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Ehrenamt
Verdiente Ehrung für viele Mehrkämpfer

Den Preis als Stille Stars haben acht Preisträger im Kreis Bernkastel-Wittlich bekommen.
Den Preis als Stille Stars haben acht Preisträger im Kreis Bernkastel-Wittlich bekommen. FOTO: Christoph Strouvelle
Wittlich. Landrat Gregor Eibes zeichnet acht Einzelpersonen und Institutionen für ihr ehrenamtliches Engagement als Stille Stars aus. Von Christoph Strouvelle

Vereine und Institutionen wie die Feuerwehr funktionieren nicht ohne freiwillige Helfer. Unter den vielen Ehrenamtlern, die sich in ihrer Freizeit engagieren, sind Menschen wie Ursula Morbach aus Zeltingen-Rachtig. Sie ist eine der Ehrenamtler, die von Landrat Gregor Eibes als Stiller Star ausgezeichnet wurde. Denn die „ehrenamtliche Mehrkämpferin“, wie Eibes sie und auch andere Preisträger (siehe Info) bezeichnet, engagiert sich in vielfältiger Weise. Seit 2011 hat sie 40 Opfer von Gewaltverbrechen betreut. Ihr Schwerpunkt ist die Betreuung von jungen Missbrauchsopfern, sagt der Landrat in seiner Laudatio. Hinzu kommen präventive Vorträge für Eltern, Lehrer und Erzieher. Zudem begleitet die ehemalige Krankenschwester als ehrenamtliche Helferin einmal im Jahr die Wallfahrt des Bistums nach Lourdes und betreut die mitreisenden Kranken. Hinzu kommen Tätigkeiten in ihrem Heimatort Zeltingen-Rachtig. Wie verarbeitet eine ehrenamtliche Helferin solch belastende Tätigkeiten wie die Betreuung der Missbrauchsopfer? Für sie sei es wichtig, den Betroffenen zuzuhören und Lösungen aufzuzeigen, sagt Morbach. „Ich verstehe mich als Lotse“, sagt sie. Und gerade ihre einwöchige Wallfahrt nach Lourdes gebe ihr viel Kraft, weiter zu arbeiten.

Morbach steht stellvertretend für die Stillen Stars, die oft im Hintergrund arbeiten und in dieser Feierstunde in der Kreisverwaltung von Landrat Eibes geehrt werden. Da ist Karola Perling, die 40 Jahre, bis zu ihrem 82. Lebensjahr, Tages- und Wochen-Bildungsfahrten für die Bürger aus ihrem Heimatort Hontheim und darüber hinaus organisiert hat und so laut Eibes besonders der älteren Generation die Möglichkeit gegeben habe, kulturelle Begegnungen zu erleben und soziale Gemeinschaft zu erfahren. Zudem war sie jahrzehntelang als Küsterin in Wispelt tätig und hat sich jahrzehntelang in der Fastnacht engagiert. Auch Klaus Bracht aus Bettenfeld und Werner Mertes erhielten von Landrat Eibes die Stele, die sie als Stille Stars auszeichnen. Bei Bracht stellt Eibes sein Engagement in Bettenfeld als „Kümmerer“ des Stops der Vor-Tour-Hoffnung heraus, bei der Geld für krebskranke und hilfsbedürftige Kinder gesammelt wird (der TV berichtete), bei Mertes dessen Engagement im THW, in dessen Auftrag er in 27 teils mehrwöchigen Auslandseinsätzen unterwegs gewesen war und erwähnt auch dessen Engagement in der Lokalpolitik und der Feuerwehr.

Unter den Vorschlägen, Initiativen als Stille Stars auszuzeichnen, hatte die Jury neben den Einzel-Preisträgern auch vier Gruppen ausgewählt. Da ist zum einen das 24-köpfige Team der Notfallnachsorge im Landkreis. Sie stehen Menschen als Ansprechpartner zur Verfügung, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben wie der plötzliche Tod von Angehörigen. 96 Mal sei die Notfallnachsorge im vergangenen Jahr von der Rettungsleitstelle angefordert worden, sagt Eibes. Die Benefizradler aus Plein, die in den vergangenen elf Jahren eine Spendensumme von 269 000 Euro gesammelt haben, die 70 regionalen und überregionalen Hilfsprojekte zugute kamen, die siebenköpfige Rentnerband Lieser, die in ihrer Gemeinde einen erheblichen Teil der lokalen Infrastruktur pflegt und repariert, von Ruhebänken bis zu Wegekreuzen und Heiligenhäuschen, sowie die Theatergruppe Hetzerath sind ebenfalls für ihr außergewöhnliches Engagement „gegen Diskriminierung und Fremdenhass“ und für eine „wertvolle Erinnerungskultur“ von Eibes ausgezeichnet worden. „Das ist eine ganz große Ehre für unsere Theatertruppe“, sagt der Vorsitzende Ottmar Hauprich. Mit der Ausstellung, die 800 Leute besucht haben, sowie den Theatervorstellungen vor 1300 Besuchern habe man ein Zeichen gegen Rechtspopulismus setzen wollen. „Für uns ist die Auszeichnung eine unheimliche Anerkennung. Das motiviert die Truppe wahnsinnig, dass sie so wahrgenommen wird“, sagt Erwin Klasen von der Notfallnachsorge. Denn die Helfer erscheinen nie in der Öffentlichkeit. Klasen: „Es ist gut, dass man an uns gedacht hat.“