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Weltklasse-Jazz unterm Kronleuchter

David Williams, der Bassist des Cedar Walton Quartets, in Wittlich. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
David Williams, der Bassist des Cedar Walton Quartets, in Wittlich. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
In einem neuen Umfeld aber in bewährter Qualität veranstaltete der Wittlicher Jazzclub sein November Konzert: ein in jeder Hinsicht gelungener Abend. Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Reuther

Wittlich. Jazz in Plüsch und unter Kronleuchtern: das ist nicht neu aber absolut cool. Echte Clubatmosphäre kam auf im traditionellen Ambiente des Casinos, wo der Wittlicher Jazzclub sein jüngstes Konzert veranstaltete. Ein Volltreffer - zumal auf dem Podium mit dem Cedar Walton- Quartet ein Spitzen-Ensemble musizierte, dessen Name allerorts die Säle füllt. Drei umwerfend gute Altmeister und ein eindrucksvoller "Youngster" sorgten für Stimmung und begeisterten mit ihrer Spielfreude ihr Publikum, das sich am Ende beharrlich eine Zugabe erklatschte.

Zwischen den Vollblut-Musikern stimmt die Chemie, da muss man nur hinsehen. Rhythmus und Spannung sind angesagt, wenn sie am Werk sind und eine unbändige Lust am Spiel. Wenn das Quartett den Beinahe-Klassiker "In the kitchen" (in der Küche) gibt, dann wird genauso heiß gegessen wie gekocht und scharf gewürzt sowieso.

Der 74-jährige Walton, Hardbob Star und selbst schon ein Stück Jazzgeschichte, hat nicht nur seinen Humor behalten, er beherrscht auch noch immer meisterlich am Klavier die perlenden geschmeidigen Läufe von ehedem. David Williams, übrigens ein Sohn des legendären Buddy Williams, ist eins mit seinem Bass, hört in ihn hinein, rast mit ihm und lehnt sich zärtlich an ihn wie an eine Geliebte.

Javon Jackson, mit gut 40 Jahren der Jüngste, sorgt mit seinem klangvollen Saxofon, seinen erdigen Tönen für jenes ewige Heimweh, das dem Blues innewohnt und das zu jeder traditionellen Jazz-Session gehört. Der eigentliche Star des Quartetts ist freilich Alvin Queen. Einmal mehr bestätigte der Weltklasse-Musiker in Wittlich, dass er einer der größten Drummer der Jazz Geschichte ist. Dem begnadeten Queen zuzuschauen, wenn er aus Händen und Unterarmen die Rhythmen schüttelt, wenn er diskret mit den Besen über die Trommelfläche wischt, wenn er selbst Rhythmus wird und bisweilen vor Übermut außer sich zu geraten scheint, das ist Genuss pur. Keine Frage: Wer nicht da war, hat was versäumt.