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Soziales
Viel eingenommen, viel ausgegeben

 Tierheimleiter Rainer Kordel hatte 2018 wenig zu lachen. Er hofft, dass seine Einrichtung 2019 nicht so überlastet sein wird.
Tierheimleiter Rainer Kordel hatte 2018 wenig zu lachen. Er hofft, dass seine Einrichtung 2019 nicht so überlastet sein wird. FOTO: TV / Christian Altmayer
Altrich. Im Eifeltierheim Altrich sind im vergangenen Jahr so viele Katzen und Kleintiere versorgt worden wie noch nie. Das sorgte für hohe Kosten. Warum die Einrichtung 2018 trotzdem mit einem kleinen Plus abschließen kann. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Derzeit ist es ungerwöhnlich ruhig im Eifeltierheim Altrich. So leer sind die Zimmer in der Einrichtung selten. Der Grund ist, dass der Tierarzt, der die Unterkunft betreut, über die Feiertage geschlossen hatte. Um die Quarantänestation in dieser Zeit nicht zu überfüllen, wurden deshalb kaum Schützlinge aufgenommen. Von den wenigen, die nach Weihnachten noch da waren, hätten die Mitarbeiter dann viele vermittelt. „Das ging hier zu wie im Taubenschlag“, sagt Chef Rainer Kordel.

Es sei aber auch höchste Zeit, dass die Pfleger und Ehrenamtlichen mal durchatmen können. Nach dem harten vergangenen Jahr hätten sie die Pause nötig, sagt Kordel.  Im Schnitt vier bis fünf Samtpfoten teilen sich derzeit einen Raum in Altrich (Wittlicher Land). Die Zahl der vierbeinigen Bewohner liegt bei rund 40 Tieren. Im Sommer 2018 waren es zeitweise fast dreimal so viele.

Bis zu 110 Katzen mussten in dem einzigen Tierheim im Norden der Region gleichzeitig Platz finden. „Katzenschwemme“ nennt Leiter Rainer Kordel, was sich in den Monaten Juni bis August abgespielt hat (der TV berichtete). 450 Tiere nahm die Einrichtung im Jahr 2018 auf, alleine 375 davon waren Katzen. Zum Vergleich: 2017 waren es rund 70 Vierbeiner weniger gewesen.

Inzwischen ist der Großteil von ihnen vermitteln. Kordel kann einen Aktenordner mit Fällen vorzeigen, der aus allen Nähten platzt. Doch wie ist dieser Zuwachs überhaupt zu erklären? Da lohnt ein Blick in die Statistik, die der Chef des Tierheims führt.

Auffällig ist hier beispielsweise, dass der Anteil der Fundtiere im Vergleich zu vergangenen Jahren gestiegen ist. 2017 waren von 305 Katzen nur 128 ausgesetzte Tiere. Alle anderen wurden von ihren führeren Besitzern abgegeben. 2018 waren es hingegen 201 von 375 Schützlingen, also mehr als die Hälfte. Auch die Pflegestellen des Fördervereins Eifeltierheim Altrich seien überfüllt gewesen. Doch woher stammen all diese Katzen?

Das lässt sich in Kordels Dokumenten nachvollziehen: nämlich aus der Region rund um Bitburg und Prüm. Hier haben sich die Fundzahlen innerhalb eines Jahres offenbar verdoppelt. In und rund um die Bierstadt wurden alleine 30 Tiere eingefangen und nach Altrich gebracht, in Prüm 14, in Speicher fünf und in Kyllburg vier.

 Dafür hat der Leiter der Einrichtung eine Erklärung: „Wir haben das hier extrem gespürt, als die Tierhilfe Eifelkreis aufgegeben hat.“ Der Verein hatte sich im Juli des vergangenen Jahres mangels aktiver Ehrenamtler aufgelöst. Sprecher Klaus Wagner sagte dem TV damals: Die Versorgung von herrenlosen Tieren in der Region sei kaum noch zu stemmen.

Die Folge war laut Kordel, dass alle, die Tiere fanden oder abgeben wollten, diese nach Altrich brachten. Denn weder in Bitburg noch in Prüm gibt es ein Tierheim, was Tierschützer seit Jahren beklagen. Zuvor hatten sich viele Eifeler an die Tierhilfe Eifelkreis oder einen der anderen Vereine gewandt. Doch nach dem Aus der Gruppe blieben in der Region nicht mehr viele, die sich kümmern konnten oder wollten (der TV berichtete). Bitten, eine kommunale Einrichtung zu schaffen, kamen die Verbandsgemeinden und der Kreis bislang nicht nach. Der Tenor: So groß sei das Problem nicht.

Kordel hingegen sagt: „Es darf dieses Jahr nicht so weitergehen.“ Denn viele Tiere brauchen viel Futter, viel Streu und viele Medikamente. Hinzu komme, dass eine Überlegung der Einrichtung dazu führe, dass sich die Katzen untereinander mit Krankheiten ansteckten. Genau das sei im Sommer passiert. Allein die Arztkosten betrugen im vergangenen Jahr 36 200 Euro. 2017 waren es nur 28 000 Euro gewesen.

Trotzdem konnten die Altricher das vergangene Jahr mit einem kleinen Plus beenden. Denn nicht nur die Ausgaben waren 2018 so hoch wie nie, sondern auch die Einnahmen. „Wir hatten einige tolle Spendenaktionen, für die ich mich bei allen Unterstützern herzlich bedanken will“, sagt Kordel. So seien allein beim Sommerfest in Altrich rund 6500 Euro mehr zusammengekommen als 2017. Außerdem habe das Tierheim Rücklagen ausgegeben.

Große Investitionen  seien 2018 trotzdem nicht drin gewesen, sagt Kordel: „Wir mussten ja gucken, dass wir überhaupt über die Runden kommen.“ Die Außengehege habe man renovieren können. Aber auch die Wintergärten wollte das Team angehen. Dafür war aber kein Geld mehr da, „und keine Zeit“, sagt Kordel: „Die Versorgung der Tiere ging vor.“

Wenn sich an den hohen Belegungszahlen 2019 nichts ändere, sagt Kordel, werde es schwierig schwarze Zahlen zu schreiben. Es gebe daher auch die Überlegung, die Vermittlungsgebühr dieses Jahr zu erhöhen. Maximal 140 Euro verlangt die Einrichtung von neuen Herrchen und Frauchen. Der Betrag richtet sich danach, wie oft der Vierbeiner im Tierheim  geimpft wurde und ob eine Kastration notwendig war. „Seit acht Jahren haben wir die Gebühr nicht erhöht, obwohl alles teurer wurde“, sagt Kordel. Nun werde es Zeit, darüber nachzudenken.

Viel lieber wäre es dem Leiter des Tierheims allerdings, wenn die Kommunen die Unterkunft finanziell stärker unterstützen würden. „Ich bin es aber leid, ständig um Geld betteln zu müssen“, sagt Kordel.

Außerdem brauche die nördliche Eifel dringend ein eigenes Tierheim: „Die Bitburger und Prümer müssen schauen, dass sie ihre Dinge geregelt bekommen.“

Wenn es nach Kordel geht, gehört dazu auch, sich für eine Kastrationspflicht in der Region einzusetzen. Denn wenn es die gäbe, würden sich die Katzen nicht so stark vermehren wie derzeit.