| 12:23 Uhr

Obst trinken
TV-Serie Heimat-Genuss: Wenn aus Schnaps Edelbrand wird

Sortenreine Apfelbrände: Wer wissen möchte, was Boskoop und Goldrenette unterscheidet, kann ihre  Aromen im Edelbrand riechen und schmecken.
Sortenreine Apfelbrände: Wer wissen möchte, was Boskoop und Goldrenette unterscheidet, kann ihre  Aromen im Edelbrand riechen und schmecken.
Wolsfeld. Obst essen ist gesund. Obst trinken auch, sagt Brenner Bernhard Zender aus Wolsfeld in der Südeifel. In der Serie Heimat-Genuss verkostet der TV edle Tropfen, die aus den Früchten der heimischen Obstwiesen destilliert werden. Von Christian Moeris

Wie schmeckt die Heimat? Kräftig und fruchtig wie ein Apfelbrand der Sorte Rambur, sagt Brenner Bernhard Zender aus Wolsfeld. Auf dem rustikalen Holztisch im Gewölbekeller seiner Brennerei in Wolsfeld in der VG Bitburger Land hat er zur Verkostung seine edelsten Tropfen aufgereiht.

In der Hand schwenkt er ein bauchiges Gläschen an einem langen Stiel, worin eine klare Flüssigkeit schwappt. Um die Aromen des Edelbrandes zu erspüren, schnuppert er mit seiner Nase über dem Glasrand. „Vom Aroma her spiegelt der Brand dieser heimischen Sorte von unseren 90 Jahre alten Bäumen die Region, das Raue der Eifel, wider“, sagt Zender, nippt am Glas und lässt den Edelbrand, als würde er eine Mundspülung vornehmen, für einen langen Moment über seinen Gaumen schwappen.

Brenner aus Leidenschaft: Bernhard Zender (64) aus Wolsfeld liebt seinen Beruf und tüftelt gerne an neuen Produkten.
Brenner aus Leidenschaft: Bernhard Zender (64) aus Wolsfeld liebt seinen Beruf und tüftelt gerne an neuen Produkten.

Der TV-Reporter tut es ihm gleich: Wüsste man nicht, dass man an einem Destillat schnuppert, könnte man meinen, Zender würde einem einen Apfel unter die Nase halten. Das Fruchtaroma im Schnapsglas ist derart präsent, als wäre pures Obst im Glas, aber es ist eine klare Flüssigkeit mit einem Alkoholgehalt von 42 Prozent, die auf dem Weg den Rachen hinab eine wohlige Wärme verbreitet.

Quitten (Bild oben), Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen, Wacholder, Holunder und Wermut: In der Brennerei von Bernhard Zender in Wolsfeld landen viele heimische Früchte und Kräuter in der Brennblase.
Quitten (Bild oben), Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen, Wacholder, Holunder und Wermut: In der Brennerei von Bernhard Zender in Wolsfeld landen viele heimische Früchte und Kräuter in der Brennblase.

In der Serie Heimat-Genuss ist der TV heute zu Gast in der Eifelbrennerei von Bernhard Zender, der das Familienunternehmen in der siebten Generation führt. In langer Tradition – genau gesagt seit dem Jahre 1806 – wird auf dem Hof der Familie Zender in Wolsfeld Schnaps gebrannt. „Mein Urahne Gregore Eberhard hat damals mit einer Urkunde das Recht verliehen bekommen, Obst zu brennen“ sagt Zender. Beim Brennen sei es damals wie heute um die sinnvolle Verwertung der Früchte auf den Obstwiesen gegangen.

„In der Eifel wurde früher täglich Apfel- und Birnenbrand getrunken. Als echten Edelbrand, der hohem Besuch vorbehalten blieb, habe man damals nur die Zwetschge bezeichnet. „Ich erinnere mich noch an Zeiten“, sagt der 64-Jährige, „da stand immer eine Flasche Schnaps auf dem Küchentisch. Wenn ein Gast kam, dann bekam er erst mal einen eingeschenkt.“

Der klare Brand wird in bauchigen Gläsern mit langem Stiel serviert. In ihnen soll sich das Aroma der Edelbrände besonders entfalten können.
Der klare Brand wird in bauchigen Gläsern mit langem Stiel serviert. In ihnen soll sich das Aroma der Edelbrände besonders entfalten können.

