| 06:33 Uhr

Umweltgift PFT
Die Angst trinkt mit

Umweltschützer Günther Schneider aus Binsfeld steht an einem Trinkwasserbrunnen in Landscheid, der Luftlinie 3000 Meter vom US-Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem entfernt liegt.
Umweltschützer Günther Schneider aus Binsfeld steht an einem Trinkwasserbrunnen in Landscheid, der Luftlinie 3000 Meter vom US-Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem entfernt liegt.
Landscheid/Spangdahlem. Nahe der mit dem Umweltgift PFT belasteten US-Airbase Spangdahlem wird bei Landscheid Wasser gefördert. Ist das gefährlich? Von Christian Moeris

Nicht nur Angelteiche, Bäche, Flüsse und Böden sind stark mit den Schadstoffen verunreinigt, sondern auch tiefe Grundwasserschichten. Seit rund drei Jahren weiß die Öffentlichkeit, dass die Südeifel ein großes Umweltproblem hat: Rund um die Flugplätze Spangdahlem und Bitburg, den die US Air Force 1994 aufgab, sind perfluorierte Tenside (PFT) und andere gefährliche Schadstoffe über Jahrzehnte hinweg über den Löschschaum der Flughafenwehren in die Umwelt gelangt. Umweltschützer wie Landwirt Günther Schneider aus Binsfeld, der auch PFT-Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist, sprechen von einer tickenden Zeitbombe. Denn die Stoffe, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, werden in der Natur nicht abgebaut und reichern sich in Lebewesen immer stärker an. Für den Verzehr von Fischen mehrerer Flüsse rund um die Flughäfen gibt es seit geraumer Zeit die Menge beschränkende Verzehrempfehlungen.

Doch Landwirt und Umweltaktivist Schneider aus Binsfeld sorgt sich noch mehr um das Grundnahrungsmittel Nummer eins: das Trinkwasser. Zum Thema Trinkwasser in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land hat er den TV zu einem Abendspaziergang durch das Trinkwassergewinnungsgebiet Butterwies im Wald der Ortsgemeinde Landscheid eingeladen. Dort finden sich vier Trinkwasserbrunnen des Zweckverbands Wasserversorgung Eifel-Mosel. Rund 800 000 Kubikmeter Trinkwasser werden aus den Brunnen im Wald bei Landscheid, an denen auch der Eifelsteig entlang führt,  im Jahr gewonnen. Obwohl die Butterwies Luftlinie drei Kilometer von der Air Base entfernt liegt, ist – wenn auch nicht deutlich – aus der Ferne der Abendappell  samt Blasmusik von der Air Base zu hören. „Hören Sie die Amerikaner?“, fragt Schneider. „Daran merken Sie, dass die Air Base nicht weit weg ist.“

Befürchtung „Die räumliche Nähe der Trinkwasserbrunnen zum Luftwaffenstützpunkt ist besorgniserregend“, sagt Schneider. „Weil das Grund- und Trinkwasser, das hier abgepumpt wird, von allen Seiten nachströmt.“ Das könne man sich ungefähr wie einen Schwamm vorstellen, meint Schneider, der allerdings kein Hydrogeologe, sondern Landwirt ist. „Hier wird eine Delle in den Grundwasserspiegel gesaugt, weshalb Wasser von allen Seiten nachströmt.“ So könne auch mit PFT belastetes Grundwasser aus Richtung der Air Base nachströmen, befürchtet der Umweltschützer. Doch entspricht diese Theorie, die Schneider zum Grundwasser in der Butterwies aufstellt, den Tatsachen? Ist das Grund- und Trinkwasser in der VG-Wittlich Land im Bereich um die Air Base mit dem Umweltgift PFT kontaminiert? Der TV hat den Zweckverband Wasserversorgung mit den Bedenken des Umweltschützers konfrontiert.

Zweckverband Dr. rer. nat und Diplom-Ingenieur Norberth-Roland Kloos, stellvertretender Werkleiter, steht Rede und Antwort. Der Zweckverband kontrolliere das Wasser der vier Brunnen, die aus einer Tiefe zwischen 20 und 100 Metern fördern, im Hinblick auf perfluorierte Tenside, sagt Kloos. „Am Standort Butterwies wurden bis zum heutigen Zeitpunkt zwei Untersuchungen durchgeführt. Im August 2015 wurde das Rohwasser des Gewinnungsgebietes Butterwies auf PFT überprüft – ohne Befund. Die Messung wurde in April 2017 wiederholt - auch innerhalb dieser Untersuchung konnten keine PFT-Parameter  nachgewiesen werden.“

Die Werte würden sich somit unterhalb der Nachweisgrenze des Messgerätes im Analyse-Labor befinden.

Da es sich bei den PFT-Messungen um freiwillige Messungen handele, welche die Trinkwasserverordnung nicht vorschreibe, erklärt Kloos, seien die Messergebnisse bezüglich der perfluorierten Tenside in der Vergangenheit nicht veröffentlicht worden. Kloos: „Wenn ein Wert da wäre, dann würden wir das veröffentlichen. Dazu sind wir verpflichtet.“

Aber wie kann es sein, dass die Butterwies bislang von den perfluorierten Tensiden, die mit dem Oberflächenwasser in die Bäche, Böden und ins Grundwasser sickern, verschont geblieben ist? In einer Entfernung von Luftlinie etwa 3 000 Metern eine berechtigte Frage.

Kloos antwortet: „An der Butterwies geht das Schiefergestein in den Sandstein über, der sich in Richtung Eisenschmitt erstreckt.“ Dort staue sich also das Grundwasser, sagt Kloos, und die Butterwies sei durch das Schiefergestein geschützt. Denn diese Grundwasserscheide verhindere, dass Grundwasser von der Air Base in Richtung der Butterwies abströme. Der Zweckverband, erklärt Kloos, habe die Beschaffenheit des Gesteins von einem Hydrogeologen prüfen lassen.

Reaktion Doch die Argumente des stellvertretenden Werkleiters Kloos können Schneiders Misstrauen kaum abbauen. „Für mich ist das von denen damit zu schnell abgetan“, sagt Schneider. Bei der räumlichen Nähe sei ihm die bisherige Anzahl von nur zwei durchgeführten Messungen zu wenig. Schneider: „Das halte ich für extrem fahrlässig. Die machen es sich zu leicht.“