motorrads richtig zur Geltung, sagt der 51-jährige Motorradfan. Die Harley XR 1200 funkelt, als wäre sie gerade vom Band gelaufen. Doch das wäre so gar nicht möglich. Denn in dem Design, wie sie auf Bouffards Hof steht, wird man die Maschine bei keinem Händler finden.
Mehr als ein Jahr hat der Wittlicher in seiner unbeheizten Garage an der Maschine gebastelt. So wurde aus einem Allroundmotorrad eine extravagante Rennmaschine. Äußerlich hat Bouffards Harley mit ihrem Ursprungsmodell keine Gemeinsamkeiten mehr.
"Ein Motorrad mit so toller Optik, aggressiv und modern, kann man nicht beim Hersteller kau fen", sagt der Wittlicher. Denn Bikes von der Stange gefallen dem Garagentüftler überhaupt nicht. Das sei wie bei Anzügen, sagt er: Dem einen seien sie zu klein, dem anderen zu groß. So passe ein Motorrad auch nicht jedem Fahrer.
"Als ich sie im Katalog gesehen habe, dachte ich, das ist ein hässliches Entlein. Aber aus der kann man was machen." Deshalb hat er das Motorrad für 7000 Euro gebraucht gekauft. Nach Feierabend hat er es auseinandergeschnitten, eine neue Hinterachse und Bleche für die Verkleidung geschweißt sowie etliche weitere Originalteile durch Marke Eigenbau ersetzt. Das neue Heck des Motorrads samt Sitzbank ist schmaler geworden und liegt nun höher. Auch die Gabel, an der das Vorderrad befestigt ist, hat Bouffard durch eine verkürzte Spezialanfertigung ersetzt. Darüber hinaus ist das Motorrad nun 40 Kilo leichter. 10 000 Euro hat der Wittlicher in den Umbau investiert. Damit hat sich der gelernte Stahlbau-Schlosser eine Rennmaschine gebastelt, die seinen Ansprüchen an Optik und Fahrgefühl genügt. Er sitze nun weiter nach vorne gebeugt, das sei aerodynamischer und sehe sportlicher aus, sagt Bouffard.
"Wenn man sich eine Harley vorstellt - dann bestimmt nicht so!" Doch die Ingenieure vom Tüv interessiert nicht, wie die Harley aussieht, sondern ob sie stabil ist. Trotz der gravierenden Änderungen, wie die Arbeiten am Rahmen, hat die Prüfstelle Bouffards Fahrzeug die nötige Verkehrssicherheit bescheinigt. Doch lange fahren möchte Bouffard die Maschine nicht. "Das Projekt ist jetzt abgeschlossen, und ich habe schon Ideen für ein anderes Motorrad, das ich so gestalten will, wie es mir gefällt." Um sein neues Projekt zu finanzieren, wird er sein aktuelles Schmuckstück verkaufen: "Klar ist: Das wird nicht billig. Denn so gibt es sie nur ein Mal auf der Welt."
Sein nächstes Projekt möchte der Garagentüftler niemandem verraten: "Das macht ja sonst jeder nach." So umfangreich wie bei der Harley solle der nächste Umbau nicht ausfallen. Sonst müsse er zu lange auf etwas Wichtiges verzichten: das Motorradfahren. Damit hat Bouffard vor 33 Jahren angefangen. Die umgebaute Harley ist die elfte Maschine in seinem Leben. "Wenn ich Motorräder sehe, bekomme ich leuchtende Augen." So gehe es auch anderen Bikern, die seine Harley sehen. Bouffard: "Auf der Straße bekomme ich viele Daumen hoch."
Extra

Das deutsche Harley-Davidson Magazin "Dream Machines" widmet in seiner September-Ausgabe der Sonderanfertigung des Wittlichers einen Artikel "Bouffard-XR". Chefredakteur Heinrich Christmann textet dazu: "Klein, zierlich und zackig ist die XR aus Wittlich geworden, eigentlich genau so, wie sie bei Harley vom Band hätte laufen müssen. Haaallo, Milwaukee!!!" red