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Event
Sommer, Sonne, Säubrennerkirmes

FOTO: Klaus Kimmling
Wittlich. Tausende Wittlicher sowie Gäste aus nah und fern feiern seit Freitag eine rekordverdächtige Kirmes. Heute Abend spielen die RoxxBusters. Von Christian Moeris und Christian Thome

Der Nachtwächter steht am Wittlicher Stadttor. Bis hierher bekannt und in der Sage so niedergeschrieben. Er sucht nach einem Riegel. Ebenfalls nichts Neues. Dass er dann jedoch ein Fahrradschloss aus der Tasche zieht und das Tor verschließt, hat es in dieser Form noch nicht gegeben. „Diese vegetarische Nummer mit der Rübe machen wir seit 68 Jahren, die hat noch nie funktioniert“, erwidert er eine Regieanweisung, die ihn dazu auffordert nach dem Drehbuch zu spielen.

Festumzug Säubrennerkirmes 2018 FOTO:

Doch eines nach dem anderen: Als die Säubrennerkirmes am Freitagabend um 18 Uhr auf dem Rummelplatz eröffnet wird, stürmen schnell hunderte Besucher die Fahrgeschäfte. Drei Stunden später geht es dann in den Stadtpark. Dort bringen die Fanfarenklänge der Gerolsteiner Stadtsoldaten die Besucher in Feststimmung. Dann wird es laut: Die Böllerschützen aus Wittlich-Neuerburg feuern ihre historischen Waffen ab. Albert Klein, erster Beigeordneter der Stadt, erklärt, dass die Böller früher auch zur Abschreckung der Luxemburger benutzt wurden. Heute ist das nicht mehr so: „Ich begrüße ganz besonders unsere Gäste aus Luxemburg.“ Nach Einzel-, Schnell-, Echo-, Gruppen- und Salveschüssen verlassen sie unter großem Applaus die Bühne.

Das vorläufige kulturelle Highlight, für das viele den Weg in den Stadtpark gefunden haben, beginnt: 100 Laienschauspieler führen die Geschichte auf, wie die Wittlicher zum Namen „Säubrenner“ kamen. Verkleidet als Schweine, Bauern, Ritter, Pichtermännchen und vieles mehr zaubern Akteure aus allen Altersklassen ein Stück auf die Bühne, das die Zuschauer begeistert. Und auch der Nachtwächter hat sich inzwischen beknien lassen und tauscht Fahrradschloss gegen Rübe. Diese wird gefressen, die Stadt erobert. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Gemeinsam marschieren die Akteure, Gäste, Fanfarenzug und Fackelträger zum Marktplatz, wo Bürgemeister Joachim Rodenkirch mit dem Belagerungstrunk die Feierlichkeiten auf dem Platz eröffnet. „Lasst uns im friedlichen Miteinander mit Wein und Musik die Kirmes feiern“, schlägt er vor. All das verdanken die Wittlicher einer Möhre - und der Tatsache, dass es im Jahr 1397 noch keine Fahrradschlösser gab.
Damals gab es auch noch keine Riesenräder, Break-Dance und viele weitere Fahrgeschäfte, die in diesem Jahr auf der Säubrennerkirmes gut besucht sind, wie viele Schausteller am Sonntagnachmittag sagen.  Der Rummelplatz sowie der Marktplatz, Pariser Platz und auch der Platz an der Lieser  sowie die Neustraße mit ihren Weinständen sind an allen Abenden brechend voll,  erklären die Winzer und Schausteller, die sich über ein Gutes Geschäft freuen. „Wir sind regelrecht überrannt worden“, sagt Winzer Lenz Jakoby aus Maring-Noviand. Grund dafür ist wohl, dass die Wittlicher bei der Säubrennerkirmes ja meist unheimlich Glück mit dem Wetter haben. Denn sie dürfen jetzt schon wieder drei Kirmestage bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen feiern.

