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Kinder
Tierisch gute Gemeinschaft in der Kita

Mit Erzieherin Jenny Klasen verlieren die Kinder der Kita Wittlich-Neuerburg  Berührungsängste vor Krabbeltieren. Einige trauen sich, sie auf die Hand zu nehmen, andere schauen erstmal zu.
Mit Erzieherin Jenny Klasen verlieren die Kinder der Kita Wittlich-Neuerburg Berührungsängste vor Krabbeltieren. Einige trauen sich, sie auf die Hand zu nehmen, andere schauen erstmal zu. FOTO: Christina Bents
Wittlich-Neuerburg. In der Kindertagesstätte Wittlich-Neuerburg gehören Tiere zum Alltag. Neben Stabschrecken sind Wellensittiche, Ziegen und ein Hund dort.

Möhren liegen auf einem Baumstamm vor dem Zaun der Ziegen. Knöpfli und Brauni, so heißen die beiden Tiere, wissen genau, dass das Gemüse für sie bestimmt ist, und stellen sich so dicht es geht heran. Die Kinder Josefine, Meyla und Emma freuen sich indes, die Tiere zu füttern. Weder die Kinder, noch die Ziegen haben Berührungsängste, als die Mädchen in das Gehege kommen.

Diese Szene spielt sich weder auf einem Bauernhof, noch in einem Tierpark ab, sondern in der Kindertagesstätte Wittlich-Neuerburg. Dort gehören Tiere zum Alltag. Neben den Ziegen sind Wellensittiche und Stabschrecken Teil der Kita. Im Frühjahr schlüpfen regelmäßig Kita-Küken, die später auf den Bauernhof von Kerstin Reinhardt, die als Erzieherin im Kindergarten arbeitet, umsiedeln. Außerdem ist jeden Dienstag Hundetag. Dann kommen im Wechsel die Border-Collies Fosco und Lamo. Erni Schaaf-Peitz, Leiterin der Kita, erklärt: „Viele der Kinder sind vier oder fünf Jahre bei uns in der Einrichtung, oft auch ganztags. Da wollen wir Alltagssituationen schaffen, in denen Tiere und Natur selbstverständlich sind, denn oftmals kommen die Kinder kaum noch in Berührung mit ihnen.“

An einem ganz normalen Kindergartentag fragt dann beispielsweise Erzieherin Jenny Klasen, ob eines der Kinder Lust hat, die Stab-
schrecken zu füttern. Dann melden sich Kinder, gehen zum Terrarium, legen frische Brombeerzweige hinein und besprühen sie mit Wasser. Die ein oder andere Schrecke geht auch auf die Hand der Kinder, und so verlieren die Kleinen die Scheu vor Vielbeinern und Krabbeltieren. Jenny Klasen berichtet: „Die Stabschrecken können auch gut hier im Kindergarten leben, denn sie sind Stress- und Lärmresistent.“

Das ist bei den Hunden ein wenig anders. Wenn Michaela Hares, Erzieherin und Verhaltenstrainerin für Hunde, ihre Tiere mitbringt, haben diese einen Rückzugsraum. „Man muss schauen, dass es den Kindern und den Tieren gut tut, wenn sie zusammen sind. Wenn es einem von beiden zu viel wird, muss man eine Pause einlegen“, sagt Ernie Schaaf-Peitz.

Die Tiere sind nicht einfach aus einer Laune heraus in der Kita, sondern es ist im Konzept der Kindertagesstätte pädagogisch begründet und verankert. Es soll auch keine Hysterie um die Tiere entstehen, sondern sie sollen ganz selbstverständlich dazugehören. Die Hunde sind von 9 bis 14 Uhr da, und wer von den Kindern Lust hat, kann sich an diesem Tag für den Hundekreis melden. Dann gibt es unterschiedliche Aktivitäten, und die Kinder spüren die Wechselwirkung zwischen ihnen und dem Tier. „Die Tiere haben eine hohe emotionale Intelligenz und spiegeln die Gefühle und die Laune des Gegenübers wider. Darüber hinaus kann man über die Tiere gut an die Kinder herankommen“, sagt Jenny Klasen.

An einem Beispiel verdeutlicht sie: „Wenn ein Kind beispielsweise sehr laut ist und mit Dingen um sich wirft, dann kann man ihm anbieten, zu den Tieren zu gehen. Das Kind lenkt seinen Fokus beispielsweise auf das Füttern von Vögeln, lässt sich auf die Tiere ein und findet sich wieder.“ Neben dem Emotionalen lernen die Kinder, im Alltag Verantwortung für die Tiere zu übernehmen. Mit daran zu denken, dass sie gefüttert werden müssen, helfen, den Stall zu reinigen oder Futter suchen.

Um die Tiere in der Kita halten zu können, muss das gesamte Team hinter dem Projekt stehen, denn die Ziegen, Vögel und Schrecken müssen auch am Wochenende, an Feiertagen und in den Ferien versorgt werden. „Wenn das Team da nicht mitziehen würde, könnten wir das nicht machen“, sagt die Leiterin. Gerne hätte die Kita auch Hühner, aber die Versorgung ist schwierig. Vielleicht gesellt sich demnächst noch ein weiteres Tier dazu. Kerstin Reinhardt überlegt, einen Esel mitzubringen.