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Stadtplanung
Verwirrung im verkehrsberuhigten Bereich

Seit der Platz an der Lieser umgestaltet ist, ist die Feldstraße in diesem Bereich verkehrsberuhigt. Viele wünschen sich dort wieder einen Zebrastreifen.
Seit der Platz an der Lieser umgestaltet ist, ist die Feldstraße in diesem Bereich verkehrsberuhigt. Viele wünschen sich dort wieder einen Zebrastreifen. FOTO: Klaus Kimmling
Wittlich. Viele Fußgänger vermissen den Zebrastreifen in der Feldstraße zum Platz an der Lieser. Und es gibt noch einen weiteren Kritikpunkt.

  Wo früher ein Zebrastreifen für geordnete Verhältnisse sorgte, herrscht heute eher allgemeine Verunsicherung: Seit der Umgestaltung des Lieserufers in Wittlich ist die Feldstraße ein verkehrsberuhigter Bereich. Entsprechende Schilder und eine rote Markierung des Asphalts weisen darauf hin. Dennoch wissen weder Passanten noch Autofahrer, wie sie sich richtig verhalten sollen, wie eine TV-Umfrage zeigt.

Fußgänger berichten immer wieder von Autos, die dort mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs seien, wodurch oftmals brenzlige Situationen entstünden.

Der TV hat sich bei regem Treiben an einem Markttag auf dem Platz an der Lieser bei Passanten und Händlern erkundigt und gefragt, wie sie die aktuelle Verkehrssituation in der Feldstraße einschätzen. Auch die Stadt sowie die Polizeiinspektion Wittlich haben zu dem Thema Stellung bezogen.

Das sagen die Passanten Dem 77-jährigen Vincenzo Calabrese, der schon seit vielen Jahren auf dem Wochenmarkt sein italienisches Olivenöl anbietet, stößt die neue Verkehrsführung der Feldstraße unangenehm auf. Er sagt: „Hier fahren etwa 80 Prozent aller Autos zu schnell. Wenn Marktbesucher oder auch Kinder mal unaufmerksam auf die Straße treten, kann es richtig gefährlich werden.“ Er hat auch schon eine Idee, wie man die Situation verbessern könnte. „Wenn man hier wie früher einen Zebrastreifen hinmacht, würde sich die Situation sicherlich beruhigen.“

Diese Meinung teilt auch Wochenmarkt-Kunde Franz-Josef Ames. Der 73-Jährige aus Zeltingen-Rachtig sieht hier ebenfalls Verbesserungsbedarf: „Eine Querungshilfe für die Passanten wäre an der Stelle sehr hilfreich. Ein Zebrastreifen oder eine kleine Verkehrsinsel könnte die Autofahrer etwas bremsen.“

„Das neue Lieserufer und auch die neugemachte Feldstraße gefallen mir sehr. Durch den unmittelbaren Zugang zum Wasser wird Wittlich wortwörtlich zur Stadt am Fluss“, sagt Gerhard Kien aus Wengerohr. Er genießt das gute Wetter auf einer Holzbank an der Lieser. Doch der 65-Jährige hat auch etwas zu bemängeln:  „Der einzige Kritikpunkt meinerseits sind die schnellen Autos, die hier vorbeifahren. Denen könnte man mit einem Zebrastreifen ein Stück weit Einhalt gebieten.“

Zweimal in der Woche beobachtet Suleyman Akyüz von seinem Feinkoststand aus das Geschehen rund um den Platz an der Lieser. Der 41-Jährige sieht Handlungsbedarf: „Einige Autofahrer achten hier kaum auf die Passanten, die vor allem an Markttagen in einer Vielzahl die Straße überqueren wollen. So kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Ich wäre dafür, dass man wie früher einen Zebrastreifen über die Straße führen lässt.“

Ähnliche Probleme in diesem Bereich sieht Hartmut Huwer. Auf Höhe des Platzes an der Lieser bleibt der 65-jährige Wittlicher kurz stehen,  beobachtet die Verkehrssituation in der Feldstraße und sagt: „An sich finde ich die Planung in diesem Bereich gelungen. Das Problem ist, dass die vorbeifahrenden Wagen nicht auf die Schilder achten, die auf einen verkehrsberuhigten Bereich hinweisen. Anstatt wie vorgeschrieben Schrittgeschwindigkeit zu fahren, rauschen hier viele Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit vorbei.“

