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Vom Krankenbett bis zum Rollator

Mit viel Zeit und Energie setzten sich die Vereinsmitglieder der Meerfelder Seniorenhilfe und Krankenbettenverleih des Vereins ein. Sechs Jahre lang hatte Bürgermeister Karl Weiler (ganz rechts) den Vorsitz. TV-Foto: Christina Bents
Mit viel Zeit und Energie setzten sich die Vereinsmitglieder der Meerfelder Seniorenhilfe und Krankenbettenverleih des Vereins ein. Sechs Jahre lang hatte Bürgermeister Karl Weiler (ganz rechts) den Vorsitz. TV-Foto: Christina Bents
Meerfeld. In Rheinland-Pfalz ist der Verein Meerfelder Seniorenhilfe und Krankenbettenverleih einzigartig. Dort können sich Menschen, die ein Pflegebett brauchen und beispielsweise nicht krankenversichert sind, ein solches ausleihen.

Meerfeld. "Wenn ich in meinem Bekanntenkreis erzähle, dass ich im Verein Seniorenhilfe und Krankenbettenverleih bin, schauen mich die meisten erstaunt an und wissen damit nichts anzufangen", erklärt Kerstin Ludwig. So geht es wahrscheinlich auch vielen, die am ehemaligen Spritzenhäuschen in Meerfeld vorbeifahren und das Vereinsschild sehen.

Neues Kochbuch geplant


Dem Verein gehören 40 Krankenbetten, drei Rollatoren, acht Nachttische, zwei Roll- und vier Toilettenstühle, die an Bedürftige verliehen werden. Wenn jemand also ein Krankenbett benötigt, aber von der Pflegekasse keins bekommt, beispielsweise weil er nicht Dreiviertel des Tages im Bett verbringt, nach einem Unfall das Bett nur für einen begrenzten Zeitraum braucht, oder weil er keine Krankenversicherung hat, kann er beim Vorstand des Vereins anrufen. Dann wird abgesprochen, was die Person braucht, ob es momentan zur Verfügung steht, und schließlich kann es dann in Meerfeld abgeholt werden. Ilona Schmitz, erste Vorsitzende: "Wir vereinbaren aber mit den Leuten, dass sie sich nach einem Jahr zurückmelden und uns dann sagen, ob sie das Bett noch länger brauchen. Damit wir auch ungefähr einen Überblick haben."
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 35 Betten ausgegeben und wieder zurückgenommen. "Die Menschen sind sehr froh, wenn sie bei uns ein Bett oder einen Rollator bekommen, denn oft werden die Sachen dringend gebraucht und sind zum selbst- kaufen für viele zu teuer. Ein Pflegebett kostet beispielsweise 1200 bis 1500 Euro, ein Rollator 150 Euro."
Über Spenden finanziert sich die Seniorenhilfe, Menschen die sich ein Bett geliehen haben, geben oft einen Betrag, dann spenden Vereine oder Privatleute, und durch das im Verein zusammengetragene Kochbuch "So kocht man in Meerfeld" kommt Geld ein. "Und wenn wir ein bisschen Geld zusammenhaben, schaffen wir wieder etwas für den Verein an", berichtete die Vorsitzende. Für Reparaturen fallen kaum Kosten an: "Wir haben die Pflegehilfen bisher immer in einem sehr guten Zustand wieder zurückbekommen. Wenn etwas kaputtgeht, haben wir hier auch Handwerker, die uns günstig die Sachen reparieren", sagt Sigrid Bros. In diesem Jahr wollen die Vereinsmitglieder am 17. Juni ein Vereinsfest feiern. Außerdem soll ein weiteres Kochbuch erscheinen. chb
Extra

Der Verein Meerfelder Seniorenhilfe und Krankenbettenverleih wurde 1993 von Gundula Siegmund gegründet. Anlass war eine ältere Dame, die von Frauen aus der Nachbarschaft gepflegt wurde. Damit sie sich im Bett besser aufsetzen konnte, wurde an ihr Bett ein Bettgalgen aus Holz gebaut. Anschließend hat man das erste Bett angeschafft. 2003 hat Gundula Siegemund den Vorsitz abgegeben und Ortsbürgermeister Karl Weiler hat den Vorsitz kommissarisch übernommen. Einige ältere Damen haben ihn unterstützt. Gundula Siegemund hat inzwischen für die Vereinsgründung das Bundesverdienstkreuz bekommen. Seit 2009 gibt es einen neuen Vorstand. Die erste Vorsitzende ist Ilona Schmitz, Telefon 06572/4546. chb