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Natur
Wenn Cindy und Bert gemeinsam die Kutsche ziehen

Franz Weber und sein Enkel Theo fahren oft gemeinsam mit dem Traktor zu den Pferden um nach ihnen zu sehen und sie zu füttern.
Franz Weber und sein Enkel Theo fahren oft gemeinsam mit dem Traktor zu den Pferden um nach ihnen zu sehen und sie zu füttern. FOTO: Christina Bents
Niederöfflingen. In Niederöfflingen züchtet Franz Weber und seine Familie Ardenner Pferde, eine alte Rasse, die früher zum Holzrücken und zu Bodenarbeiten eingesetzt wurden. Von Christina Bents

Sie heißen Cindy und Bert, Barrique und Pinot oder einfach Hermann, bei der Namensgebung seiner Ardenner-Pferde beweist Franz Weber immer wieder Einfallsreichtum und Humor. Das Pferd Hermann kam beispielsweise zu seinem Namen, weil der Ortsbürgermeister Hermann Josef Clemens bei der Geburt des Fohlens mitgeholfen hat. „Es war sonst keiner im Ort greifbar außer dem Ortsbürgermeister und da hat er mir zur Seite gestanden“, erklärt Franz Weber. Barrique kommt zu ihrem Namen, weil der Züchter 45 Jahre bei der Firma Clemens im Vertrieb von Weinbaumaschinen tätig war, und deshalb eine intensive Beziehung zum Wein hat. Pferde waren dabei schon immer das Hobby des gelernten Landwirts. Als er dann in Rente gegangen ist, hat er sich um die Zucht der Tiere gekümmert, die als sehr robust und lebhaft gelten (siehe Extra). Insgesamt hat er neun Zuchtstuten. Er sagt: „Es macht mir einfach Spaß.“ Und mit der Freude an den Ardennern hat er auch seine Familie infiziert, seine Frau Pia, sein Sohn Benjamin und die Schwiegertochter Nina helfen gerne mit. „Sonst wäre das auch nicht zu schaffen“, wie der rüstige Rentner sagt. Wichtig ist ihm, dass er seine Tiere beschäftigt, entweder bei privaten Kutschfahrten, landwirtschaftlichen Vorführungen an Festen oder beim Holzrücken. Er berichtet: „Manchmal fahren wir mit der Familie und Freunden mit der Kutsche, das sind sehr schöne Ausflüge.“

Er bringt seinen Pferden auch bei, auf Kommandos zu hören, damit sie beispielsweise beim Holzrücken einsetzbar sind. „Da ist die Sprachsteuerung sozusagen schon mit eingebaut“, sagt er lachend. Bei der Zucht ist ihm Qualität sehr wichtig, so hat er einen Deckhengst gekauft, der von einem luxemburger Champion abstammt.

Bei Dorfjubiläen oder an Sportfesten ist er mit seinen Pferden und den passenden landwirtschaftlichen Geräten vor Ort und zeigt, wie man früher die Felder gepflügt, oder das Heu gewendet hat. „Das interessiert die Leute, einige kennen das noch, aber bei den unter 50-Jährigen weiß kaum jemand Bescheid“, erklärt er. Er stellt zudem fest, dass auch das Interesse an den Kaltblutrassen, die früher Arbeitspferde waren, steigt. Dass die Tiere, die zwischen 800 und 1000 Kilogramm wiegen, viel Kraft haben, sieht man ihrem stämmigen Körper an. Es gibt inzwischen sogar eine kleine Industrie, sie sich auf Pferdezugtechnik spezialisiert hat, beispielsweise im Taunus. Die Insel Juist und auch vereinzelte Winzer in Luxemburg setzen Pferde ein. „In den Weinbergen helfen sie bei der Bodenbearbeitung mit, aber das sind meist PR-Veranstaltungen. Wobei man eine Leidenschaft für die Tiere haben muss, egal ob zu PR-Zwecken oder im tatsächlichen Einsatz“, sagt Weber. Im Gemüseanbau, wo große Flächen Boden zu bearbeiten sind, ohne dass er zu sehr verdichtet wird, sind die Pferde, aus seiner Sicht, eine echte Alternative zu Maschinen oder Handarbeit. In diesem Jahr hat er sich besonders um seine Tiere gekümmert, die rund 9,5 Hektar Wiese mit Bachlauf und Schattenplätzen haben, denn das Futter ist auch bei ihm wegen der Trockenheit knapp geworden. „Zwischendurch habe ich ihnen Heuballen gebracht und für den Winter haben wir schon zusätzliches Futter besorgt, damit Barrique, Pinot und die anderen keinen Hunger leiden müssen,“ so Franz Weber.