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Vollernter im Einsatz: Die Weinlese hat begonnen

Schnelle Lese: Winzer Bernd Rieth lässt seine Rivaner-Trauben von der Maschine ernten. TV-Foto: Klaus Kimmling
Schnelle Lese: Winzer Bernd Rieth lässt seine Rivaner-Trauben von der Maschine ernten. TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: klaus kimmling (kik), klaus kimmling ("TV-Upload kimmling"
Bernkastel-Kues. An der Mosel haben die Winzer mit der Lese der frühen Rebsorten begonnen. Der Rivaner, auch Müller-Thurgau genannt, wird hauptsächlich in den Flachlagen angebaut, ebenso der Dornfelder. Dort sind größtenteils Vollernter im Einsatz. Die wichtigste Rebsorte, der Riesling, muss noch reifen. Er wird voraussichtlich erst ab Mitte Oktober gelesen. Winfried Simon

Das Dröhnen des 200-PS-Motors ist weit zu hören, und die rote Erntemaschine ist nicht zu übersehen. Sie fährt über die Rebzeilen und schüttelt die Traubenbeeren von den Stielen. Am Ende der Zeile steuert der Fahrer, der hoch oben in der Kabine sitzt, den gigantischen, über vier Meter hohen Vollernter zum bereitstehenden Traubenwagen. Der Fahrer bedient ein, zwei Hebel und kippt die Trauben ab. Innerhalb von einer halben Stunde hat die Maschine einen großen Weinberg abgeerntet. Für die gleiche Zeit wären mindestens 50 fleißige Lesehelfer notwendig gewesen.

Es ist Weinlese an der Mosel. Doch Menschen sieht man derzeit kaum in den Weinbergen - nur Maschinen. Die Winzer haben mit der Ernte der frühreifen Rebsorten wie Rivaner und Dornfelder begonnen, und diese wachsen hauptsächlich in den flachen Lagen, wo die über 200 000 Euro teure Maschine eingesetzt werden kann. Lohnunternehmer übernehmen diesen Job.

Bernd Rieth aus Kinheim, der mit seinem Bruder Johannes in Kinheim im Nebenerwerb 3,5 Hektar Weinberge bewirtschaftet, ist zufrieden. Soeben hat die Maschine seinen Weinberg im Kinheimer Römerberg abgeerntet. "Das sieht sehr vielversprechend aus, ich kann mich nicht beschweren", sagt er und zeigt die goldgelben und zuckersüßen Rivaner-Trauben.

Der Rivaner ist mit zwölf Prozent der Rebfläche nach dem Riesling die zweitwichtigste Rebsorte an der Mosel. Er, sowie der rote Dornfelder, der auf etwa vier Prozent Flächenanteil kommt, können jetzt unter besten Witterungsbedingungen geerntet werden. Es ist sonnig und trocken und nachts kühl. Wolfram Börker, Fachberater beim DLR, sagt: "Die Trauben sind goldgelb und gesund." Er schränkt aber ein: "Das gilt nur für die Weinberge, wo der Pflanzenschutz geklappt hat." Der Pflanzenschutz war im Sommer die Herausforderung schlechthin. Ab Pfingsten, also ab Mitte Mai bis in den Juli, hat es fast jeden Tag mehr oder weniger stark geregnet. Der Juni brachte es auf insgesamt 25 Regentage. Börker: "Wer im Mai einen Tag zu spät die Weinberge gespritzt hat, bekam große Probleme." Einzelne Betriebe müssen daher enorme Mengenverluste hinnehmen. Besonders betroffen waren auch ökologisch wirtschaftende Güter (siehe Artikel unten).
Die gesunden Rivaner-Trauben haben je nach Lage und Behang 70 bis 85 Grad Mostgewicht. Das lässt hervorragende Weine erwarten. Börker: "Bei diesen Werten entwickelt der Rivaner sein bestes Aroma." Die Saftausbeute ist allerdings gering, die Erntemenge wird daher voraussichtlich eher unterdurchschnittlich ausfallen.

Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Bernkastel-Kues gibt jetzt wöchentlich die Ergebnisse der Reifemessungen bekannt. Anfang dieser Woche lagen die Oechslegrade - diese geben den Fruchtzuckergehalt an - beim Riesling bei 77 Grad. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr wurden 79 Grad gemessen. Die Rieslingernte wird voraussichtlich nicht vor dem 10. Oktober beginnen. Die Aussichten für einen sehr guten Riesling-Jahrgang sind bislang hervorragend - vorausgesetzt, dass im Oktober keine längere Regenperiode einsetzt.
Extra

Die Traubenlese an der Mosel beginnt in der Regel mit der "frühen Sorte" Rivaner (auch Müller-Thurgau genannt). In der Abfolge der Rebsorten kommt danach der Dornfelder zur Reife, dann Weiß- und Grauburgunder, ebenso Kerner, gefolgt von Spätburgunder und an der Obermosel der Elbling. Mit der Reife der Rieslingtrauben kommt an der Mosel die Weinlese zu ihrem krönenden Abschluss. Viele Einflüsse entscheiden über Zeitpunkt der Weinernte. Wichtigster Indikator für die Reife der Trauben ist der Fruchtzuckergehalt, der in Grad Oechsle gemessen wird. Der Zucker, der bei der Vergärung des Mostes in Alkohol umgewandelt werden kann, ist Maßstab für die Reife der Trauben und bestimmt im Wesentlichen das Mostgewicht, das in Oechslegraden ausgedrückt wird. Aber nicht nur der natürliche Zuckergehalt der Weintrauben ist entscheidend. Um reife, harmonische Weine erzeugen zu können, muss der Winzer die physiologische Reife der Trauben abwarten. Viele Winzer messen daher nicht nur das Mostgewicht, sie probieren im Herbst täglich die Trauben in ihren Weinbergen, um festzustellen, wann der Geschmack und damit die Qualität optimal ist. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Traubenkerne braun werden und sich leicht vom Fruchtfleisch lösen. sim