Katharina Rade aus Bergweiler sitzt auf einer Holzbank direkt neben der Feldstraße. Was hält die 52-Jährige von den Neuerungen? „Der gesamte Platz mit seinen vielen Sitzmöglichkeiten ist eine wahrhafte Aufwertung für die Wittlicher Innenstadt. Zur Beruhigung der Verkehrssituation könnte man noch ein Zebrastreifen beitragen, so dass die Fußgänger in Ruhe die Straße überqueren können.“

„Ich glaube, das wahre Problem ist, dass die meisten Autofahrer die Bedeutung des hier aufgestellten Spielstraßenschildes nicht kennen. Eigentlich muss man hier Schritttempo fahren. Viele Autos sind aber zu schnell unterwegs“, beurteilt Walter Könen das Geschehen. Der 66-jährige Altricher hat auch schon eine Lösung parat: „Man kann zusätzlich Schilder aufstellen, die ein Tempolimit anzeigen, damit auch jeder versteht, dass hier langsam gefahren werden muss. Zusätzlich kann man über einen Radarkasten nachdenken, den man hier platzieren könnte.“

Das sagt die Stadt Wie bewertet nun die Stadt Wittlich die neu geschaffene Verkehrssituation in der Feldstraße? Ist man im Rathaus mit der aktuellen Situation zufrieden? Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadt, antwortet: „Diese Frage kann generell weder mit Ja noch mit Nein  beantwortet werden. Vorliegend handelt es sich um einen verkehrsberuhigten Bereich, das heißt: Jedes Fahrzeug darf höchstens Schrittgeschwindigkeit, also vier bis sieben Kilometer in der Stunde, fahren. Zudem dürfen Fußgänger nicht gefährdet oder behindert werden, und Fahrzeuge müssen notfalls warten. Allerdings dürfen Fußgänger trotzdem nicht unnötig die Fahrzeuge behindern.“

Allgemein sei festzustellen, dass die Regeln des öffentlichen Straßenverkehrs zunehmend missachtet würden, so Stöckicht. So gäbe es auch in der Feldstraße sicherlich einzelne Fahrer, die sich über bestehende Regeln bewusst oder unbewusst hinwegsetzten. „Dieses Phänomen beschränkt sich allerdings nicht nur auf den verkehrsberuhigten Bereich in der Feldstraße, sondern ist wohl eher als eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung zu beobachten.“

Sieht die Stadt also keinen Verbesserungsbedarf? Stöckicht: „In jedem Projekt verbirgt sich Verbesserungspotenzial. Allerdings muss sich die neue Verkehrssituation in der Feldstraße erst einmal etablieren, bevor man verlässliche Daten erheben kann. Erst wenn diese Daten analysiert wurden, können mögliche Maßnahmen geprüft und in den Gremien diskutiert werden.“

Vor circa vier Wochen wurde auf Höhe der Altstadt-Apotheke eine Geschwindigkeitsanzeige angebracht. Im Moment ist diese aber nicht in Betrieb. Stöckicht: „Die Geschwindigkeitsanzeige wurde installiert, um die erforderlichen Verkehrsdaten zu erheben. Leider wurde die Messanlage durch einen Verkehrsteilnehmer so beschädigt, dass auch die gespeicherten Daten verloren gegangen sind.“ Wann die Messanlage wieder repariert wird, muss noch entschieden werden, da die Kosten noch nicht feststehen.

Das sagt die Polizei Entgegen dem Empfinden der befragten Bürger sieht man die Verkehrssituation der Feldstraße in der Polizeiinspektion Wittlich gelassen: Hauptkommissar Heinz Hoffmann sagt: „Uns ist die Feldstraße seit der Neuregelung des Verkehrs nicht als Unfallschwerpunkt bekannt.“

Was sagen Sie zur neuen Verkehrsführung am Lieserufer? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in Kürze per E-Mail an mosel@volksfreund.de. Bitte Vor- und Nachnamen sowie Wohnort nicht vergessen.