Unter der Eifeler Bevölkerung seien die Obstbrände und der heimische Kräuterschnaps Batralzem zudem als Medizin angesehen worden. „Schnaps gehörte ehemals zum Alltag dazu. Heute ist Alkohol ja eher verpönt.“ Doch der Alkohol sei eh nur eine positive Begleiterscheinung des Obstbrennens, sagt Zender, der es in Wirklichkeit auf die Aromen abgesehen hat: „Der Alkohol ist der Aromaträger, denn das Destillat bindet die Aromen.“ Zender schenkt einen Zwetschgenbrand ein und hält seine Nase ins Glas. „Riechen Sie das Mandelaroma“, fragt er. Das entstehe durch die Verletzung des Kerns beim Einmaischen der Zwetschge. „Diesen Bittermandelgeschmack, den ich sehr schätze, findet man nur bei Bränden aus Steinobst.“

In Fässern gärt die Maische: Bis zum Brennen muss Alkohol entstehen, was meist durch die Zugabe von Reinzuchthefe beschleunigt wird.
In Fässern gärt die Maische: Bis zum Brennen muss Alkohol entstehen, was meist durch die Zugabe von Reinzuchthefe beschleunigt wird.

Besonders breit aufgestellt ist Zender, der 30 verschiedene Spirituosen brennt, im Bereich der Apfelbrände. „Ich brenne acht verschiedene Sorten.“ Goldrenette, Boskoop und Pinova: Der Südeifeler maischt die verschiedenen Apfelsorten seiner Obstwiese nicht im gleichen Fass ein, sondern produziert sortenreine Apfelbrände. „Es macht mir Spaß die verschiedenen Sorten gegeneinander zu probieren.“ Gleichermaßen professionell arbeitet Zender bei den Birnenbränden: Mit der Pleiner Birne, der Nelches Birne sowie der Gräfin von Paris und Williams-Christ produziert er auch bei dieser Frucht vier sortenreine Brände. „Die Birne ist schwierig zu brennen. Sie muss vollreif sein, so dass man den Stiel aus der Birne ziehen kann. Dann muss sie sofort eingemaischt werden und direkt bei nachlassender Gärung gebrannt werden.

Nach der Gärung kommt die Maische in die Brennblase. Zender brennt 30 verschiedene Spirituosen.
Nach der Gärung kommt die Maische in die Brennblase. Zender brennt 30 verschiedene Spirituosen.

Sonst gehen die frischen Aromen verloren.“ Während der Edelbrandprobe in Zenders Probierstube füllt sich der Spucknapf, der wohl beste Freund des Führerscheins bei einer Edelbrandprobe in der Südeifel. Nach der Verkostung verschiedener Kern- und Steinobstbrände sowie Zenders Interpretation des Südeifeler Nationalgetränks Batralzem, einem wermuthaltigem Schnaps, schenkt er zum Schluss sein innovativstes Podukt aus: Bernhards 1806. „Das ist ein Kapitel für sich“, sagt der 64-Jährige, der das Brennen im Alter von 25 Jahren lernte, indem er seinem Vater über die Schulter schaute. „Ich brenne jetzt in der siebten Generation und da macht man sich schon Gedanken darüber, wie es in der Zukunft weitergehen soll.“  Doch damit spricht Zender, der davon ausgeht, dass sein Sohn Andreas eines Tages in seine Fußstapfen tritt, gar nicht über die Unternehmensnachfolge, sondern die Produktpalette seiner Eifelbrennerei.

Auf der Suche nach einem innovativen Produkt sei er auf die Idee mit dem Eifel-Gin gekommen. Mit diesem Wacholder-Schnaps, den er mit Zitronenzeste sowie weiteren Kräutern und Samen verfeinere, habe er etwas kreieren wollen, „das nicht jeder macht“. Im Gegensatz zu anderen Edelbränden sei das aromatische Spektrum des Gins noch größer. „Die Kunden sind begeistert, obwohl die Eifeler keine Gintrinker sind. Man muss es den Leuten näherbringen und etwas Überzeugungsarbeit leisten.“ Ebenso stolz ist der kreative Brenner auf seinen „Eifel Sloe Gin“, der seine rote Farbe dadurch erhält, dass er nach dem Brennen mit Schlehen-Beeren angesetzt wird. „Wir trinken ihn am liebsten pur. Man kann ihn aber auch mit Tonic mixen oder auf Eis servieren.“

Zenders Unternehmensphilosophie, „ich mache hochwertige, ehrliche Brände und will eine zufriedene Stammkundschaft“, kann man riechen und schmecken. Der 64-Jährige tüftelt bereits an einem weiteren innovativen Edelbrand. Nur eines darf vorab schon verraten werden: „Ein alkoholfreier Gin wird es nicht.“