Auf dem Festumzug am Samstagnachmittag, bei dem 25 Fußgruppen durch die Innenstadt ziehen und Musikvereine spielen, sind tausende Gäste auf der Säubrennerkirmes in Wittlich zu Gast. Das Publikum, das in Scharen die Straßenränder säumt, tanzt zu der stimmungsvollen Blasmusik der Musikvereine, die im Festzug mit durch die Innenstadt marschieren. Es herrscht eine ausgelassene Föhlichkeit wie beim Straßenkarneval – es sind nur erfreuliche 25 Grad wärmer als im Februar.

Nachdem die ersten Säue beim traditionellen Festumzug eingeholt sind, als das mit den Säuen beladene Pferdefuhrwerk den Marktplatz erreicht, schneidet Bürgermeister Rodenkirch im Saubratenstand auf dem Marktplatz den ersten von Röstmeister Andreas Mittler zubereiteten Saubraten an. Rundherum hört man die Weingläser klirren. Die Musikvereine spielen und Blasmusik schallt durch die Gassen – die Stimmung ist bestens.  So kann die Party weitergehen, die nach Angaben der Polizei sowie des DRK bislang weitestgehend friedlich verläuft. Seit Freitagabend wird gesungen, geschunkelt, getanzt, geschlemmt und natürlich auch angestoßen.

Am Montagabend erwartet die Kirmesgäste mit dem Auftritt der RoxxBusters noch ein musikalischer Höhepunkt. Die Profimusiker um Frank Rohles legen um 21.15 Uhr auf dem Marktplatzt, den sie schon mehrmals bis auf den letzten Platz gefüllt haben, los.

Die für viele Säubrenner wichtigste Nachricht zum Schluss: Röstmeister Andreas Mittler zählt am Sonntagabend kurz vor Redaktionsschluss 92 gebratene Säue. Der Rekord von 117 gebratenen Säue im Vorjahr scheint damit in Reichweite. Mittler: „Der ist zu knacken!“

Das Programm am Sonntag: Am Sonntag, 19. August, 11 Uhr, lädt das Mark-Schelzke-Quartett zum Jazz-Frühschoppen an der Bühne auf dem Pariser Platz ein. Von 11.30 Uhr bis 13 Uhr spielt der Musikverein Wengerohr auf dem Marktplatz. Im Anschluss spielt von 13.30 bis 15 Uhr der Musikverein Lüxem am Marktplatz. Am Pariser-Platz tritt in diesem Jahr der Musikverein Klausen von 14 bis 15.30 Uhr auf. Von 15.30 Uhr bis 17 Uhr spielt der Musikverein Bombogen auf dem Marktplatz. Der Musikverein Eintracht Minderlittgen ist ab 16 Uhr auf dem Pariser Platz zu hören. Der Männerchor Wittlich Quartett singt von 17.30 bis 18.15 Uhr auf dem Marktplatz.

Im Anschluss beginnt der Umbau für das Abendprogramm auf den Musikbühnen Pariser Platz und Marktplatz. Die Band Klangbild spielt ab 21 auf dem Pariser Platz. Eine Band, die Hits der letzten 40 Jahre Musikgeschichte akustisch interpretiert.

Ein echtes Highlight: Von 21.15 bis 23.15 Uhr dürfen sich die Besucher der Säubrennerkirmes auf die U.S.A.F.E. Band „The Ambassadors“ auf der Bühne am Marktplatz freuen. Die Formation "The Ambassadors" ist ein zwölfköpfiges Jazz-Ensemble des auf dem Flugplatz Ramstein stationierten Stabsmusikkorps der US-Luftstreitkräfte in Europa. Seit seiner Gründung im Jahr 1945 hat diese Gruppe in Europa und Asien einen breiten Querschnitt des amerikanischen Jazz präsentiert. In Wittlich wollen sie das Publikum aber hauptsächlich mit Rocksongs in Partystimmung bringen. Im Anschluss dürfen sich die Gäste auf den Sänger „Gloyd Lobster“ freuen. Der Sänger und Gitarrist spielt Hits der letzten Jahrzehnte auf seiner Gitarre und dem Cajon.

Das Musikprogramm auf den beiden Live-Musikbühnen endet in der Nacht auf Montag um 1 Uhr.