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Unbekannter schikaniert Familie

Blaulicht vor der Haustür, weil ein Unbekannter vortäuscht, es sei ein Verbrechen geschehen. Das will niemand erleben. TV-Foto: Klaus Kimmling
Blaulicht vor der Haustür, weil ein Unbekannter vortäuscht, es sei ein Verbrechen geschehen. Das will niemand erleben. TV-Foto: Klaus Kimmling
Wittlich-Land. Messerstecherei und Schießerei bei Wittlich: Das hat ein Unbekannter gemeldet und einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften ausgelöst. Außerdem hat er vorher zwei Bestatter gerufen. Es gab jedoch weder eine Gewalttat noch einen Verstorbenen. Die vermeintlich betroffene Familie ist schon länger Schikanen ausgesetzt. Sonja Sünnen

Wittlich-Land. Zwei Leichenwagen fahren vor, Polizei trifft ein, Rettungswagen stoppen: Das will keiner nachts vor der eigenen Haustür erleben, wenn er einfach schlafen will, völlig wohlauf ist. Aber so erging es einer Familie in einem Ort bei Wittlich am Donnerstagabend.
Glatte Lüge: "Opa ist tot"


Ein Unbekannter hatte böswillig den Großeinsatz ausgelöst. Er hatte den Notruf missbraucht. Am Tag drauf ist zu hören, es sei bei der Alarmierung von einer Messerstecherei und auch Schüssen gesprochen worden. Im Polizeibericht steht: "Der Notruf gelangte kurz vor 23 Uhr zur Funkleitzentrale in Trier. Die Rede war von einem schrecklichen Vorfall bei einer Familie in der Nähe von Wittlich. Sofort wurden mehrere Streifenwagen entsandt, ebenso weitere Rettungskräfte. Rasch stellte sich jedoch heraus, dass alle Familienmitglieder wohlauf waren und ein Unbekannter ihnen wohl ,nur\' übel mitspielen wollte. Und das wohl auch nicht zum ersten Mal. Denn in der Vergangenheit wurden unter anderem schon Speisen dort angeliefert und Dienstleistungen bestellt, die keiner brauchte oder gar angefordert hatte."
Als Bestellung einer Dienstleistung kann man auch Anrufe bei zwei Wittlicher Bestattern bezeichnen. Sie waren dem Notruf vorangegangen. Ein angeblicher Enkel teilte - teils schluchzend - mit, der Opa sei gestorben. Für beide Bestatter klang alles schlüssig: Vor-, Nachname, Ort wurden genannt, ungefragt hieß es, ein Arzt sei schon da gewesen. "Es war alles plausibel, wie bei einem ganz normalen Sterbefall, nicht wie bei einem schlechten Scherz, der alle Jahre mal vorkommt. Als wir vor Ort waren, war der angeblich Gestorbene wohlauf. Dann kam die Polizei. Unsere Mitarbeiter erfuhren auch von der angeblichen Messerstecherei und so weiter", sagen beide Bestattungsunternehmer auf TV-Nachfrage.
"Die Polizeiinspektion Wittlich hat die Ermittlungen aufgenommen und setzt alles daran, den Anrufer zu ermitteln", sagt Monika Peters, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Trier. "Solches Verhalten ist alles andere als lustig, sondern erfüllt Straftatbestände. Böswillige Alarmierungen binden unnötigerweise Rettungskräfte und Polizei, die anderorts möglicherweise dringend gebraucht werden. Sollte der Täter ermittelt werden, wird er sich auf jeden Fall an den Kosten für den Einsatz beteiligen dürfen."
Die angebliche Gewalttat hat sich zwar als nichts Reales herausgestellt, die böswillige Alarmierung sei aber ein Missbrauch von Notrufen, hinzu komme das Vortäuschen einer Straftat.
Monika Peters sagt: "Im vorgetäuschten Notruf wurde ein Sachverhalt geschildert, der alle zwingt, sich sehr schnell in Marsch zu setzen. Es geht auch darum, deutlich davor zu warnen, was man damit anrichten kann. Ärzte, Polizisten, Rettungskräfte sind dann gebunden, wenn sie woanders zum Beispiel bei einem Unfall tatsächlich gebraucht werden."
Hinweise: Polizeiinspektion Wittlich, Telefon 06571/9260.